Es wird gewitzelt und gelacht: Traktor fahren im Videospiel gilt als Lachnummer unter den selbsternannten Core-Gamern. Was ist da dran?

Ein Bauernhof irgendwo in Deutschland: Ich bin Landwirt und versuche, meinen Lebensunterhalt mit körperlicher Arbeit und dem damit verbundenen Papierkram zu bestreiten. Natürlich nicht im echten Leben, denn dafür bin ich viel zu faul. Ich bestelle meinen Acker digital und da ich lieber auf der Couch sitze, als vor dem PC, habe ich mir den Landwirtsschaftssimulator 2013 in der Xbox 360-Fassung angeschaut.

Sicher, im direkten Vergleich zu Triple-A-Titeln, in denen Krieg, Tod und Verwüstung herrschen, scheint es nicht besonders actiongeladen zu sein, den Mähdrescher über karge Felder zu manövrieren. Das hat auch die Gamergemeinde erkannt und spottet voreilig über das scheinbar eintönige Gameplay des Simulators. Dabei bietet das Spiel wesentlich mehr als tristes Hin- und Herfahren über Haus und Hof. Dies wird allerdings erst offensichtlich, wenn man selbst den Controller in die Hand nimmt und sich mit der Materie vertraut macht.

Traktor an und los!

farming_simulator_console-07Bei näherer Betrachtung wird nämlich klar: Scheiße, das Spiel ist schwer. Nach der Auswahl des Bauernhofes – man darf zwischen einem deutschen und einem US-amerikanischen Gut wählen – steht man fast auf sich alleine gestellt zwischen Weizensilos und Fuhrpark und muss sich seine ersten Schritte überlegen. Ein begrenztes Budget ist hier der größte Gegenspieler des Landwirtes, denn so ziemlich alles knabbert an der Haushaltskasse: Hilfsarbeiter, die die Fahrzeuge selbstständig über die Felder steuern, Saatgut, Gerätschaften… Ungeübte Spieler laufen Gefahr, innerhalb des ersten Spieltages bereits in den roten Zahlen zu landen; Möchtegern-Manager und Hobby-Kassenwarte sind hier absolut an der richtigen Adresse. Wer clever mit seinem Geld umgeht, der kann nach einer Weile seinen Fuhrpark erweitern, neue Rohstoffe anbauen und so sein Imperium um weitere Äcker zu erweitern.

farming_simulator_console-03Grafisch – wie oben erwähnt – im direkten Vergleich kaum erwähnenswert, allerdings sollten hier die Relationen beachtet werden. Obwohl die Detailfernsicht zu wünschen übrig lässt, die Level- und Modelgeometrie mit der groben Kelle geschnitzt wurde und auch die Animationen nicht wirklich hübsch sind, muss man sich beim Spielen nicht übergeben. Das ist schon viel wert, besonders unter dem Aspekt, dass es beim Landwirtschaftssimulator eben nur sekundär auf die Optik ankommt. Vielmehr haben die Macher darauf geachtet, den Simulationsgrad weit oben zu halten. Dass da die Physikengine nicht immer optimal mitspielt, soll momentan egal sein. Jedes Agrarfahrzeug (und davon gibt es immerhin um die 100 Stück) hat seine eigenen Fahreigenschaften, dazu passend können Freizeitbauern entsprechende Zusatzgerätschaften erwerben, die bestimmte Aufgaben erfüllen, z.B. Pflügen, Säen, Ernten und so weiter.

Fazit

Fans von Micromanagement und Simulationen kommen voll auf ihre Kosten. Unabhängig vom Thema „Landwirtschaft“ (hierfür muss man wohl tatsächlich „Fan“ sein) ist das Spiel außerordentlich durchdacht und für Casual-Games und Menschen, die ausschließlich auf Action aus sind, in höchstem Maße kompliziert. Man muss sich reindenken, wirtschaften und kann dann ruhigen Gewissens die Grafik als zweitrangig betrachten. Hier gilt definitiv die Devise: Erst spielen, dann lachen. Alles andere wird dem Spiel nicht gerecht, und zu dem Preis (ca. 37 Euro zu Release) absolut okay. Die PC-Version ist etwas günstiger und dürfte auch auf schwächeren Maschinen tadellose laufen. Zudem bietet letztgenannte Fassung einen Multiplayer-Modus, mit dem die Konsolen merkwürdigerweise nicht aufwarten können.

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Landwirtsschaftssimulator 2013 was last modified: Oktober 25th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.