Anlässlich des baldigen Kinostarts des jüngsten Spross der Mission: Impossible-Reihe haben wir uns lachend und weinend durch alle drei Vorgänger gekämpft. Wer jetzt schnell noch einen Teil nachholen muss ist also bestens informiert!

Hach ja. Tom Cruise. Der Junge macht mir immer ein bisschen Angst – wenn er lacht zum Beispiel. Das ist eine der gruseligsten Fratzen, die je die Tiefen der Höllen verlassen hat. Bauer sucht Frauist Kindergeburtstag dagegen. Allerdings, das muss man ihm lassen, Schauspielern kann er! So mimt Cruise in der Serienverfilmung den Top-Agenten Ethan Hunt, der (hab ich gehört) nicht nur unverschämt gut aussieht (no homo!), sondern auch keine Angst hat, mal sinnfrei ein bisschen in der Gegend rumzuballern. Beste Voraussetzungen also für Spionageaction aus dem Bilderbuch.

1996: Mission:Impossible

Kurz zur Story: Ein Team von Agenten wird bei einer Mission ermordet, der einzige Überlebende ist Tom Cruise. Zufall? Das denken sich auch Cruise’s Agentenbosse und beschuldigen Mr. Scientology, ein Maulwurf zu sein. Cruise muss natürlich jetzt losziehen und alles wieder gradebiegen und den wahren Maulwurf überführen. Klingt nach Standard – ist es auch. Der geübte Cineast weiß auch sofort, welches Spiel gespielt wird und wer letztlich der Bösewicht ist/war. Dennoch bringt M:I einige Überraschungen mit sich. Die Cinematografie ist erste Sahne. Regisseur Brian De Palma ist ja bekanntlich ein alter Hase im Geschäft und lässt das 60er-Jahre Agenten-Film-Feeling wieder voll aufleben. Extrem-Close-Ups, gekonntes Spiel mit Licht und Schatten und halbrealistische Technikspielereien – Der Film hat einfach alles. De Palma inszeniert hier gekonnt jede Szene für sich, sieht den Film als Episodenspiel, was den einzelnen Abschnitten nur noch mehr Intensität verleiht. Selbst die altbekannten Verkleidungsnummern mittels Latexmasken der Serienvorlage werden wieder aufgegriffen. Zwar ist das ziemlich billig umgesetzt und man kann Cruise stets in seiner Verkleidung identifizieren, allerdings ist das KEIN Vergleich zum zweiten Teil der Reihe. Doch dazu später mehr. Die Story verlangt es, dass Cruise mit angeworbenen Ex-Agenten in das CIA-Hauptquartier einbricht und unglaublich wichtige Daten stehlen soll. Mit von der Partie ist hier unter anderem der allseits verhasste Franzosenantipath Jean Reno. Hier findet die wohl bekannteste Szene aller M:I-Filme statt. Artistik und Jonglieren mit Schweißtropfen. Die Nerven des Zuschauers werden hier genauso gespannt wie die Drahtseile der Hängekonstruktion, an der Tommyboy baumelt – genial inszeniert! So wird das gemacht! Schnell vorgespult und zur nächsten prägnanten Szene gesprungen: Hochgeschwindigkeitszug + Hubschrauber + Tunnel = YEAH! Jean Reno im Heli hängt per Metallseil am Thalys. Es kommt wie es kommen muss und das Gespann rast in einen Tunnel – Cruise hüpft fröhlich über den Zug, springt an den Chopper und platziert die Kaugummibombe. Piff-Paff: Hubschrauber schrott, Franzose tot. So stell ich mir das vor! Die im Film verwendete Spionagetechnik ist selbstverständlich mittlerweile veraltet, die Spezialeffekte können sich aber für einen Film Anno 1996 immer noch sehen lassen. Hier wurde nicht übertrieben, sondern alles auf einem erträglichen Maß an Realismus gehalten. Der Fokus wurde insgesamt eher auf die Erzähltechnik und die schauspielerische Leistung der Akteure gelegt. Der Zuschauer bekommt dafür einen filmisches Omelett mit genau den richtigen Zutaten serviert. Zum Fingerlecken gut! Absolute Empfehlung!

