Eine Ratte, ein Auto, ein Superheld… Klingt wie das Inventar aus einem LucasArts-Adventure, ist aber alles Bestandteil des neuen Pixar-Games für die XBox 360.

[amazon-product]B006ZXV5JQ[/amazon-product]Seit Toy Story im Jahre 1995 (übrigens der erste komplett computeranimierte Spielfilm) sollte „Pixar“ jedem, der auch nur im Ansatz weiß, wie „Kino“ geschrieben wird, ein Begriff sein. Seither liefern uns die Kalifornier in regelmäßigen Abständen einen CG-Knaller nach dem anderen. Einige der bekanntesten feiern nun ein Comeback auf den Spielekonsolen der Welt. Verständlicherweise konnten nicht alle Pixar-Filme den Weg auf den Silberling finden, weswegen die Microsoft Studios sich für „Cars„, „Oben„, „Ratatouille„, „Toy Story“ und „Die Unglaublichen“ entschieden haben. Wer hier DLCs von „Wall-E“ oder „Das große Krabbeln“ wittert mag vielleicht sogar auf der richtigen Fährte sein.

Worum geht’s überhaupt?

Langsam, langsam. Bevor ich direkt zum Inhalt komme, muss ich etwas ausholen und ganz vorne anfangen. Kinect Rush ist ein Kinect-Only-Spiel, heißt: Wer keine Kinect, also diese lustige, schwarze Kamera, die die Bewegungen des Spielers direkt auf den Bildschirm überträgt hat, kann direkt wieder ausschalten.

Ich wähle „Neues Spiel“ und bin überrascht, denn ich werde von meiner oben genannten Kinect gescannt – Was ist denn da los? Leise bete ich, dass ich den Weg eines Kevin Flynn gehe und direkt in die Geschichte gebeamt werde, allerdings ist das, was wirklich passiert nur eine Stufe uncooler. Nach kurzer Zeit steht plötzlich mein Pixar-Konterfeit vor mir. Sieht mir zwar nicht mal im Ansatz ähnlich, aber meine Mundwinkel ziehen sich bereits nach oben.

Das Prinzip hinter diesem Scan ist folgendes: Der Kinect-Sensor erkennt Haut-, Haar- und die Farbe meiner Anziehsachen und pappt diese dann auf ein generisches Spielermodell. Fertig ist die Laube. Ich bin ein 10-jähriger Afro-Amerikaner. Liegt bestimmt am Bart. Aus den gescannten Infos werden noch themenbasierte Charaktere geschustert – Eine Ratte, ein Superheld, ein Cars-Auto, ein Pfadfinder und ein Roboter – für jeden Film jeweils einen Charakter.

Wo wir hinfahren brauchen wir keine Aufpasser! 

Der Bus setzt mein 10-jähriges Ich im „Pixar Park“ ab, wo weder Erziehungsberechtigte noch Erzieher anwesend zu sein scheinen. Hier gibt es fünf Themenbereiche, jeweils einer pro gefeaturetem Film. Da Controller (-> Kinect-Only) nicht erlaubt sind, schwinge ich meine muskelbepackten Arme um loszulaufen und drehe meinen stählernen Oberkörper leicht nach links und rechts um zu steuern. So steuere ich meinen kleinen Charakter zunächst in Richtung „Cars„. Auto fahren. Höhöhö.

Die Arme nach vorne gestreckt rase ich den Wüstenhighway entlang, weiche Hindernissen aus, sammle Münze und springe über Kram, der auf der Straße liegt. Anspruchsvoll ist anders, aber die Zielgruppe von 6-jährigen Spieleamateuren im Hinterkopf, nicke ich zustimmend und probiere die „Oben„-Stage aus. Als Pfadfinder versuche ich nun, das fliegende Haus aus dem Film einzufangen, das droht, zu entkommen und laufe dabei durch den Dschungel und rudere mein Kanu durch Stromschnellen.

Was in jedem Level auffällt: Weder Zeitlimit noch die tatsächliche Möglichkeit eines Game-Over trüben hier den Spielspaß der Jüngsten. Die Steuerung ist einfach zu erlernen und wird trotzdem stets am Bildschirmrand dargestellt. Lediglich komplexere Manöver, wie das Drehen auf der Stelle und das Drücken von Schaltern gehen nur sehr hakelig von der Hand und kratzen zum Teil schon an meiner Frustationsgrenze. Die wirklich „coolen“ Level sind dabei viel zu rar gesät. Im Gros beschränkt sich die Steuerung auf „Laufen und Hüpfen“ – Die Fluglevel beispielsweise bilden leider die Ausnahme.

Grafisch kann man nicht meckern. Wir haben kein Meisterwerk des Shadertums vor uns und die Engine skaliert nicht sonderlich gut, aber wenn man den für Kinect benötigten Abstand zum Flimmerkasten einhält, ist alles noch im akzeptablen Rahmen. Der orchestrale Soundtrack wurde eigens für Rush komponiert und aufgenommen. Hierauf hatte Pixar, wie auf allem anderen, ein strenges Auge – die hohen Qualitätsstandards des Studios sind ja allgemein bekannt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Rush keine absolute Gurke geworden ist – denn solche Projekte werden gerne mal in den Sand gesetzt. Aber so kann ich ruhigen Gewissens mit dem Kopf nicken und das „Arrcade.de Seal Of Approval“ vergeben.

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Kinect Rush was last modified: April 10th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.