Lang, lang ist es her, dass ich zuletzt LEGO Star Wars spielte. Irgendwie logisch, denn der letzte Star-Wars-Film erschien im Jahre 2005 und die Star-Wars-Ableger der LEGO-Games beziehen sich grundsätzlich immer auf die Filme. Ich habe es schon öfter gesagt, aber an dieser Stelle scheint mir eine Wiederholung besonders angebracht: LEGO Star Wars war mein Einstieg in die Welt der modernen LEGO-Spiele. Damals noch auf der ersten Xbox, und zunächst nur in der Fassung, die die Originaltrilogie beinhaltete, brauchte man längst nicht so viel Zeit, um die 100% zu schaffen, wie es heute der Fall ist. Der Umfang, den die LEGO-Games mittlerweile angenommen haben, ist unglaublich. Mehrere offene Welten, kombiniert mit vielen Levels, die in verschiedene Sektoren unterteilt sind, knapp 300 sammelbare Charaktere, hunderte goldene Steine, Unmengen an versteckten Gegenständen – Dass man da viele, viele Stunden mit verbringen kann, ist klar.

Während ich noch die restlichen Secrets in LEGO Marvel’s The Avengers sammle, hat Warner zusammen mit dem verantwortlichen Entwicklerstudio Traveller’s Tales (nicht zu verwechseln mit Telltale. Ist mir schon passiert. Das war peinlich.) das LEGO-Spiel zu Episode VII: Das Erwachen der Macht, auf den Markt gehauen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mittlerweile etwas übersättigt war. LEGO Jurassic World habe ich komplett ausgelassen, weil ich einfach nicht mehr die Zeit und die Muse aufbringen konnte, ewig gleiche Dinge zu sammeln, wenn ich das vorherige Spiel noch nicht einmal beendet habe. Denn die Hürde, die der Spieler nehmen muss, damit das Spiel „ins Rollen“ kommt, ist beachtlich. Denn bevor der eigentliche Sammelspaß beginnen kann, müssen eine scheinbar endlose Anzahl von Levels gespielt werden, die im Storymodus ein ziemlicher Schmerz im Po sind, da alles nur sehr schleppend voran geht. Sobald man den ersten Multiplikator erworben und das Freie Spiel entsperrt hat, und das ist die Regel, geht’s erst richtig los.

Auffallend frisch

Dennoch konnte das alles meine Vorfreude auf neue LEGO-Abenteuer in der Star-Wars-Welt nicht mindern. War es doch ein Star-Wars-Spiel, das mich auf den rechten Pfad brachte. Und schon beim Starten des ersten Levels werde ich positiv überrascht. Denn grundsätzlich hatte sich seit 2005 nicht besonders viel am Spiel getan. Irgendwann wurde die Engine gewechselt, die Grafik aufpoliert und die Sounds geändert, doch unterm Strich war es das auch schon. Der erste Blick auf das Sternenkriegabenteuer lässt mich kurz blinzeln: Alles wirkt knackiger, aufpolierter. Selbst die Menüs machen jetzt nicht mehr den Eindruck eines B-Indie-Games. Die lästigen Kamerafahrten scheinen auf ein Minimum reduziert worden zu sein und selbst neue Spielelemente und sinnvolle Änderungen am Gameplay sind zu verzeichnen.

Der erste Eindruck soll sich auch im weiteren Spielverlauf bestätigen. So wirklich übersichtlich und leicht verständlich sind viele Aktionen innerhalb der Levels immer noch nicht, aber immerhin wird hier nicht meine wertvolle Lebenszeit mit umständlichen Kamerafahrten vernichtet, die in den Vorgängern allesamt immer gut 5 Sekunden zu lang waren. Die Menüs und das HUD sind komplett neu gestaltet worden: Knackige Grafiken und endlich auch mal eine lesbare Schrift bringen frischen Wind in die Optik des Spiels.

Geniales Gameplay

Auch das Bauen hat eine Generalüberholung bekommen. Anstatt sich nur stupide neben Steinchenhaufen zu stellen und Kreis (getestet wurde auf der PlayStation 4) zu drücken, muss der Spieler sich nun entscheiden, auf welchem der beiden Bauplätze er sein Gebilde errichtet. Denn hier ist nun die Reihenfolge entscheidend. Erst links oder erst rechts? Das bringt etwas Abwechslung ins Spiel und birgt unter Umständen die ein oder andere Überraschung.

Ein völlig neues Spielelement hat sich Traveller’s Tales von Deckungsshootern wie Gears of War oder Binary Domain (unbedingt spielen!) abgeschaut. In einigen Situationen ist der Spieler gezwungen, in Deckung zu gehen und, sobald sich die Möglichkeit bietet, herauszuspringen und böse Schergen in Einzelteile zu zerschießen. Das klingt im ersten Augenblick etwas deplatziert, funktioniert auf seiner rudimentären Basis allerdings erstaunlich gut und sieht dank der verstärkten Tiefenunschärfen grandios aus.

Auffällig sind die Original-Lines aus dem Film, die die Macher hier verbaut haben. Wobei ich denke, dass die deutsche Version nachträglich eingesprochene Samples verwendet und die englische Sprachfassung eine Kombination aus Originalsamples und Re-Recordings für spezielle Situationen. Offenbar konnte sogar Harrison Ford akquiriert werden – Die englische Sprachfassung ist also nicht nur höllisch teuer gewesen, sondern bugsiert die deutsche Version dadurch sogar ins Abseits.

Am Spaß, den das Spiel mit sich bringt ändert allerdings auch die unterschiedliche Qualität der Sprachausgabe nichts. Denn wie gewohnt folgt zwar das Spiel in groben, ausgeschmückten Zügen dem Film (und zum Teil Storyelementen der Originaltrilogie), untermauert dies aber zu jeder Zeit mit dem bekannten Slapstick-Witz der LEGO-Spiele. Etwas, was LEGO Marvel’s The Avengers irgendwo auf dem Weg verloren hatte. Ich bin froh, dass der LEGO-Geist wieder in die Maschine gefahren ist.

Fazit

LEGO Star Wars – Das Erwachen der Macht in meines Erachtens das derzeit beste LEGO-Spiel. Während alle anderen zwar ebenfalls genial sind, sticht das Nesthäkchen hier in vielen Punkten aus der Masse hervor. Ein Überangebot an LEGO-Spielen, die sich zum Teil etwas zu sehr ähneln, lässt dadurch eine Entscheidung, welches Spiel gekauft werden sollte, einfach fallen. Allein die Kombination aus Star Wars und LEGO ist schon ein Klassiker und sollte besonders für Spieler, die gerne Koop auf der Couch zocken, ein Pflichtkauf sein. Die anfänglichen Hürden eines jeden LEGO-Spiels bestehen weiterhin, aber immerhin sind die Levels durch viele Gameplayänderungen und den Spaß, den Star Wars nun mal mit sich bringt, um einiges anspruchsvoller und vielseitiger geworden.

Erhältlich übrigens für so ziemlich jedes aktuelle System, die Anzahl der Portierungen kann sich sehen lassen.

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LEGO Star Wars – Das Erwachen der Macht was last modified: Juli 5th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.