Ich mag es, Filme im Kino zu schauen. Zumindest mochte ich es früher mal. Aber mittlerweile ist der Zauber des Lichtspielhauses verflogen, die Anziehungskraft ist verpufft.

Sicher macht es Spaß, Science-Fiction-Weltraumschlachten oder anderweitig geartete, bildgewaltige Machwerke auf der großen Leinwand zu erleben – dennoch trüben da verschiedene Faktoren das Kinoerlebnis. Das mag zum Teil am Wandel der Gesellschaft und des technologischen Fortschritts auszumachen sein, auf der anderen Seite allerdings auch an meinem zunehmenden Alter und den damit einhergehenden Veränderungen meiner Denkweise.

Wieso also erscheint die heimische Couch im Jahre 2014 als bevorzugter Ort, multimediale Kost zu genießen?

1. Couch > Kinositz

Ranzige Sitze, fehlende Beinfreiheit – das sind die Kernpunkte, die den Komfort eines Kinosaals ausmachen. Die Bestuhlung ist oft so alt wie das Gebäude selbst, entsprechend viele Hinterteile haben also bereits dort gesessen, wo man die nächsten anderthalb bis drei Stunden verweilen wird. Unabhängig davon, dass dies beinahe den unbeliebten Charakter einer Straßenbahn haben könnte, ist die Polsterung oft durchgesessen und aufgerissen.

Je weiter man sich den hinteren Reihen nähert, nimmt dieser Effekt übrigens zu; Die vorderste Reihe ist meist gänzlich unberührt. Entsprechend hart bettet sich der Podex, eine Entlastung des Hinterteils, das mit fortschreitender Story mehr und mehr dazu neigt, einzuschlafen, schafft lediglich ein Herunterrutschen und die damit einhergehende Verlagerung des Körpergewichtes. Doch leider reicht der Raum, den die Konzeptionsabteilung des Kinosaales den Beinen des Kinobesuchers zudachte, nicht einmal dafür aus, aufgerichtet und unbeweglich auf seinem Platz zu sitzen. Ich bin 1 Meter 92, also eigentlich normalgroß. Kein Riese, kein Zwerg. Ich habe Probleme, meine Beine in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Kino unterzubringen. Und ich finde das doof.

2. Menschen!

Menschen! Sie kommunizieren, transpirieren, digestieren und diffundieren. Im Kino wird gequatscht, geschwitzt, gegessen und geatmet – den Quatschern habe ich bereits einen eigenen Artikel spendiert (August 2013), alle anderen finden in den folgenden Zeilen Erwähnung.

Neben den Kinogästen, die sich gezwungen sehen. konstant irgendeinen vokalen Mist absondern zu müssen, gibt es selbstverständlich auch die, die notorisch zu spät kommen. Dabei sind ein Herumirren im Saal 20 Minuten nach Beginn des Film keine Seltenheit, ebenso wie die Verwunderung über die spärliche Beleuchtung im Raum. Auf der Suche nach den zugewiesenen Sitzplätzen wird dann laut kommentiert, geflucht, Popcorn ausgeschüttet und in die Nachos fremder Menschen getreten. Mit Käsesauce. Ohne Peperoni.

Endlich am zugewiesenen Platz angekommen, wird natürlich gequatscht. Oder gefuttert – denn des Mitzuschauers größtes Pläsier ist natürlich das Mitbringen eigener Speisen und Getränke. Nicht, dass Fremdnachos aus dem Hausverkauf ohnehin immer riechen, als wären sie ohne Umweg aus Käsefußhausen importiert worden, nein, gesetzmäßig sitzt man selbst immer in unmittelbarer Riechweite solcher Menschen, die Mettbrötchen, Zwiebelringe oder Käsechips aus eigenem Bestand aus einem Beutel kramen, in dem selbst ein mittelgroßer Elefant (afrikanisch, inklusive Rüssel) Platz finden würde. Dabei wird ein Tamtam verursacht, das mich die per Dialog erklärte Storyentwicklung des Films – immerhin sind wir bereits in Minute 35 angelangt – nicht in Ansatz verstehen lässt. Rascheln, Knistern und das obligatorische Leuchten mit dem Smartphone, auf der Suche nach in den Untiefen der Tasche verschollenen Snacks, lassen meine Halsschlagader urplötzlich auf das Doppelte ihrer sonstigen Größe anschwellen.

