Des Gemetzels zweiter Tag!

PAK2Freitag, 10:07 Uhr: Ich nehme mir vor, eine kleine Runde über das Camping-Areal zu drehen, werde aber direkt zu Beginn von zwei stämmigen Frankfurtern mit den Worten „Ebbelwoi – Hals enoi!“ verhaftet. Widerstand ist da natürlich zwecklos und so finde ich mich am Rand des Flunkyball-Spielfeldes wieder. Offensichtlich ist gerade eine komplett in Windeln gekleidete Mannschaft gnadenlos abgezogen worden… Pünktlich um 11 donnert dann auch schon die PAK der NVA los und die ersten Zombies schluffen auf’s Festivalgelände. Musikalisch startet der zweite Tag aus meiner Sicht mit einem echten Griff ins Klo. Wenn ich mir die Beschreibung zu JIG-AI so angucke, handeln die Texte der Tschechen vermutlich auch von derartigen Aktionen. Vielleicht bin ich zu alt, vielleicht auch nur zu trve (Meinungen dürft ihr gerne in die Comments schreiben), aber Pigsqueal-Porngrind mit Hentai-Fetisch ist einfach nicht meine Welt. Plan A sieht daher vor, nochmal ein halbes Stündchen im Zelt zu verbringen. Ein kurzer Blick auf die Running Order veranlasst mich dann aber doch zu Plan B: Mit einem Brutz & Brakel-Becher auf den folgenden Thrash-Doppelschlag vorbereiten! Leider gibt es wohl ein paar technische Probleme, wodurch sich zunächst alles um ein paar Minuten verzögert.

Havok1

Havok

Dann geht’s aber auch gleich mit Havok in die Vollen! Inzwischen seit gut 10 Jahren am Start (Puh, ich werde echt alt…), bietet der Denver Clan was für’s Auge und beweist mit Hits wie Give Me Liberty Or Give Me Death und D.O.A., dass Thrash auch anno 2014 noch seine Daseinsberechtigung hat! Lost Society, die finnischen Jungspunde (im Vergleich bin ich tatsächlich STEINalt…), legen sofort nach und animieren das Publikum sogar zu einer amtlichen Wall of Death. Im Gepäck hat man natürlich eine Ladung Songs vom Nuclear Blast-Debut Terror Hungry. Solide, aber gleich nach Havok irgendwie das selbe in grün… Um 14:30 Uhr sind dann Ahab an der Reihe, die ein ähnliches Schicksal wie schon Atlantean Kodex am Vortag erleiden. Tageslicht, große Bühne und Doom sind einfach nicht für einander geschaffen. Eigentlich schade, denn starkes Songmaterial haben die Jungs um den charismatischen Frontmann Daniel Droste mehr als genug.

Inquisition

Inquisition

Kurze Zeit später macht sich dann der obskure Makrokosmos breit: Inquisition lassen schon am Nachmittag die Sonne in die infernalen Regionen des altertümlichen Kultes herab sinken. Nicht erst seit der Tour mit Behemoth im Winter ist das Duo eine der Black Metal-Bands der Stunde: Der charakteristische Schriftzug ziert gefühlt jede zweite Kutte in der Menge. So ist es auch nicht verwunderlich, dass nahezu alle Songs gut ankommen. Das Wort „abfeiern“ lasse ich mal angesichts der geballten Trveness außen vor… Böse Zungen behaupten zwar, Sänger Dagon würde mit seinem kehligen Krächzen lediglich eine drittklassige Abbath-Kopie abgeben, aber dadurch lasse ich mir den Spaß an dieser intensiven satanischen Messe nicht verderben. Mit Astral Path To Supreme Majesties entschwinden die diabolischen Alchemisten wieder in ihr selbstgezimmertes Multiversum. Nächstes Mal bitte ein bisschen höher (sprich: später) ins Billing! Bei all dem schwarzmetallischen Mummenschanz scheinen Aborted eine willkommene Abwechslung für die Death Metal-Jünger zu sein, aber mir geht der moderne Groove der 00’er Jahre schon nach dem ersten Song gehörig auf den Sack. Beste Gelegenheit, um mir am Deaf Forever-Stand das neue Magazin der ehemaligen RockHard-Recken um Götz Kühnemund zu besorgen.

