Remakes, Neuinterpretationen, Prequels – Die Kinowelt verliert täglich weiter an Innovation und Kreativität. Selbst vor klassischen Märchen wird nicht mehr Halt gemacht. So verwurstelt Disney im jüngsten Kinoabenteuer die Geschichte der bösen Fee Maleficent, die man als geneigter Cineast bereits aus dem Klassiker Dornröschen unter dem Namen Malefiz kennt. Jene böse Fee, die die junge Aurora verflucht, nach einem Stich an einer Spindel in einen todähnlichen Schlaf zu fallen, bekommt ihr eigenes Feature, in dem der Background erläutert wird.

Der Trailer war vielversprechend: Angelina Jolie in der Rolle der Maleficent bekommt einen Wutanfall nach dem nächsten und bekämpft, zusammen mit wurzelartigen Kreaturen, die Welt der Menschen.

Die grundsätzliche Story ist schnell erzählt: Maleficent, Herrscherin über eine Art Zauberreich, verliebt sich in einen Jungen, der sie verlässt, nur um Jahre später zurückzukehren und die Fee ihrer Flügel zu berauben, damit er selbst König über das Menschenreich sein kann. Daraufhin heckt sie einen fiesen Plan aus, um sich an ihrem ehemaligen Geliebten zu rächen und verflucht dessen Tochter Aurora. Kennen wir ja schon. Der Plot ist allerdings so dünn, dass man merklich die inhaltsleeren Sequenzen im Kontrast zu denjenigen erkennen kann, die wirklich Substanz transportieren.

Kunterbunte Kontrastwelt

Apropos „Kontraste“: Maleficent scheint fast ein grausames Konglomerat willkürlich gewählter Kontraste zu sein. Ob das nun die Kluft zwischen den schauspielerischen Leistungen von Angelina Jolie (grausam) und Elle Fanning (großartig) ist oder eine archetypische, unangenehm auffallende stimmungs- und situationsabhängige Farbgebung der einzelnen Sequenzen ist – der Holzhammer wird hier minütlich geschwungen, Subtilität ist hier fehl am Platz.

Obwohl die Visuals zum Teil atemberaubend gut sind, darf der Aufschlag für die 3D-Version im Kino eures Vertrauens ruhig im Sparschwein bleiben. Letztlich ist der einzige optische Effekt, den der Zuschauer von der Mehrpreisversion bekommt, ein dunkleres Bild, was sich gerade in dunklen Szenen eher negativ auf das Erlebnis auswirkt, da man so gut wie nichts erkennt. Schade eigentlich.

Wer sich die Originalversion anschaut, der wird den wundersamen Verlust eines wirklich attraktiven britischen Dialekts miterleben, den der Charakter der Maleficent im Laufe der Zeit miterlebt. Das ist wahrscheinlich weniger geplant, als auf die unbeschreiblich eintönige und langweilige Performance Jolies zurückzuführen. Während Elle Fanning wie immer brilliert und selbst Branchenikonen an die Wand spielt, ist der Rest der Riege rigoros mittelmäßig und verschwimmt in der Erinnerung in einem blassen Grau, trotz der bunt kontrastierten Fantasiewelt.

Dabei ist vor allem Angelinas Maske mehr als gelungen – Auch wenn die Optik des gesamten Films stets an ein schlechtes Imitat aus dem grenzgenialen Kopf Guillermo del Toros erinnert, entwickelt die Welt eine gewisse Eigendynamik, die zwar zum Teil etwas gezwungen wirkt, die FSK-Skala von 6 Jahren aber mitunter sprengen dürfte, was gruselige Fratzen und Monstergebrüll angeht. Schwache Kindsgemüter sollten sich den Gang ins Kino vielleicht sparen, ebenso wie Menschen, die sich ein Actionspektakel deluxe versprechen. Alteingesessenen Fans der Bösewichtin sei Maleficent ans Herz gelegt, wenn ich auch hier die zweidimensionale Fassung empfehlen würde. Alle anderen können gerne auf die Blu-Ray warten und bequem bei Chips und Bier einen Märchenfilm genießen, der auch dem erwachsenen Publikum noch zur Genüge reichen wird.

Maleficent läuft ab dem 29. Mai 2014 im Kino.

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Maleficent was last modified: Mai 27th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.