Männer mit blitzenden Schwertern. Frauen mit zehn Armen. Ein sprechender Roboterhund. Was will man mehr?

“Endlich wieder ein neuer Metal Gear-Teil“, werden sich sicherlich einige denken. Aber …nanu? Wo ist Solid Snake? Und warum wird denn nicht geschlichen? Ganz ruhig, denn das Spiel will gar kein Metal Gear Solid-Teil sein, sondern ein Metal Gear Rising. Und das ist ein bisschen anders.

Solid oder Rising? Hauptsache Metal!

Metal Gear Rising: Revengeance, im folgenden nur noch mit MGR:R abgekürzt, ist ein Spin-Off der bekannten Spielreihe Metal Gear Solid. Das heißt, es bedient sich nur der Charaktere, Story und der Welt von Metal Gear Solid, stellt sich selbst aber in ein anderes Spielegenre.

Entwickelt wurde das ganze von niemand anderem als Platinum Games (Bayonetta und Anarchy Reigns). Halt, Stop! Bevor jetzt jemand sagt: „Scheiße, die Japaner von Platinum Games haben ihre Hände am/im Spiel…!“ Das Spiel wurde zwar von Platinum Games entwickelt, aber die Story kommt von Kojima Productions bzw. Hideo Kojima. Man konnte sich also sicher sein, dass kein Japano-Gedöns à la Bayonetta dabei raus kommen würde. Aber so richtig seriös ist die Story trotzdem nicht, aber das mag wohl an der Metal Gear-Welt liegen.

Willkommen in der japanischen Kreativität!

MGR:R spielt vier Jahre nach den Ereignissen von MGS 4. Erzählt wird die Geschichte von Raiden, einem Cyborg, der mit seinem Schwert durch so ziemlich alles durchschneiden kann. Und wenn ich sage alles, dann meine ich auch alles. Mauer? Zerteilt! Riesenrad? 1000 Stücke! Wassermelone? Mundgerechte Häppchen! Aber lasst mich kurz die Story anschneiden (haha!)…

Mistral – Die mit den vielen Armen

Raiden arbeitet für die private Militärorganisation Maverick Security Consulting. Er beschützt gerade den afrikanischen Minister, als dieser von einer anderen privaten Organisation angegriffen und getötet wird. Es kommt wie es kommen muss: Raiden verfolgt die bösen Cyborgs, wird fast getötet, bekommt ein neuen Körper und sinnt nun nach Rache. Die Thematik der Story ist das Kriegstreiben, das durch die Cyborgs am Laufen gehalten werden soll.

Alles in allem wirkt die Story auf mich sehr westlich und leider ziemlich typisch. Auch will sie einen nicht so recht fesseln. Die Charaktere sind fast spannender als die Story an sich, zudem muss man, wenn man mehr von der Hintergrundgeschichte mitbekommen will, als die sowieso schon langen Cutscenes einem zeigen, sehr viele „Telefonate“ im Pausenmenü vollziehen. Diese sind trotz ihres Informationsgehalts und Humors recht lästig und unterbrechen den ziemlich treibenden Spielfluss schon sehr. Alles in allem ist das Spiel schon nach 6-7 Stunden auf dem normalen Schwierigkeitsgrad vorbei, mit besagten Telefonaten kann man sicherlich noch eine Stunde raus holen, aber wir sind hier ja nicht bei Domian.

3D Hologramm zur Ablenkung der Gegner

3D-Hologramm zur Ablenkung der Gegner

Dennoch strotzt das Spiel vor Humor, der zu überzeugen weiß. Sei es die Möglichkeit, sich in den bekannten Pappkartons vor Gegnern zu verstecken, die immer wiederkehrende Anspielung auf die deutsche Herkunft des Doktors oder die überall im Spiel versteckten Tittenbilder von japanischen Mädchen, die man erst freischneiden muss. Auch das Gegnerdesign ist mehr östlich als westlich. Dazu kann man noch sagen, dass Menschen, die Metal Gear Solid gespielt haben, mehr verstehen als diejenigen, die es nicht gespielt haben. Für Nichtkenner ist das Gegnerdesign und die Welt aber dennoch sehr aufregend anders, aber viele Namen und Anspielungen bleiben dem Spieler unverständlich.

