Anschnallen, Flux-Kompensator auf ‚Ein‘ und auf 88 Meilen pro Stunde beschleunigen – Wir springen zurück ins Jahr 1990!

1990: The Secret of Monkey Island erscheint und ist (ja, ich bin ein Fan) ab sofort und für alle Zeiten ungeschlagen (unter anderem) das beste Point-and-Click Adventure, das jemals entwickelt wurde. Daran kratzen höchstens der zweite Teil der Reihe und Indiana Jones IV. Inspiriert wurde Erschaffer Ron Gilbert im Übrigen von der Disneyland-Attraktion Pirates of the Caribbean und dem Buch In fremderen Gezeiten von Tim Powers. Ja, genau. Hat Hollywood 20 Jahre später auch für sich entdeckt. 1992 folgte dann der zweite Teil der Monkey-Island-Reihe: LeChucks Revenge, mit dem LucasArts und Softgold nahtlos an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen konnten.

Wer in Zeiten von Windows 7 in den Genuss der Spiele kommen möchte, der muss für Computerlaien teilweise unmögliche Wunder vollbringen. Doch was ist das? Activision hat sich mit LucasArts zusammengetan und Monkey Island komplett aufpoliert! So erhält man ab sofort beide Teile des Spiels im Paket für ca. 15 Euro (bei Steam oder auf DVD bei amazon.de) in voller Full-HD-Auflösung und Sprachausgabe. Aber was hält der Old-School-Fan davon?

Wie passend, Du kämpfst wie eine Kuh!

Ich persönlich finde ja, dass die frühe SCUMM-Enginge, die unter der Affenhaube ackert, sehr viel Charme mit sich bringt. Das Spiel lebt weniger von prächtigen Grafiken als vom Witz und dem Charakter, den LucasArts-Games schon immer inne hatten. Komplett neue Grafiken machen das Spiel für neue Zielgruppen zugänglich (kann ich voll und ganz nachvollziehen) – Fans der alten Schule haben aber (und das muss ich doppelt unterstreichen) die Möglichkeit, per Tastendruck das Spiel im Original zu spielen. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich neue und alte Screens vergleiche und lächelnd an meine Jugend denke. Besonders hervorheben muss man auch, dass lediglich die Sprites ersetzt wurden, die Animationen (beim Sprechen, Gehen, wasauchimmer) sind 1:1 die gleichen. Das mag anfangs etwas sonderlich wirken, man gewöhnt sich aber daran.

Erstaunlich ist, dass sich die beiden „neuen“ Teile immens voneinander unterscheiden. Während der erste in vielen Punkten als „okay“ durchgeht, überzeugt der zweite auf ganzer Linie.
Die neuen Grafiken von Part Eins mögen nicht gerade von Meisterhand gezeichnet worden sein – besonders Guybrush’s Frisur ist hier zum Fürchten – aber die Liebe zum Detail schimmert doch merklich durch. Hier und da haben Charakter- oder Inventarsprites noch zwei oder mehr Pixel, die definitiv nicht dazugehören, aber darüber kann man hinweg sehen. „LeChucks Revenge“ in seiner Neufassung macht es um Längen besser. Ein durchdachtes Charakterdesignkonzept, wo einfach alles stimmt: zuckersüß gemalte Landschaften und liebevoll neugestaltete Charaktere. Auf der DVD gibt es (neben Storyboards von ILM und einem Musikplayer) dazu die entsprechenden Charakterstudien.

Neu ist auch die Musik. Nein, keine Angst: es sind exakt die gleichen Songs an den gleichen Stellen, nur etwas aufgemotzt. Ein Laie wird den Unterschied nicht bemerken, doch sobald man auf den Retro-Knopf drückt, ist es wieder offensichtlich. Zum neuen Score gesellt sich, kein Witz: eine Sprachausgabe. Jawohl. Die gibt es zwar „nur“ in englischer Sprache, aber dafür ist sie wirklich erste Sahne! Die Sprecher sind authentisch, lebendig und verleihen den Charakteren die Tiefe, die man vorher vermisst hat. Dem zweiten Part wurde sogar (das ist aber wohl nur was für Hardcore-Fans) ein Audiokommentar der Entwickler spendiert, den man auch Wunsch hinzuschalten kann.

Außerdem neu (und das macht mich etwas traurig): Hints! Ja, wirklich! Auf Tastendruck bekommt gesagt, was man als nächstes machen sollte. Mit Hinweispfeilen, wo man hingehen sollte. Nicht nur, dass sich hier der ein oder andere Grammatikfehler eingeschlichen hat… wer mit „Lösung“ spielt, der braucht erst gar nicht anzufangen. Ist zwar nett gemeint, aber PFUI!

Die neue Inventarfunktion als Overlay ist im ersten Part etwas mühselig zu bedienen, besonders beim Kombinieren zweier Objekte innerhalb des Inventars. Auch fehlen Aktions-Schaltflächen – man muss hier per Tastatur (bspw. „P“ = „Pick up“ = „Aufheben“) arbeiten. Wer des Englischen mächtig ist (oder in den Optionen nachschaut), der wird sich schnell daran gewöhnen. Allerdings hätte man hier etwas weiter denken können. Auch hier wurde im zweiten Teil noch einmal Hand angelegt. Ein kontextsensitives Menü und ein gut bedienbares Inventar (alles in etwa wie beim Nachfolger The Curse of Monkey Island) lassen von Anfang an richtig Spielspaß aufkommen und lassen den Spielfluss ohne verwirrende Bedienintentionen bestehen.

Ich verkaufe diese schicken Lederjacken

Während der erste Teil stilistisch eher „naja“ daherkommt, ist LeChucks Revenge in der Special Edition richtig hübsch. Ich empfehle aber jedem, besonders denjenigen, die noch nicht das Vergnügen hatten, Monkey Island zu spielen, von ganz vorne zu starten. Grade jetzt, wo wir wieder die Möglichkeit haben – und vor allem zu dem Preis! Für 15 Euro bekommt man stundenlangen (!) Spiel- und Rätselspaß der alten Schule. Wahrlich ein Traum!

Besonders LeChucks Revenge ist in seiner Neufassung atemberaubend schön und macht Spaß wie das Original.

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Monkey Island – Special Edition was last modified: September 23rd, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.