Hoppla, was ist denn da los? Aliens, schwebende Autos und Rumgeballer? Kurbelt die Physik-Engine an – wir spielen Inversion!

Russel Davis hat schlechte Laune. Als er in der Mittagspause zum Geburtstag seiner Tochter nach Hause fahren will, geschehen die merkwürdigsten Dinge; Eine Massenkarambolage, die Straße (inklusive Autos) beginnt zu schweben und rumballernde, hummeldumme  Aliens erschießen erst Davis‘ Frau, verschleppen dann seine Tochter und packen den Cop und seinen Kollegen anschließend in ein Arbeitslager, während sie munter den Rest der Welt versklaven. Da hätte ich auch schlechte Laune.

Doch woher kommen die Aliens? Und was hat es mit der Schwebe-Technologie auf sich? Viele, viele Fragen, aber eins ist klar: Irgendwann darf auch der Spieler mit der Schwerkraft hantieren, aber dazu später mehr. Jetzt musst Davis zunächst aus dem Arbeitslager entkommen, seine Tochter finden, die Welt retten und schnell mit dem Hund raus. Oder so ähnlich.

Präsentation

Was beim Spielstart von Inversion direkt ins Auge schlägt, ist die frappierende Ähnlichkeit zur Gears-of-War-Reihe. Ein 3rd-Person-Shooter inklusive Deckungssystem und allem was dazugehört. Inversion sieht zwar wirklich wunderhübsch raus, kann dem Vorbild aber nicht das Wasser reichen, obschon Shader und Lichteffekte Eyecandy Deluxe sind. Leider wirken die Animationen zu hakelig, es gibt viele Clipping-Fehler und das Scripting ist nicht ganz ausgereift. Zudem ist die KI blöd wie ein Sack Nägel.

Gameplay

Im Laufe des Spiels bekommt der Spieler nebst Granaten, Pumpgun und Maschinengewehr ein Schwerkraftdevice der Aliens in die Griffel. Wer hier jetzt auf lustigen Gravitationsspaß à la Mass Effect oder Half-Life 2 hofft, wird allerdings schwer enttäuscht. Zwar hat es schon etwas, den Gegner aus der Deckung zu zerren und ihm anschließend, während er hilflos in der Luft zappelt, seine Blei-Impfung zu verpassen, aber letztendlich ist es effektiver und zeitsparender, einfach so drauf los zu ballern.

Die überwiegend sinnvollste Funktion des Geräts kommt bei vordefinierten Hindernissen ins Spiel, auf die der Spieler dann aber mit dem Zaunpfahl hingewiesen wird. „Oh, diese Ölfässer sind im Weg – benutze dein Grav-Gedöns um blahblahblah“; dazu leuchtet der betreffende Bereich hell auf. Sehr dezent. Wem irgendwann das ganze Hochgehebe und Rumgewerfe zu öde wird, darf die Schwerkraft dann auch umkehren, d.h. Dinge schwerer machen. Hier gilt das gleiche wie oben.

Leveldesign

Das Leveldesign ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Zwar ist hier viel Liebe zum Detail erkennbar, auch die Texturierung ist wundervoll, doch irrt man bisweilen planlos umher, da der vorgegebene Laufweg nicht klar erkennbar ist. Hier hätte man etwas mehr Hirnschmalz in die Pfanne geben können – ein absoluter Spaßkiller.

Wer die ersten paar ätzend-gestalteter Level übersteht, darf dann irgendwann den gleichzeitig spaßigsten aber auch frustierendsten Part von Inversion entdecken: Die Vector Shifts. Durch diese Trigger wird das Spiel auf ein anderes Level gehoben, da die Kämpfe nun nicht mehr nur auf einer Ebene verlaufen, sondern die Stadt zum Teil auf den Kopf gestellt oder sogar auf die Seite gedreht wird.

Heißt im Klartext: Der Spieler läuft an der Decke, während die Gegner „normal“ auf der Straße stehen. Ich habe allerdings deutlich mehr erwartet. Das Feature wirkt leicht deplatziert, macht nicht besonders viel Sinn und die Ausführung ist auch mehr gewollt als gekonnt. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels steigt nun rapide an, allerdings auf ein Level, an dem der Frustfaktor aufgrund der schlechten Umsetzung den Spielspaß fast zunichte macht.

Fazit

Sämtliche Charaktere sind stereotypische Standardfiguren und die Dialoge sind nicht nur doof, sondern auch schlecht geschrieben. Wer winkt so etwas durch? Wenn man sich ein bisschen mehr Mühe gibt, kann man doch so viel machen, das Potential ist schließlich da. Die Levels überarbeiten, das im Ansatz echt gute Spielprinzip überdenken und mal einen fähigen Schreiberling engagieren (der auch die Löcher im Plot stopfen könnte) – Inversion hätte so gut sein können! Wirklich schade drum.

Wer einen wirklich guten 3rd-Person-Shooter möchte, kann aktuell zu Gears of War 3 oder Binary Domain greifen. Besonders Binary Domain protzt mit gutem Trefferfeedback, interessanter Story und Dialogen, die TELE5-Serien vor Neid erblassen lassen würden.

Trailer

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Inversion was last modified: Juni 14th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.