Zombies, Brüste, Kettensägen – Drei Worte, die  jedem passionierten Gamer die Horchlappen aufrecht stehen lassen. Wir haben getestet, ob das reicht, um ein gutes Spiel zu machen.

Juliet ist hübsch, blond und knapp bekleidet. Außerdem schwingt sie die Kettensäge wie kein zweiter, denn sie ist offizielle Zombiejägerin. Ihre Berufung kommt ihr gerade recht, als ihre Highschool, die San Romero High (offensichtlich eine Hommage an Zombie-Großmeister George A. Romero) von einer Horde Untoten heimgesucht wird. Also packt Juliet ihre Pompoms und die Kettensäge ein, macht sich auf den Weg zur Schule und lässte Zombieköpfe rollen.

Im Ausland bestellen?
Hoppla! Wird hier wirklich so richtig fein gemetzelt? Jawohl. Da fliegen Gliedmaßen und Köpfe durch die virtuelle Gegend, dass man sich zurecht fragt: „Geschnitten? Ab 18?“ Aber weit gefehlt; die USK-Jungs fanden Lollipop Chainsaw wohl so abstrakt und abgedreht, dass eine ungeschnittene Freigabe ab 16 Jahren erteilt wurde. Denn statt Blut strömen Herzchen und Regenbögen aus den offenen Wunden der wandelnden Toten.

Auf der Suche nach dem Grund der plötzlichen Zombieepidemie trifft Juliet ihren Freund Nick. Dieser wird aber bei Juliets Eintreffen von einem Zombie angeknabbert, so dass der Blondine nichts anderes übrig bleibt, als den Kopf ihres Geliebten abzutrennen, um sein Hirn vor dem zombifizierenden Virus zu retten. Fortan baumelt Nicks Haupt, das natürlich noch sprechen kann und sich regelmäßig beschwert, auf Pohöhe an Juliets Gürtel. Dieser kann dann per Spezialattacke als Waffe eingesetzt werden; Klingt abgefahren – ist es auch.

Lollipop Cainsaw ist ein klassisches Hack’n’Slay – im wahrsten Sinne des Wortes. Unkompliziertes Buttonmashing verwandelt Hirnfresser schnell in feine Leberwurst – selbst größere Gegnergruppen von 20 oder 25 Zombies liegen schnell in Einzelteilen auf der Erde. Dabei bleibt der Spielspaß leider zum Teil etwas auf der Strecke. Anfangs hat man noch Spaß am ungewöhnlichen Look und Feel des Spiels, was aber nach einer Weile verfliegt und das Gameplay mitunter etwas eintönig wirken lässt. Zum Glück wird diese Monotonie immer rechtzeitig durch zunehmend witzigere und abgedrehtere Ideen aufgepeppt, beispielsweise durch Zombie-Basketball, um nur ein Beispiel zu nennen.

Bei den ganzen Herzchen und Regenbögen wirkt Lollipop Chainsaw trotzdem nie zu „mädchenhaft“. Der japanische Animestil treibt die Niedlichkeit des Ganzen auf die Spitze hält sich aber mit dem Gorefaktor der Metzelorgien immer die Waage. Auch Juliet selbst wirkt selten zu sexy (einige freischaltbare Kostüme verdecken allerdings kaum noch etwas), versprüht eher eine Art Schulmädchencharme mit ziemlich üppiger Oberweite. Typisch japanisch halt. Die Sprachausgabe kommt glücklicherweise komplett in englischer Sprache daher und erinnert ebenfalls an fernöstliche Populärkultur. Ist aber nicht schlimm, sondern unterstreicht zusätzlich das übertriebene Storytelling.

Augenkrebs oder Augenweide?
Grafisch kann man nicht meckern – alles läuft flüssig und sämtliche Regenbögen und Glitzersprites fliegen ungehindert über den Bildschirm. Technisch ist Lollipop Chainsaw allerdings nicht mehr auf dem neuesten Stand. Mag zwar am stilistischen Grundgedanken liegen, aber die Geometrie des Leveldesigns ist sehr gradlinig, alles wirkt sehr flach und künstlich. Das Scripting ist hakelig und animierte Sprites sind merklich geloopt. Aber wenn man hier ein Auge zudrücken kann, bekommt man ein wirklich hervorragendes Hack’n’Slay mit einer Menge Witz, Zombies und Zooms auf Juliets Unterwäsche. Ganz klar Empfehlung.

Coverbild: Jessica Nigiri als Juliet

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Lollipop Chainsaw was last modified: Juni 10th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.