2000: Mission: Impossible II

Beim Gedanken an diesen Film drohen meine Lippen stets die Worte „What the Fuck?!“ zu formen. John Woo, die chinesische Wanderwarze, der ja sonst der Action-Gott schlechthin ist, scheint das Drehbuch für diesen Streifen ganz (!) tief aus der Toilette des Raststätte Rur-Scholle an der A4 Richtung Aachen gefischt zu haben. Wer hat das Teil durchgewunken? Man muss wirklich kein Schriftsteller sein um beim Lesen des Dings schon zu merken, dass das absoluter Kernschrott ist. Dabei fängt es doch so gut an: Tom Cruise, immer noch Scientologe, dafür mit längeren Haaren, begleitet einen russischen Wissenschaftler in einem Flugzeug. Was die zwei da bequatschen ist total belanglos, jedenfalls reißt sich der (vermeindliche) Cruise plötzlich eine Maske vom Gesicht! „Oho!“, denkt hier der Zuschauer und lächelt ob der unerwarteten Wendung und schwelgt in Erinnerungen an den ersten Teil. Der Mann mit der Latexmaske ist ein ehemaliger Spion, der unbedingt einen Killervirus stehlen und anschließend verhökern will. Wer sich das ausgedacht hat, sollte eine Woche mit Fips Asmussen in einer Tauchkapsel auf den Grund des Meeres verbannt werden. Das lustige Maskenspiel wiederholt sich unzählige Male, am Ende reißt jeder seinem Gegenüber und/oder sich selbst zwei bis drei Masken in mehreren Schichten aus der Visage. Was einen überraschenden Effekt haben soll ist irgendwann nur noch albern und nebenbei bemerkt weiß jeder, der auch nur mit einer Hirnhälfte dem Film gefolgt ist, wer eine Maske trägt und wer in Wahrheit darunter steckt. Das Traurige daran ist, dass hier die Kernaussage des Films liegt: Traue niemandem. War’s das wirklich schon? Ein John Woo, der sich bis zum kalten Kotzen selbst zitiert und ein Tom Cruise, der ohne Pause (und ohne Grund) immer mal wieder debil in die Kamera grinst? Traurig aber wahr: Das war’s wirklich schon.

2006: Mission: Impossible III

Es geht wieder aufwärts – Die Castroll selbst ist schon ihr Geld wert: Philip Seymour Hoffman, Ving Rhames, Maggie Q, Jonathan Rhys Meyers, Simon Pegg, Laurence Fishburne und natürlich Tom Cruise. Regie führt der unglaublich unglaubliche JJ Abrams – das Ding KANN man gar nicht mehr versauen. Die Story: Cruise, mittlerweile eigentlich nicht mehr im aktiven Superagentendienst und verlobt, lässt sich aber doch breitschlagen, wieder böse Jungs zu jagen. Diesmal ist’s Philip Seymour Hoffman, eine Art Superschurke, der „die Hasenpfote“ für eine Menge Asche an den Meistbietenden verhökern will. Um was es sich bei der ominösen Hasenpfote handelt weiß keiner so genau, aber jeder denkt: „Ui. Gefährlich!“ Also zieht Cruise mit seinen Mitagenten los und schnappt sich den Schurken, der aber durch gut organisierte Schergen, einen Maulwurf in der Spionageagentur und eine Kampfdrohne, die Sidewinder-Raketen auf Tommyboy feuert, entkommen kann. Ziemlich angepisst entführt der Bösewicht also Cruises (mittlerweile) Ehefrau und zwingt ihn, ihm die Hasenpfote zu besorgen. Für mich, trotz der eher mäßig interessanten und minder sinnigen Story der bisher beste der Mission: Impossible-Streifen. Besonders hat mich das Post-Processing begeistert: Fast quietschigbunte Farben, hoher Kontrast, knackig scharf – so muss ein Film aussehen. JJ Abrams hat seine Akteure voll im Griff, schauspielerisch erste Spionagesahne. Die Spannung kann konstant aufrechterhalten werden, die Actionszenen sind oft nichts besonderes, aber besonders oben erwähnte Kampfdrohnenszene und ein Hubschrauberduell inmitten einer Windradfarm treiben mir die Freudentränen in die Augen. Die im Film gezeigten Minizeitbomben, die durch die Nase in den Kopf geschossen werden, gehören übrigens in das Standardrepertoire eines jeden Agenten (Ich hab zumindest immer zwei oder drei dabei). Die „Story“ aus dem zweiten Teil wird (ob das Zufall ist oder nicht, lasse ich jetzt mal so stehen) übrigens nicht mit einem Wort erwähnt, ein kleiner Schwank aus dem ersten Teil allerdings kommt beiläufig zur Sprache. Da stehe ich wohl nicht alleine mit meiner Meinung auf weiter Flur.

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Mission: Impossible 1-3 was last modified: August 30th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.