Ich habe mir etwas Zeit gelassen, bis ich etwas zur jüngsten Episode des Dramas Life Is Strange schreibe. Zum einen, weil ich stinkfaul und immer total beschäftigt bin. Zum anderen wollte ich das Geschehene kurz sacken lassen, bis ich eine qualifizierte Meinung dazu abgeben kann. Ich denke, ich wäre dann soweit.

Es ist erstaunlich, wie viele Details sich durch unzählige Gabelungen schlängeln, die die erzählte Story unglaublich komplex machen. Fast jede kleine Veränderung, die man in der erste Episode vorgenommen hat, auch wenn es nur das Wässern der Zimmerpflanze ist, hat eine Auswirkung auf den Rest der Story. Dadurch entstehen selbstverständlich eine Vielzahl an Nebenplots, die vom Entwicklerteam DONTNOD Entertainment gemeistert werden möchten. Viele, viele Dialoge müssen gesprochen und ein enormes Storyboard erstellt werden. Das ist wohl das Bemerkenswerteste an Life Is Strange: Die Liebe zum Detail.

Überall sind kleine Dinge versteckt, die entweder an das große Vorbild Twin Peaks oder an andere Serien und Filme erinnern und irgendwie nicht im Geringsten deplatziert wirken. Denn genau durch das Gefühl, das man durch die Erinnerung an ähnlich normale, aber dennoch beklemmende Situationen bekommt, prägt das Spielgefühl des Abenteuers. Viel passiert nicht, aber der Butterfly-Effect, der dem Spieler omnipräsent im Nacken sitzt, hinterlässt oft einen bitteren Beigeschmack. Eben durch die Möglichkeit, die Zeit zurückdrehen und sich anders entscheiden zu können, gerät man in Umstände, in denen man zwischen zwei Übeln wählen muss. Eine Gegebenheit, die Telltale in seinen Spielen bis dato nicht hat erreichen können. Denn anders als bei der Konkurrenz, hat das Handeln des Spielers hier tatsächlich Konsequenzen.

Zwar fährt Life Is Strange auch auf Schienen und folgt grob einem linearen Hauptplot, aber gerade das Ende der zweiten Episode zeigt, dass auch anders geht. Eine einschneidende Veränderung, die Episode Nummer drei je nach Entscheidung auf immens Art und Weise ändern wird, so dass die nächste Folge jedem Spieler eine andere Geschichte präsentieren wird. Denn mittlerweile sind so viele Variablen in der Formel, dass die Komplexität des Storytellings nur noch weiter zunehmen kann. Ich bin wirklich gespannt, wie dieser Umstand gelöst wird.

Auch wenn keine spielerischen Herausforderungen gestellt werden, transportiert Life Is Strange die Anforderungen an den Spieler auf ein neues Level. In diesem Sinne hat DONTNOD quasi das, was Telltale im Jahre 2012 mit The Walking Dead für die Spielwelt getan hat, weiterentwickelt und verbessert. Perfekt ist dies noch nicht, jedoch – und ich wiederhole mich an dieser Stelle – bin ich wirklich erstaunt, wie tief und nachhaltig die Entscheidungen des Spielers hier widerklingen.

Wer Episode 1 gespielt hat, wird ohnehin zur zweiten greifen, unentschlossenen sei aber gesagt, dass es sich durchaus lohnt. Es werden nicht viele Fragen beantwortet (sorry), aber der Grundstein für eine spannende Fortsetzung gelegt, auf die ich mich schon sehr freue!

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Life Is Strange – Episode 2 was last modified: April 3rd, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.