Lieber Arm ab, als Armstrong

So weit so gut, aber was unterscheidet denn MGR:R von anderen Hack’n’Slay-Spielen? Hier kommt das Hauptfeature und große Aushängeschild des Titels zum Vorschein: Das freie Zerschneiden. Auf Knopfdruck schaltet man in den voll steuerbaren Zerschneidemodus von Raiden. Man kann dort in Zeitlupe alles zerhacken was sich unmittelbar vor dem Spieler befindet. Dies wird vor allem bei Gegnern gerne angewendet. Man muss sich das wie bei Ninja Gaiden 2 vorstellen, nur viel zielorientierter, aber mindestens genau so blutig, denn MGR:R versteckt seine liebe zur Gewaltdarstellung nicht.

Sie wissen, warum wir sie angehalten haben?

Das heißt: Alles blutet. Menschen, Cyborgs und Roboter. Bei einigen Gegner, muss man sogar gezielt den rechten Arm abschneiden, weil dieser Daten enthält und somit extra Punkte bringt. Aber was noch in den ersten paar Minuten abwechslungsreich und spannend wirkt, wird mit der Zeit träge und wiederholend. Denn die Moves die Raiden drauf hat, sind zwar sehr schön anzuschauen, aber nach einiger Zeit dann doch langweilig. Lediglich die Stealtheinlagen (die bei einem Hack’n’Slay dennoch deplatziert erscheinen) und die Bosskämpfe sind abwechslungsreich. Vor allem letztere sind sehr schön inszeniert und auch fordernd. Doch leider schwankt der Schwierigkeitsgrad sehr, denn wenn man auf „Normal“ spielt, hat man gleichermaßen das Gefühl unterfordert zu sein, als auch recht oft überfordert zu sein. Es erscheint mir nicht sehr ausgeglichen. Das liegt sicherlich auch am Blocksystem des Titels. Es wird nicht richtig erklärt, das heißt es gibt kein richtiges Tutorial und es funktioniert nicht immer so wie es soll. Vor allem bei schnell aufeinanderfolgenden Angriffen der Gegner. Im Schwierigkeitsgrad „Easy“ wird das Blocken fast selbstständig vom Spiel übernommen. Man kann aber nicht zwischendurch den Schwierigkeitsgrad wechseln, sondern muss sich am Anfang entscheiden. Leider ist auch die Kamera und das Lock-On-System, nicht immer auf der Seite der Spieler. Bei Bosskämpfen kann das dann schnell zu Momenten der inneren Wut führen.

Fazit

Was bleibt noch zu sagen? Der Soundtrack passt und ist stimmig. Der Vollpreis von 50-60 Euro ist mit der doch sehr kurzen Story, leider nicht ganz gerechtfertigt. Es gibt zwar Gegenstände zum sammeln (für Artworks und VR-Missionen) aber ein richtiger Reiz diese zu suchen, ist nicht wirklich gegeben. Die nur auf englisch vorhandene Originalsynchro, ist super gut und kommt mit einem deutschen Untertitel daher. Zu dem ist das HUD sehr schön futuristisch gestaltet. Wer also auf Gewalt, Blut und kurzweilige Action steht greift bei einem Preissturz zu. Alle andere gucken Keinohrhasen 2 und kuscheln sich in ihre rosa Plüschdecke.

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Metal Gear Rising: Revengeance was last modified: März 4th, 2013 by Dennis Schatteburg

Durchtrainiert, braungebrannt, Hundert Kilo Hantelbank. Kommen wir aber nun zu den Punkten, die mich ausmachen: Lustig, verplant & musikinteressiert. Wenn ich also nicht gerade auf einem Konzert oder einem Festival bin, findet man mich beim Zocken oder bei einem langen Strandspaziergang mit Joe.