Jede Sekunde, die der jüngste Teil der LittleBigPlanet-Franchise über meinen Bildschirm flimmert, freue ich mich ein bisschen mehr. Jedes Mal möchte ich noch ein wenig lauter „Ist das süß!“ rufen, was ich mir aber selbstverständlich verkneife. Echte Kerle finden nichts süß. Keine Babykätzchen, kein LittleBigPlanet, nicht einmal Süßigkeiten! Dennoch kann ich der mittlerweile dritten Installation der Reihe eine gewisse Niedlichkeit keinesfalls absprechen. Ich bin Mann genug, das zuzugeben. Die ganz neugierigen Nasen unter euch fragen sich natürlich, was genau der feine Herr denn da so niedlich findet. Eine äußerst faule Antwort meinerseits wäre „Alles!“, aber das würde nicht nur eure Wissensgier nicht befriedigen, sondern würde dieses Review auch zu einem jähen Ende führen. Und das möchte keiner von uns.

Blinzeln, Sammeln, Springen

Fortsetzungen von Spielereihen haben mitunter das große Problem, lediglich wie ein Update der urspünglichen Idee zu sein. Neue Levels, neue Waffen – Das war’s. Auch LBP3 (ja, eine Abkürzung. So viel Faulheit müsst ihr mir zugestehen.) sieht auf den ersten Blick nicht anders aus, als es LBP im Jahre 2008 tat – Sackboy rennt durch quietschbunte Welten, sammelt Items ein und löst knifflige Rätsel auf Geheiß des Spielers. Sumo Digital, seines Zeichens Entwicklerstudio des knuffigen Adventures, hat sich allerdings ordentlich den Kopf über Neuerungen zerbrochen, die das Spiel deutlich von seinen Ahnen abheben sollen. Ich nenne hier mal den wichtigsten Punkt zuerst: Alles, was Besitzer der Vorgänger bisher gesammelt, gekauft oder gebastelt haben (dazu zählen auch die zig Millionen Levels), steht in LBP3 durch die Verknüpfung mit dem PSN-Konto, zur Verfügung. Damit potenziert sich der Content des eigentlichen Spiels um ungefähr dreihundert Milliarden. Grob geschätzt.

Zweitwichtigste Neuerung: Die Steuerung reagiert wesentlich präziser. Wer früher Probleme hatte, das schwammig wirkende Gameplay zu meistern – obschon dies einen gewissen Charme hatte – der wird 2014 kaum noch Sprünge in den Sand, respektive den Abgrund, setzen. Dabei helfen uns die ganze Fülle an Tools, die der gehäkelte Protagonist im Verlauf der Story freischaltet. Ob das jetzt der Pumpinator ist, der bestimmte Gegenstände wegpusten oder ansaufen kann, oder der Blitzball, der uns – wie das Blinzeln des WoW-Mages – kurze Strecken teleportieren kann. So leichtfertig ich das Wort „kann“ hier verwende, so sehr tut es mir leid, kein „muss“ eingesetzt zu haben. Denn der Gebrauch dieser Werkzeuge ist essenziell für das erfolgreiche Durchqueren der Spielwelten.

Doch nicht nur die völlig abgedrehten Tools sind wichtig, um dem Bösewicht das üble Handwerk zu legen, sondern auch die legendären Krieger: Oddsock, eine Art gehäkelter Hund, Swoop, ein Stoffvogel und der dicke Toggle. Diese sind die Schlüsselfiguren einer mythologischen Geschichte um drei Titanen, die die gesamte Kreativität des Planeten Bunkum zu verzehren drohen. Das können wir selbstverständlich nicht zulassen, denn viel zu… naja… süß ist hier alles! Hach, schön. Jeder dieser zusätzlichen Charaktere, die leider wohl niemals den Kult-Charakter eines Sackboys erreichen werden, hat seine eigenen Stärken und Fähigkeiten. Ähnlich wie bei Trine. Oder Lost Vikings. Ihr wisst, worauf ich hinaus will.

 

Wankende Stabilität, wunderbar sandboxig

Doch leider schwächelt LBP3 in Sachen Stabilität. Die getestete Version 1.02 (zum Zeitpunkt des Tests die aktuellste Fassung) auf der Playstation 4 stürzte des Öfteren mit einer Fehlermeldung ab. Für ein PS-exklusives Spiel doch irgendwie seltsam, habe ich diese Erfahrung bisher noch bei keinem anderen Titel machen müssen. Glücklicherweise traten die Abstürze (insgesamt drei an der Zahl) nur bei Levelwechseln auf, was dadurch keine Verluste den Spielfortschritt betreffend zur Folge hatte. Ansonsten hatte die PS4-Fassung keine Probleme. Durch die Cross-Platform-Entwicklung parallel zu PS3-Version, treten performancetechnisch keinerlei Schwierigkeiten auf. Kein Ruckeln, kein Tearing, kein Ghosting. Man muss dazu sagen, dass LBP3 in dieser Hinsicht nicht besonders hungrig ist, aber auch das habe ich schon anders erlebt. Zum Beispiel bei allen Telltale-Spielen. Immer wieder ein Wermutstropfen beim Erleben der ansonsten herausragenden Spiele.

Doch nicht nur Kampagnenspieler kommen voll auf ihre Kosten – Wer sich lieber kreativ auslässt, der kann gesammelte Objekte im Kreativmodus verbauen und eigene Welten schaffen. Dead Space-Surrogate, Pac-Man oder eine 1:1-Unsetzung von Super Mario World (Level 1-1) – die Möglichkeiten sind schier grenzenlos und lassen sich die LittleBigPlanet-Reihe den Namen „Sandbox-Game“ vollkommen zu Recht verdienen. Anders als der Story-Modus, benötigt alles, was mit der angepriesenen Kreativität zu tun hat, eine gewisse Eingewöhnungszeit, zu mannigfaltig sind die Möglichkeiten des kreativen Outputs.

Wer keine Lust hat, sich alleine durch die Levels zu kniffeln, der kann einen Mitspieler einladen, sowohl lokal als auch über die Verbindung zum PSN. Das können Freunde und auch völlig Wildfremde sein, in deren Spiel man einsteigen kann und andersrum. Meistens sind Fremde da allerdings eigen und verweigern den Zutritt zu ihrem Spiel. Verständlicherweise. Aber das ist ja nicht die Schuld des Spiels, vielmehr ist der Gedanke des Teilens und Teilhabenlassens genauso niedlich wie das Spiel an sich. Dass dies selten auf Resonanz trifft, hätte zwar vorhergesehen werden können, aber Ausnahmen bestätigen ja immer wieder die Regel, weswegen die, die wirklich mit Herzblut bei der Sache sind, umso besseren, durchdachteren und aufwändigeren Content produzieren. Man kauft also nicht nur das Spiel, sondern den User-Created-Content direkt mit. Wenn man die Muse besitzt, sie darauf einzulassen, darf man sich sehr oft sehr positiv überraschen lassen.

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LittleBigPlanet 3 was last modified: Dezember 11th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.