Dreamworks schickt den Panda in die zweite Runde. CGI-Feuerwerk oder absoluter Blindgänger? Joe packt das Kung-Fu aus!

Schnell in den Kampfanzug geschlüpft, Popcorn und die Zwei-Liter-Cola am Tresen geordert und rein in den Kuschelsitz des Lichtspielhauses, denn der Panda ist zurück! Der erste Teil: Ein Traum in schwarz und weiß. Übergewichtiger Underdog-Panda auf dem Weg zum „Drachenkrieger“ – dieser Film sprühte nur so vor Charme, Witz und Innovationen! Über die deutsche Synchro ließ sich – wie immer – streiten: Hape Kerkeling als Jack-Black-Surrogat. Zugegeben – Hape hat seinen Reiz, und das Synchronsprechen scheint ihm wirklich zu liegen, aber an Jack-Attack kommt niemand so schnell ran. Warum nicht die offizielle Synchronstimme wählen? Wahrscheinlich fiel diese Entscheidung PR-Zwecken zum Opfer; man wirbt halt besser mit einem „großen“ Namen.

…Ich bin Dein Vater!

Ähnlich wurde beim zweiten Teil der Reihe verfahren: Hape spricht den Panda, der natürlich jetzt nicht mehr versucht, der Drachenkrieger zu werden, sondern vor andere spannende Probleme gestellt wird. Was könnte das sein? Außerirdische? Vernichtung der Welt? Nein, viel besser: eine Identitätskrise. Ja, genau: ein Panda mit Identitätskrise. Ist die Gans wirklich mein richtiger Vater? Was ist mit meinen Eltern passiert? Das erfährt der Zuschauer übrigens schon, bevor überhaupt der Name des Films eingeblendet wird. Entsprechend schleppend gestaltet sich die Selbstfindung des Drachenkriegers, der erst 5 Minuten vor dem Abspann auf den Trichter kommt, was mit seinen Eltern geschehen ist.

Das Witze-Feuerwerk

So eintönig die Story sich auch durch den gesamten Film schleppt, zu Lachen gibt es trotzdem was. Nicht viel – die Strichliste zeigt 2 laute Lacher und 3 Mal Kichern (männlich) – aber immerhin. Und wie immer sind die kleinen Nebengags um einiges unterhaltsamer als die ‚großen‘ Witzeleien, auf die schon Minuten vorher hingearbeitet wird. Viel zu offensichtlich geht Regisseurin Jennifer Yuh, die auch schon beim ersten KFP-Teil mitwirken durfte, hier vor. Ein wenig mehr Subtilität und weniger Holzhammerhumor hätte ich mir hier gewünscht, aber man kann ja nicht alles haben.

Ferner kann der Bösewicht, diesmal ist’s ein Pfau, kaum überzeugen. Zwar hat dieser bitterböse Pläne und will ganz China vernichten (oder so ein Quatsch), aber außer will Piff-Paff und Peng-Peng erkenne ich kaum Bösewichtallüren beim gefiederten Widersacher. Die ‚Furiosen Fünf‘ sind natürlich wieder mit von der Partie, allerdings rückt der Fokus der Beziehung der legendären Kämpfer zum Hauptcharakter etwas zu sehr auf den Panda selbst. So taucht der Meister aus der ersten Teil nur zu Beginn des Films einmal kurz auf, die anderen Kämpfer prügeln sich nur ab und an mal durch die Szenerie. Schade.

Everybody was Kung Fu fighting…

Womit wir zur Action kommen. Die Ideen der Kampfsequenzen sind sehr gut, das muss man lobend hervorheben. Hier wird viel Witz und Scharfsinn verbaut; der Zuschauer wird mir einer ordentlichen Portion Schlägerei verwöhnt. Hierbei (und im Rest des Streifens) kommen natürlich die Fähigkeiten des Dreamworks-Animationsteams voll zur Geltung. Schimmert auch hier und dort die Faulheit durch, so sind Animationsphasen, Texturierung und Lichtspiel erste Sahne. Pluspunkte gibt es für nasses Fell und Feuerwerk.

Alles in allem auf jeden Fall einen Blick wert; wer allerdings Angst hat, durch die Erwartungen, die der erste Teil der Reihe geweckt haben könnte, enttäuscht zu werden, dem empfehle ich lieber noch einmal das Original anzuschauen. Da weiß man, was man bekommt. Ohne Furcht vor seichtem amerikanischen Slapstick und pseudopsychologischer Selbstfindungsodyssee sei jedem CGI-affinen Cineasten dieser Streifen wärmstens empfohlen. Ich geh jetzt noch ein bisschen Kung Fu üben. Muss mir schließlich noch den vierten schwarzen Gürtel verdienen. HANDKANTENSCHLAG!

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Kung Fu Panda 2 was last modified: Oktober 18th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.