Meine bisherige Erfahrung mit Minecraft beschränkt sich auf zwei durchgezockte Nächte, in denen ich voll und ganz der Block-Sucht verfiel. Ich baute Untergrundfestungen, Baumhäuser und Glaspaläste, allesamt verbunden durch ein Schienensystem. Aber da die Welt sich ja nicht selber rettet, während ich in Unterhose mit 30 Energydrinks stundenlang Minecraft suchte, musste ich das zugegebermaßen spaßige Hobby schnell wieder an den Nagel hängen.

Witzigerweise haben diese beiden Nächte mein Verständnis um die Materie des Spiels – zumindest auf dem damaligen Stand der Dinge – nachhaltig geprägt. Ich weiß immer noch um die verschiedenen Materialien, Monster, sogar einige Rezepte sind mir im Gedächtnis geblieben. So komplex Minecraft auch sein mag, so sehr hat das damalige Team um Klötzchenmeister Notch darauf geachtet, dass alles verständlich bleibt.

Umso besser für mich, denn eine meiner Lieblings-Spieleschmieden hat sich entschlossen, Minecraft einen „Story Mode“ zu spendieren. Das bedeutet in diesem Fall natürlich keine Implementierung eines tatsächlichen neuen Modus in das Originalspiel, vielmehr eine Auskopplung in Episodenform, wie man es von Telltale Games gewohnt ist. Gemäß den Vorbildern The Walking Dead, Game of Thrones oder (eines meiner Spiele des Jahres) Tales from the Borderlands, wird hier in regelmäßigen Abständen Episode für Episode releaset, bis die Staffel komplett ist. Zwei der insgesamt fünf Folgen sind bis dato erschienen.

Während Telltale bisher die Politik verfolgte, nur bereits abgeschlossene Staffeln als physische Kopie zu vertreiben, steht jetzt schon die Minecraft: Story Mode-Disk in den Spieleregalen Deutschlands. Wie funktioniert das? Ganz einfach: Lediglich die erste Episode ist auf der Scheibe. Der Silberling selbst befähigt den Spieler dann dazu, später veröffentlichte Teile per Download auf der Konsole (in meinem Fall ist das die PS4) zu installieren. Leider hat dies offensichtlich einen unangenehmen Nebeneffekt. Das Schicksal, das die erste Staffel von The Walking Dead ereilte, ereilt nun auch Minecraft: Lokalisation.

Ich bin jemand, der Telltale-Games gerne im Original spielt. Klar, die Sprachausgabe wurde noch nie übersetzt, durchaus aber die Menüs und Dialoge. Bei TWD beispielsweise gereichte dies dem Spiel zum absoluten Nachteil. Das Ding wurde dadurch beinahe unspielbar, so verhunzt war das. Einer der Gründe übrigens, warum meine alte Xbox 360 immer noch auf englisch steht. Minecraft: Story Mode kommt nun auch lokalisiert daher. Bei weitem ist dies aber nicht so schlimm, wie bei oben genanntem Beispiel, aber dennoch weit entfernt von dem, was ich als „perfekt“ erachten würde. Die Englisch-Deutsch-Schere bringt zudem einige Stolpersteine mit sich, wenn man bei plötzlich aufpoppenden Entscheidungsabfragen schnell im Kopf die Sprache umstellen muss.

Grundsätzlich ist Minecraft: Story Mode – zumindest, was die erste Episode angeht – mehr Fanservice als – zu Beginn der Folge – tatsächlich ernstzunehmendes Abenteuer, mit dem sich Telltale, die eng mit Mojang zusammengearbeitet haben, auf dünnes Eis bewegen. Sie kennen ihre Zielgruppe genau. Diese ist meist etwas jünger und daruch nicht direkte Zielgruppe für das, was bisher sonst so aus den kreativen Köpfen der Spieleschmiede entsprang. Ein Minecraft-Titel muss also die Essenz des Spiels einfangen und in seiner neuen Adventure-Form komprimiert und in einen sinnigen Kontext gesetzt manifestieren. Das ist auch gut gelungen, sieht man sich nur die ganzen Referenzen und das rudimentär (leider sehr spärlich eingesetzte) Crafting-System an.

Die Charaktere sind ob der Darstellung von Gefühlsregungen und Mundbewegungen etwas detaillierter als die, die man im eigentlichen Spiel vorfindet, das ist für die Möglichkeit der Erzählung allerdings nur von Vorteil. Leider wirken alle Figuren etwas blass und unausgereift, zudem wird die Welt, in der Story Mode spielt, nicht ausreichend erklärt, was die etwas überhastete und szenenweise abgehackte Erzählweise erklärt. Erst gegen Ende der ersten Episode haben sich Welt und Charaktere in einer Weise eingependelt, in der sich der Spieler wohl fühlt. Dies wird nicht durch die gewohnten Pseudo-Entscheidungen gelöst, sondern durch (relativ gesehen) gute Actionsequenzen und einen übermächtigen Gegner, der drauf und dran ist, die Welt zu zerstören.

Als Cliffhanger für Episode zwei reicht das allemal. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Mach ich dann, wenn die November-Flut der Games durch ist.

Auch interessant

Minecraft: Story Mode – Episode 1 was last modified: November 13th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.