Warren Spector und die Maus – Macht er diesmal alles richtig?

Ein neues Disney-Spiel! Die wurden ja über die letzten Jahre immer besser, sogar ein Lizenzrennspiel zu Cars war der absolute Knaller. Diesmal wird Micky wieder verwurstet. Das Problem ist: Alle hassen Micky Maus. Einer der nervigsten und besserwisserischsten Charaktere, die Disney jemals auf die Menschheit losgelassen hat. Die wissen das auch, bringen dennoch ein weiteres Spiel mit der Maus als Hauptcharakter auf den Markt – warum? Anzunehmen wäre, dass die dem angestaubten Image des Nagers einen neuen Anstrich verpassen möchte. Wie überaus tiefsinnig, kommt Micky in Micky Epic – Die Macht der 2 doch mit einem Pinsel als „Waffe“ daher.

Hol deinen Pinsel raus! (Nicht zweideutig gemeint!)

Aber mal zurück auf Anfang. Wer des ersten Teil gespielt hat weiß bescheid – alle anderen kriegen die Kurzfassung. Der böse Mad Doctor macht Tammtamm, wird aber am Ende Disney-Typisch besiegt. Ende. Nun ist der böse Doktor wieder da, allerdings bietet er den vergessenen Toons diesmal seine Hilfe an, denn merkwürdige Erdbeben erschüttern das Wasteland. Federführend bei Micky Epic – Die Macht der 2 übrigens niemand anderes als Warren Spector, also der Kerl hinter Ultima,  Thief und Deus Ex. War beim ersten Teil zwar schon nix – kann also nur besser werden. Es ist immerhin Warren Spector.

Und schon geht es los: Das muntere Heldenduo aus Teil 1, der unsägliche Micky und der Hase Oswald schnappen sich Pinsel und Fernbedienung und hüpfen durch die bunten Parallelwelt. Aber da fängt das Problem schon an – was genau müssen wir machen? Wo müssen wir hin? Ich hatte selten so wenig Überblick über Quests und Wegfindung wie in diesem Spiel. Keine anständige Karte, kein präzises System, das mir erklärt, was ich eigentlich zu tun habe. Ein ständiges Rumgesuche, Dialoge führen und Verzweifeln an der Spielmechanik. Wobei die Steuerung der Figuren an sich sehr präzise ist und außerordentlich Spaß macht – Das Spiel selbst negiert diesen Effekt leider vollständig. Die Idee ist nicht schlecht; Zwar wurde der Titel als „interaktives Musical“ konzipiert, bis auf einen guten Soundtrack ist davon aber nicht viel zu sehen/hören.

Besonders die stullendumme KI von Oswald macht im Singleplayer arg zu schaffen. Nie da, wenn man ihn mal braucht, fällt lieber in Abgründe, als tatsächlich mal zu helfen und steht auch gerne einfach mal dumm in der Gegend rum. Die Rätsel bestehen aus Rumprobieren und Fluchen, bis endlich mal was klappt – Das Spiel „fluppt“ einfach nicht, man bekommt zu wenig erklärt und rätselt mehr an der Intention der Entwickler herum als am Spiel selbst.

Hübsch, aber flach…

Dabei sieht alles wirklich hübsch aus; Besonders die Anfangspassagen sind liebevoll gestaltet und bringen eine wunderbare Atmosphäre mit sich, auch wenn man besonders hier merkt, dass hübsches Aussehen nicht alles ist. Alles wirkt inhaltsleer und sinnlos, man bringt keine innerliche Motivation auf, das Wasteland tatsächlich retten zu wollen. Das mag daran liegen, dass man weder eine Bindung zu den Charakteren aufbaut, noch das Gefühl bekommt, dass das Spiel den Spieler für geleistete Arbeit tatsächlich belohnt. Micky Epic – Die Macht der 2 ist sein eigenes Mittel zum Zweck – Ein Spiel um des Spieles Willen quasi. Hübsch, aber sehr flach.

Dies fällt bereits nach den ersten zwei oder drei absolvierten Levels auf. Verwirrung, eine nichtssagende Storyline und ein ähnlich sinnleerer Coop-Modus. Dabei wäre das Potential für einen Action-Rätsel-Kracher der alten Schule doch da gewesen. Statt dessen wird auch Teil zwei der Micky Epic-Reihe schamlos gegen die Wand gefahren. Schade eigentlich, ich bin wirklich enttäuscht.

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Micky Epic – Die Macht der 2 was last modified: Dezember 11th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.