Joe tauscht Panzerfaust gegen Schwert und Kampfjet gegen edles Ross. Wer in den nächsten paar Wochen noch nichts zu tun hat, für den hat Ubisoft die „Heroes“-Reihe wiederbelebt. Fantastische Fantasyfrickelei oder aufgewärmter Langeweilebrei?

Nach dem Aus für 3DO und damit für die Heroes of Might and Magic-Reihe, erbarmte sich Ubisoft und kaufte die beliebte Fantasymarke, um sie nach eigenen Vorstellungen neu unter’s Volk zu bringen. Das hat mit Teil 5 auch gut geklappt, da das französische Unternehmen die Hintergrundgeschichte komplett umkrempelte. Jetzt (VÖ: 13.10.2011) steht Teil 6 in den Regalen der Videospielfachhändler. Kann Ubisoft an den Erfolg der Vorgänger anknüpfen?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ich hoffe es sehr, denn der jüngste Spross der HoMM-Reihe sieht nicht nur wirklich hübsch aus, er spielt sich auch genau wie in alten Zeiten. Natürlich wurde das Gameplay entsprechend der heutigen Ansprüche angepasst, aber dies gereicht natürlich nur zum Vorteil des Spiels.

Also schnell auf’s Pferd gesprungen und los geht’s – auf einen Ausflug in die Welt von Might and Magic!

Die Sünden des Vaters…

Wir beginnen bei der Spielgesichte.
„Ein legendärer General der Erzengel, der während des Krieges der Älteren getötet wurde, hat sich vom Totenbett erhoben und dürstet nach Rache. Unter dem Vorwand, sich auf einen bevorstehende Invasion durch die Dämonen vorzubereiten, vereint er die Menschen von Ashan. So will er sich seiner alten Erzfeinde ein für alle Mal entledigen. Jedoch unterschätzt er die Kraft der nur allzu menschlichen Greifenherz-Dynastie.“, so der Pressetext. In Kurzform heißt das: Schlägereien an jeder Ecke – und der Spieler mittendrin.

Klingt im Grunde alles aufregender, als es tatsächlich ist. Zwar erlebt die Story die ein oder andere Wendung, das Spannendste sind aber die echt netten FMV-Sequenzen, die leider viel zu sporadisch hineingestreut werden. Viele Sidequests und ungefähr 100 Stunden (!) Kampagnenspiel lassen dennoch keine Langweile aufkommen.

Wie funktioniert der Spaß?

Das Spielprinzip ist so durchdacht wie eh und je. Ein faszinierender Mix aus rundenbasierten Kämpfen und Rollenspielelementen treibt wohl jedem, der auch nur im Ansatz auf Orks, Dämonen und Bogenschützen steht Freudentränen in die Augen. Man wird zu Beginn der Kampagne Stück für Stück an die Bedienung herangeführt, doch so einfach es auf den ersten Blick aussieht, ist es leider nicht. Ziemlich schnell neigt sich der Vorrat an Einheiten dem Ende zu – das hilft natürlich nicht bei den zunehmend stärker werdenen Gegnern. Die Bedienung ist für Neulinge (wie bei den Vorgängern) relativ komplex und stellt eine zweite Hürde in den Weg. Wenn man sich der Spielmechanik allerdings einen Abend voll und ganz widmet, kriegt man schnell den sprichwörtlichen Bogen raus. Das liebevoll gestaltete Interface hilft sehr beim Zurechtfinden, auch das Tutorial ist durchdacht und absolut empfehlenswert.

Grafisch hat sich im Laufe der Jahre natürlich einiges getan, die 5 Jahre seit dem letzten Teil sieht man dem Spiel nicht an. Eine aufgebohrte Engine und eine tolle Landschaften lassen das HoMM-Universum in neuer Grafikpracht über den Bildschirm flackern. Dass die Models für Fernbetrachtung optimiert sind, sieht man allerdings vor allem dann, wenn man nah heranzoomt. Die Texturen wirken teilweise verwaschen, die Animationen hakelig. Sobald man aber wieder das gesamte Spielfeld im Blick hat: wunderbar. Aber das Phänomen kennt man ja beispielsweise schon von Warhammer 40K – ist also nicht weiter schlimm.

Alles neu macht der Oktober

Alteingesessene Helden fragen sich natürlich, was sich im Vergleich zu dem Vorgänger geändert hat. Natürlich könnte ich mich mit einem diplomatischen „Alles und Nichts“ aus der Sache rausreden, doch auf einige Punkte möchte ich gerne im Detail eingehen.

Stadtansicht: Alles wurde sehr reduziert, und etwas komprimiert dargestellt. Hier kann alles sofort auf einen Blick erfasst werden. Alte Fans der Spiele werden zwar die detailreiche Ansicht der Stadt vermissen, aber man gewöhnt sich schnell um. Ich persönlich finde mich hier jetzt wesentlich besser zurecht. Daumen hoch für Minimalismus!

Kontrolle von Regionen: Neu sind die sogenannten „Regionen“. Wer eine Stadt besetzt, erhält nun automatisch die Kontrolle über alle Minen der zugehörigen Region. Heißt im Klartext, dass man einige wertvolle Züge spart und nicht mehr jede Mine einzeln besuchen muss. Daumen hoch für Praktizismus!

Kampfsystem: Schnellzauberleiste, Sonderfähigkeiten der Helden und besetzbare Sonderfelder, die Sonderboni geben, solange man sie okkupiert sind die grundlegenden Änderungen in der Schlacht. Daumen hoch für faire Vorteile!

Musik und Sound

Die Sprecher sind gut gewählt und passend klangfarblich zu ihren Charakteren. Selten falsche Betonungen und klarer Sound (im Gegensatz zu beispielsweise Renegade Ops) sind schon ein wahrer Ohrenschmaus. Die Fantasy-Lala, die fast konstant durch die Boxen rieselt ist auch auf einem sehr niedrigen Nervtötungslevel. Die Freude ist groß.

Weihnachten steht vor der Tür

Wer Freunde hat kann mit diesen online oder per gewohntem Hot-Seat-Modus den Abend verbringen. Wer also noch keinen Weihnachtswunsch hat, hier ein vorgefertigter Text zum Kopieren und Ausdrucken:

„Liebes Christkind,

dieses Jahr war ich besonders brav. Ich wünsche mir deswegen ganz, ganz doll ‚Might & Magic: Heroes VI‘!

Dein/e

(Name hier einfügen).“

Wer allerdings nicht mehr ans Christkind glaubt, muss auf Steam ca. 50 Euro belappen, kriegt aber dafür Unterhaltung ohne Ende. Nächtelanges Schätzesuchen und wirklich hübsche Schlachten auf unterschiedlichsten Terrains. Ein wirklich würdiger Nachfolger, der sich nahtlos in die Heroes-Reihe einfügt und diesen Namen zurecht tragen darf.

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Might & Magic: Heroes VI was last modified: Oktober 17th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.