Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: LEGO-Games und ich kommen ja vorzüglich miteinander aus. Nicht alleine deswegen war ich quasi als LEGO-Experte bei den Pixelmachern (Thema „Inspiration“) geladen. Aber nicht alleine meiner Leidenschaft wegen freue ich mich jedes Mal erneut wie ein Achtjähriger auf das Erscheinen eines neuen Ablegers der Steinchen-Franchise. Jedoch trübt das Erfolgsrezept „Ewig gleich und doch immer größer“ so langsam die Euphorie.

So wartet LEGO Batman 3: Jenseits von Gotham mit insgesamt 150 (!) Charakteren auf – Mal unter uns Pastorentöchtern: Das ist Schwachsinn. Muss ich niemandem erklären. Nehmen wir an, es gibt (grob geschätzt) 12 unterschiedliche Fähigkeiten, die unter den Charakteren verteilt werden, die Figurenredundanz steht hier in keinem Verhältnis. Und genau so steht es um den Rest des Spiels: Es ist einfach wieder viel zu viel, besonders in Relation zur Frequenz, mit der das Team von Traveller’s Tales ihre Babys auf den Markt katapultiert. Sämtliche Warner-Franchises werden ja mittlerweile in regelmäßigem Turnus LEGOfiziert, alleine 2014 waren das drei Titel für die Major-Plattformen. Während die älteren Titel, beispielsweise LEGO Fluch der Karibik noch in überschaubarer Spielzeit die 100%-Komplettierungsfortschritt über den Bildschirm flimmern ließen, verlangen die neueren Ableger dem Spieler vollständige Dedikation ab. Und bei der Menge an Levels, die teilweise halbstündige Spielzeiten aufweisen, war bisher eine „schnelle Runde“ ob der Zwischenspeicherpunkte nicht mal eben drin. Im Free-Play (und dafür bedanke ich mich auf Knien!) können nun die einzelnen Levelabschnitte separat angewählt werden, was das Auffinden der Geheimnisse, Sammelobjekte und anderem Kram, erheblich erleichtert. Ebenso wie das neue System zum Wechseln der Anzüge, was das Suchen von Wechselstationen, wie es bisher der Fall war, überflüssig macht.

Aber abseits aller Meta-Meckerei ist Bats Weltraumabenteuer wahrlich exzellent, selbst wenn ich mich als Spieler – vor allem nach der Freiheit, die ich in LEGO Batman 2 genoss – etwas eingeengt fühle und das System des Level-Hubs nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Doch alleine die Grundlage der Welt, der Story, der Charaktere, die DC Comics seit Jahrzehnten erfolgreich aufgebaut und bis ins Unermessliche erweitert hat, und in seiner LEGOhaftigkeit bis ans Äußerste verhohnepiepelt, zaubert mir Herzchen in die Augen.

An den oben erwähnten, zweiten Teil anknüpfend, muss sich die Justice League (Batman, Superman, Wonder Woman, etc.) mit der Legion of Doom (Lex Luthor, Grundy, Sinestro, etc.) und anderen Schurken (Joker, Doomsday, etc.)  zusammentun, um Brainiac aufzuhalten, der – ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen – einen perfiden Plan ausgeheckt hat, um (mal wieder) die Weltherrschaft an sich zu reißen. Dies ist – alleine durch die mannigfaltige Variation an unterschiedlichen Settings – nicht ganz so stringent, wie es im Vorgänger geschieht, aber immerhin ausreichend fesselnd, um das Interesse des Spielers über die knapp zehn Stunden Grundspielzeit des ersten Durchgangs aufrecht zu erhalten. Nach dem einmaligen Durchspielen fängt – wie man es gewohnt ist – erst der richtige Spaß an. Sammeln, Sammeln, Sammeln, eine 60er-Jahre-Adam-West-Episode spielen, Charaktere freispielen (gähn), Sammeln, Sammeln.

Dabei fällt aber vor allem die Liebe zum Detail und die sehr tiefgreifende Kenntnis der Macher auf. In Zeiten, in denen sich viele Menschen für Comic-Experten halten, ist es erfrischend zu sehen, wenn jemand wirklich Ahnung von der Materie hat. Ob das nun kleine Seitenhiebe während Gesprächen der Charaktere untereinander ist, oder bestimmte Charaktereigenschaften, die besonders hervorgehoben werden. Aber trotz aller Dankbarkeit über diese Details und die eingangs erwähnten, wirklich sinnigen Neuerungen, kommt LEGO Batman 3 nicht an den zweiten Teil der Franchise heran. Die Grafik ist hübsch, die Dialoge witzig, die Story echt okay, aber der Zauber eines überschaubaren Gotham Citys und anderer Locations, die man aus den Comics kennt, fehlt einfach. Zwar sind die Kloppereien im Weltall wirklich witzig, aber dafür braucht man kaum eine DC-Lizenz. Das Gesamtbild ist – bei aller Liebe – nicht ganz stimmig. Das Spiel steht sich selbst im Weg und kann keinen roten Faden durch die eigene Konsistenz spinnen, was aber wohl nur Comicprofis und Intensivspielern des Vorgängers auffällt (Ich zähle mich zu zweitgenannter Gruppe, 100%, Bitches!). Dennoch hatte ich einen Heidenspaß und musste oft den Controller wegen eines Lachanfalls zur Seite legen.

Das nächste LEGO Batman dann wieder in Gotham, ja?

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LEGO Batman 3: Jenseits von Gotham was last modified: Dezember 30th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.