Es ist fast schon schade, dass die PlayStation VR knapp anderthalb Jahre auf ihren ersten System-Seller warten musste. Und dass dieser ausgerechnet von einem kleinen Indiestudio aus Seattle kommen würde, damit war eigentlich nicht zu rechnen. Bisher beschränkten sich die Abenteuer, in die sich VR-Enthusiasten stürzen konnten, auf merkwürdige, stationäre Ballerorgien oder die typischen Weltraumschießereien; allesamt Games, die zwar kurzfristig Spaß bringen aber auf lange Sicht weder den Spieler an die VR-Brille fesseln können, noch in dessen Gedächtnis bleiben. Moss ist, trotz seiner kurzen Entwicklungszeit und trotz des verhältnismäßig kleinen Teams, genau das Gegenteil: Fordernd, fesselnd, spannend, süß, dramatisch, involvierend…

Kleine Heldin, ganz groß!

Das liegt nicht zuletzt an der Protagonistin. Quill ist eine kleine (aber mutige) Maus, die als Hauptfigur eines Märchenbuchs aufbricht, um die Welt von Moss zu retten. Dabei wirft uns das Spiel als helfender Geist in verschiedenste Dioramen, durch die wir Quill steuern, Puzzles lösen und Feinde besiegen. Auf diese Weise spielen wir die Legende einer tapferen Maus nach, werden aber selbst in das Geschehen eingebunden. Dabei erfährt der Spieler eine tiefgreifende Bindung zur Protagonistin, was nicht zuletzt daran liegt, dass Quill bewusst als ein solches Mittel eingesetzt wird.

Polyarc Games, das entwickelnde Studio wollte keinen Spieler davon ausschließen, in den Genuss von Moss zu kommen und ging dabei so inklusiv wie möglich vor. Keine Jumpscares, keine blinkenden Lichter, keine Verletzung der intimen Zone durch zu starke Annäherung von Gefahr. Lediglich Quill, die Maus, wird Gefahren ausgesetzt werden, der Spieler steht immer als Beobachter und helfende Hand über der Szenerie. Dabei muss sich die Beziehung zwischen dem Spieler und Quill erst entwickeln.

„Der narrative Bogen, den wir in Moss vor uns haben, lässt den Spieler und Quill als Fremde starten und später gute Freunde werden, so ähnlich wie ein Buddy-Movie. Quill war immer eine Ausgeschlossene, dort wo sie aufwuchs, aber was das Coole an Moss sein wird, ist dass du und Quill die Welt zusammen erkunden könnt. Was neu für dich sein wird, wird auch neu für Quill sein. Diese gemeinsame Erfahrung ist einfach awesome, und so funktionieren Beziehungen nun mal. Und das wird man in Moss erleben können.“, erklärt mir Danny Bulla (Bild), verantwortlicher Designer von Polyarc Games in einem Interview im August 2017 auf der gamescom. Dort durfte ich bereits die Demo spielen, die auch später auf der offiziellen „Demo Disc 2“ von PlayStation VR enthalten war.

Bücken, strecken, entdecken

Momentan ist Moss noch exklusiv für die PSVR zu bekommen, allerdings schließe ich nicht aus, dass später auch andere VR-Plattformen bedient werden. Ich sage hier bewusst „VR-Plattformen“, da das Schätzchen kaum geeignet ist, um auf herkömmlichen gespielt zu werden. Beim Spielen erwische ich mich nämlich immer wieder dabei, wie ich mich strecke, dehne, bücke, verdrehe und in alle Ecken schaue, um die Struktur des Levels zu verstehen, versteckte Items zu erhaschen und Quill durch die Puzzles zu führen. Dies ist natürlich lediglich mit einer Steuerung per Controller nicht möglich.

Die Animationen im Spiel sind einfach bezaubernd. Quill selbst spricht nicht, weswegen sie sich durch Gesten, Quietschlaute und ihre wirklich hervorragend animierten Bewegungsabläufe ausdrückt. Vom einziehen ihrer Ohren, ihrer Haltung, ihrem Gesichtsausdruck und vielem mehr kann der Spieler sehr gezielt ableiten, wie es der kleinen Heldin geht. Das Feedback, das Moss mir gibt, ist einfach phänomenal.

Perfekte Performance in unfassbarer Umgebung

Auch das Leveldesign ist einfach spitze. Man fühlt sich, obschon viele Indoor-Levels wie kleine Dioramen wirken, sehr ins Geschehen mit einbezogen. Sehr oft muss ich lächeln oder gar kurz auflachen, weil das Design vieler Abschnitte einfach atemberaubend ist. So schippert Quill auf einem kleinen Floß über einen See, aus dem einige rostige Konquestadorensäbel ragen. Die Atmosphäre, die hier durch einfachste Mittel ohne große Effekthascherei aufgebaut wird, ist derart immersiv, dass sich die Stimmung sofort auf den Betrachter überträgt, immer verstärkt durch den VR-Effekt.

Dabei läuft Moss auf der PlayStation Pro perfekt. Die Auflösung, die in anderen Games oft als nicht ausreichend empfunden wird, passt zum niedlichen Mausabenteuer wie die Faust aufs Auge. Der Spieler hat hier keinerlei Schwierigkeiten, zu erkennen, wo es lang geht, noch stören flackernde Kanten oder pixelige Objekte den Gesamteindruck. Alles läuft flüssig und der dreidimensionale Eindruck ist perfekt, ohne furchteinflößend zu sein. Hier haben sich Polyarc Games viele Gedanken darum gemacht, wie man die PS4-Hardware optimal ausnutzen kann.

Fazit

Moss ist nicht nur eines der besten Spiele für die PlayStation VR, sondern auch eines der besten Spiele für die PlayStation 4. Der Mix aus Niedlichkeit, Spannung und Puzzles, kombiniert mit einer tollen Protagonistin, großartigen Animationen und bezaubernder Musik, verpackt in einer märchenhaften Erzählung ist eins der besten Dinge, die der PS4 im Jahr 2018 passieren können. Absolute Kaufempfehlung!

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Moss was last modified: März 1st, 2018 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.