Benediction1

Darren Brookes, Benediction

„Wakey, Wakey!“: Mit diesen Worten begrüßt uns um 17:30 Uhr Frank Healy, bevor sich der britische Tieftöner eine Kanne aufmacht und hinterher schiebt: „I’m 51, you cunts!“. Zeit für Benediction! Satte 13 Jahre sind seit dem letzten Party.San-Auftritt vergangen, und damals wie heute findet der Gig am Vorabend von Darren Brookes (Git.) Geburtstag statt. Klar, dass das mit einer brachialen Performance gefeiert wird. Nackenbrecher aus allen Perioden werden ausgepackt und mit Magnificat werden sogar die feuchten Träume des Verfassers dieser Zeilen wahr. Nach dieser Lektion in Sachen Old School betreten Misery Index die Bretter, eine weitere Band, mit deren Sound ich absolut nichts anfangen kann. Auf anraten eines Freundes probiere ich derweil ein „Party.San-Brötchen“ am American BBQ-Stand, das seinem Namen alle Ehre macht. Die selbstgemachten Saucen tun ihr übriges. Sehr zu empfehlen! Pit Action Cirlce Pit

Repulsion… tja, nie so richtig weg, aber auch nie so wirklich da… Neben Napalm Death (die am Samstag noch zu sehen sein werden) und Terrorizer sicherlich eine der einflussreichsten Bands des ursprünglichen Grindcore-Genres. Mir gefällt’s zwar um Längen besser als die unsäglichen JIG-AI von heute morgen, aber nach gut der Hälfte ist dann auch irgendwie die Luft raus. Basser Scott Carlson kommt so gut wie nie über den 4. Bund der E-Saite raus, was die Songs auf Dauer zu eintönig klingen lässt. Da helfen auch die sporadischen Noise-Einlagen von Gitarrero Matt Olivo nichts. High Speed am Stück ist nun mal nicht alles…

Mittlerweile ist es schon 20 Uhr, also höchste Zeit, The Haunted links liegen zu lassen und mal einen Abstecher ins Zelt zu machen. Hier geht’s mit Carnal Ghoul gut zur Sache. Death Metal schwedischer Prägung steht auf dem Programm, was vor allem Daniel Jakobi besser zu Gesicht steht als seine Hauptband, Milking The Goat Machine. Da die Herren grade mal eine 4-Track EP draußen haben, darf man nach so einem Gig sehr gespannt sein, was da noch auf uns zu rollt. Thulcandra1Direkt im Anschluss geht’s mit Thulcandra weiter. Black Metal ist angesagt. Eventuelle Darkthrone-Assoziationen sind jedoch fehl am Platz, da die Nadel Richtung Epik ausschlägt. Das ganze wird technisch hervorragend ausgeführt und mit stimmiger Lichtshow vollendet. Da verpasse ich gerne die ersten Minuten von Suffocation, die derweil auf der Mainstage einheizen. Marduk1

Aber kommen wir nun zu meinem persönlichen Desaster des Festivals: Marduk. Drei Songs im Fotograben, soweit alles in Butter. Dann jedoch verquatsche ich mich mit einem Foto-Kollegen, später stößt auch noch ein Mitarbeiter des Festivals hinzu. Kurzum: Ca. 35 Minuten kommen mir nicht mal halb so lang vor… Beim ersten Schritt aus dem VIP-Bereich plötzlich: Stille! Marduk verlassen die Bühne! Den Reaktionen des Publikums nach zu urteilen haben die Schweden wohl tatsächlich sehr abrupt ihren Set beendet, doch der Blick auf die Uhr bestätigt mir leider: Laut Running Order hat alles seine Richtigkeit. Satyricon5Dafür bleibt mir jetzt viel Zeit zum frusten: Satyricon lassen gute 20 Minuten auf sich warten. Der Grund bleibt unklar, Gedanken wie „Der Versace-Anzug hat bestimmt einen Weinfleck“ kommen auf… Über die letzten Jahre hatte das einstige BM-Schlachtschiff viel Schelte einzustecken, die letzte Club-Tour jedoch konnte hohe Besucherzahlen vorweisen. Grund genug, den Auftritt genau unter die Lupe zu nehmen. Mit Now, Diabolical geht es los, vom aktuellen Album finden zwei Stücke sehr früh ihren Weg in die Setliste. Die ersten Jahre werden komplett übergangen, insgesamt liegt das Hauptaugenmerk auf der eingängigen Avantgarde-BM-Phase. Natürlich kann man auf das Ace Of Spades des Black Metal, Mother North, nicht verzichten, aber den einen oder anderen alten Klassiker hätten die Norweger dennoch präsentieren können. Alles in allem ein gelungener zweiter Festivaltag, der in einer zünftigen Odyssee durchs Partyzelt endet.

Helden des Tages:

  • Der Kuttenträger mit der angenähten Triangel des Todes ov Death from Hell, der darauf auch noch saubere 32tel schlagen kann!
  • Inquisition’s Dagon, dessen Corpsepaint offensichtlich mit einer dicken Schicht 3-Wetter-Taft festgeföhnt wurde! Schlotheim, 30°: Das Panda-Makeup sitzt…
  • Und natürlich Ahab’s very own Corny, der heute die Doppelbelastung Künstler/Drumtech auf der Zeltbühne hervorragend meistert!

Hier geht’s zu Tag 1: Party.San Episode I: Die dunkle Köstrizerbedrohung In Kürze in diesem Theater: Party.San Episode III: Die Rache des Mille Petrozza!

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Nachbericht Party.San 2014 Episode II: Angriff des Ebbelwoi was last modified: August 26th, 2014 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.