Als besonders bezaubernd empfinde ich es, wenn man durch die Gespräche des Nebenmannes erfährt, dass dieser ja eigentlich krankgeschrieben ist und das Bett hüten müsste, untermalt durch röchelndes Husten und das Hochziehen von eitrigem Schnodder. Dieses öffentliche Zelebrieren bodenloser Unverschämtheit stammt geradewegs aus den Tiefen perfider Geister, die sich sonst nur an wenigen anderen Plätzen auf der Welt finden.

3. Das Preisniveau

Kurz und knapp: Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung steht 2014 in keinem Verhältnis mehr. Nicht nur die Preisaufschläge von 1000% auf Popcorn oder die horrenden Preise für Getränke und Nachos lassen mich skeptisch in Richtung Kinobesuch blicken, auch die Eintrittskarten selbst kosten ein kleines Vermögen. Überlänge und 3D-Zuschlag tun ihr übriges und treiben das abendliche Vergnügen in exorbitante Preisklassen, die das Bruttosozialprodukt von Kurdistan alt aussehen lassen. Und dafür, dass man in einem Raum mit 200 oder mehr anderen Menschen sitzt, die alles daran setzen, den Film unerträglich für die Mitgucker zu machen, ist das ein stolzer Betrag.

4. Die Technik

Angenommen, man hat einen einigermaßen guten Fernseher (und die entsprechende Hi-Fi-Anlage) daheim – Dann hat man oft bereits bessere Technik zuhause, als in einem Mittelklassekino im Durchschnitt verfügbar ist. Zumindest bekommt man den Eindruck, wenn man viel zu dunkle Szenen, die durch Unschärfe kaum erkennbar sind, vorgesetzt bekommt, während der Ton durchweg ausfällt oder viel zu laut ist. Sicher: Das mag die Ausnahme sein, aber jedem, der regelmäßig das Lichtspielhaus seiner Wahl (oft trifft die Entfernung die Entscheidung), ist das sicherlich bereits mehr als ein Mal passiert.

Dazu kommt bei vielen Filmen ein 3D-Zwang. Warum? Muss ich den Murks, der nicht einmal nativ mit 3D-Kameras gedreht wurde umständlich (und teuer) im Kino anschauen, wo der gewünschte Effekt zum Teil so schwach ist, dass es kaum einen Unterschied zur „normalen“ Version macht? Ich glaube nicht. Nein.

5. Die Annehmlichkeiten

Das traute Heim bietet aber noch einige zusätzliche Annehmlichkeiten, ergänzend zu den oben genannten. Zwar ist immer vom „Flair“ die Rede, das ein Kino mit sich bringt, aber das Gefühl, das ich als Kind hatte, wenn es mal ausnahmsweise einen Film auf der großen Leinwand gab, ist verflogen. Ich setze meine Prioritäten anders.

Ich trinke Bier. Oder Wasser. Oder Cola. Ist eigentlich egal, das Ergebnis ist immer gleich: Ich muss Pipi. Also tippe ich kurz auf den „Pause“-Knopf meiner Fernbedienung und kann mein Geschäft auf dem stillen Örtchen verrichten. Auf dem Rückweg rauche ich schnell noch eine, schmeiße Chicken Nuggets in den Ofen und lege, auf der Couch angekommen, meine Füße wieder auf den Tisch. Natürlich alles ohne Hose. Ich schaue den Film in der Sprache, die ich mir aussuche, zu der Zeit, zu der es mir passt und kann mich ohne schlechtes Gewissen so verhalten, wie der Rest der Menschheit es wohl ohne Reue ohnehin praktiziert.

Mit dem Unterschied, dass es hier niemanden stört.

 

Titelbild von *raffaella

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Couch oder Kino? Ein Vergleich. was last modified: Februar 24th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.