Wenn es um die Marvel-Filme geht, bin ich immer vorne mit dabei; direkt zum Release ins Kino, auf Blu-Ray kaufen und relativ schnell auswendig lernen. Gut, nicht alle Filme aus dem Marvel Cinematic Universe sind absolute Meisterwerke, die, die es sind, liebe aber dafür umso mehr. Gemeinsam mit den Marvel Studios veröffentlichte Panini jüngst den ersten Teil eines Kompendiums, das sich einzig um die MCU-Filmwelt dreht. Üblicherweise kennt man solche Sammlungen, die sich dann um Comicversionen von Helden und/oder -Schurken drehen und leider oft ziemlich lückenhaft sind. Das Buch „Marvel Cinematic Universe – Das Film-Kompendium“ beschäftigt sich umfangreich auf 192 Seiten mit allen Filmen von Iron Man (2008) bis Thor: The Dark Kingdom (2013), also die MCU-Phase 1 bis zum Anfang der zweiten Phase. Eine ziemlich willkürliche Wahl, die eigentlich nur darauf schließen lässt, dass noch zwei weitere Kompendien erscheinen werden. (Liste der Filme: Iron Man, Der unglaubliche Hulk, Iron Man 2, Thor, Captain America: The First Avenger, The Avengers, Iron Man 3, Thor: The Dark Kingdom).

Das Buch ist äußerlich toll gestaltet. Das massive Hardcover mit UV-Spotlack auf der Vorderseite schindet mächtig Eindruck und lässt mich den ersten Blick auf die Innenseite sehnsüchtig herbeiwünschen. Allerdings werde ich hier schnell enttäuscht. Lieblos gesetzte Typo in viel zu engen Spalten ist nicht wirklich für die Verwendung mit der deutschen Sprache geeignet. Ich vermute, dass hier einfach die amerikanischen Templates verwendet wurden und eine übersetzte Originalfassung in die Textfelder gefüllt wurde. Die Übersetzung an sich ist ebenfalls nur mittelmäßig, zum Teil liest sich das Buch wie von einem Sechstklässler geschrieben. Kurze Sätze mit ständigen Wiederholungen und merkwürdigen Formulierungen deuten darauf hin, dass sich hier etwas zu nah am Originalmanuskript entlang gehangelt wurde.

Dabei ist die Idee des grundsätzlichen Aufbaus des Buches nicht schlecht. Pro Film werden hier Informationen in Prosaform zu Charakteren, Schauplätzen und Gegenständen geboten. Wer das Kompendium von vorne bis hinten durchliest, wird dabei feststellen, dass die Storyline des jeweiligen Flicks immer und immer wieder auftaucht. Das liegt daran, dass jedes Unterkapitel die Backstory des behandelten Themas bei der Stunde Null beginnend wiedergibt. Das ist vielleicht ganz praktisch, wenn man gezielt Infos zu einem Thema sucht, als Bettlektüre ist der Wälzer eher nicht zu empfehlen. Dabei ist zu erwähnen, dass Infos nur im Rahmen des jeweiligen Marvel-Films herausgerückt werden, was bedeutet, dass man keine Angst vor Spoilern haben muss. Leider fehlt eine Art Register oder Glossar, was das Kompendium als tatsächliches Nachschlagewerk etwas unhandlich macht.

Interessant ist, dass die Autoren uns zusätzliche Informationen kredenzen, beispielsweise, wann der Charakter oder die Location erstmalig in welchem Comic aufgetaucht sind. Eine kleine zusammenfassende Synopsis, wie der Charakter in den Vorlagen dargestellt wurde, gibt es obendrein. Hier dreht sich allerdings immer alles um die Charaktere – die Schauspieler, die die Helden und Schurken spielen, werden nicht einmal namentlich genannt.

Unter dem Strich ist „Marvel Cinematic Universe – Das Film-Kompendium“ eine gute Quelle für jüngere Leser, die, ohne einen Marvel-Film erneut sehen zu müssen, gezielt nach Informationen suchen. Leider mangelt es dem Nachschlagewerk an Übersicht, ein Glossar hätte dem Handling sicher gut getan. Dem hohen Preis von knapp 30 Euro wird das Buch dabei aber leider nicht gerecht. Dafür fehlt es an zu vielen Ecken an Informationen, Liebe zum Detail und sprachlichem Niveau.

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Marvel Cinematic Universe – Das Film-Kompendium was last modified: November 22nd, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.