Nicht immer ist das Filmegucken das reinste Vergnügen. Bei so vielen Prequels, Sequels, Pre-Sequels, Spin-Offs und Reboots verliert man mitunter den Überblick, in welcher Order eine Filmreihe geschaut werden sollte. Manchmal ist das ganz klar, manchmal etwas unklar und in wenigen Fällen fast unmöglich zu durchschauen.

Young Adults

Bei den beliebten Young-Adult-Filmen beispielsweise ist es klar, wie die Abfolge ist. Diese richtet sich nach dem Inhalt der Bücher und ist somit von Anfang an festgelegt. Hier fängt man ganz klassisch mit dem ersten Teil an und hört mit dem letzten Teil auf. Noch klassischer bestehen diese Reihen meist aus drei Filmen, man spricht hier von einer „Trilogie“. Das Wort stammt aus dem Griechischen τριλογία (trilogía, τρεῖς treis „drei“ und λόγος lógos „Wort“) und beschreibt ein zusammenhängendes Werk, das aus drei Teilen besteht. Beispiele hierfür sind zum Beispiel „Die Bestimmung“ oder „Die Tribute von Panem„, wobei letzteres Beispiel einen Sonderfall darstellt. Hier wird ein Verfahren angewandt, das bei Romanverfilmungen immer häufiger eingesetzt wird. Ein Reihe, die eigentlich nur aus drei Teilen besteht, wird im Grande Finale aufgesplittet, womit sich hier die Order „1, 2, 3 (Teil 1) und 3 (Teil 2)“ ergibt:

Die Bestimmung – Divergent (2014)
Die Bestimmung – Insurgent (2015)
Die Bestimmung – Allegiant (2016)

Die Tribute von Panem – The Hunger Games
Die Tribute von Panem – Catching Fire
Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 1)
Die Tribute von Panem – Mockingjay (Teil 2)

Der Herr der Ringe /Der Hobbit

Auch die beliebte Fantasy-Reihe um Frodo und Gollum, Der Herr der Ringe, ist eine klassische Trilogie. Sobald man weiß, wie die einzelnen Filme benannt sind, kann man sich hier im zweistelligen Stundenbereich massiven Schlachten und wunderhübschen Landschaften hingeben. Hier gilt auch die Buchvorlage von J.R.R. Tolkien als maßgebliches Credo. Kompliziert wird es, wenn Tolkiens „Der Hobbit“ in die Formel mit einberechnet wird. Die dreiteilige Filmreihe um den jungen Bilbo Beutlin stellt eine Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“ dar, ist also zeitlich anders anzusiedeln als eine Fortsetzung. Man spricht hier von einem „Prequel“, das ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus „Pre“ (also „vor“) und „Sequel“ (also „Fortsetzung“). Hier haben wir es also mit einer Trilogie (siehe oben) und einer Prequel-Trilogie zu tun.

Und genau hier scheiden sich die Geister: Schaut man Prequels in der Reihenfolge ihrer logischen Erzählweise? Also in diesem Fall zuerst „Der Hobbit“ und dann „Der Herr der Ringe“ oder schaut man die Filme in der Reihenfolge ihres Erscheinungsdatums? Ich persönlich schaue die Filme am liebsten so, wie sie ins Kino kamen, also im Falle von Tolkiens Werken wie folgt:

– Der Herr der Ringe –
Der Herr der Ringe – Die Gefährten
(2001)
Der Herr der Ringe – Die zwei Türme (2002)
Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs (2003)

– Der Hobbit –
Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (2012)
Der Hobbit – Smaugs Einöde (2013)
Der Hobbit – Die Schlacht der Fünf Heere (2014)

Meine Gründe für eine solche Reihenfolge sind, dass viele Twists, Erklärungen und Details erst später Sinn machen oder den Zuschauer überraschen können. Eine „nachgereichte“ Vorgeschichte stellt Motive und Begebenheiten vielleicht anders dar, als die „korrekte“ Reihenfolge es jemals können wird. Andere Menschen, und das ist vollkommen verständlich, schauen die Filme am liebsten so, wie sie zeitlich innerhalb ihres Kanons angesiedelt sind, auch wenn dies sich von dem unterscheidet, wie die Filme releast wurden. Das beste Beispiel dafür sind selbstverständlich die Star Wars-Filme.

Krieg der Sterne

Star Wars ist ein absoluter Sonderfall in der Filmgeschichte. Kaum ein Movie-Franchise ist dermaßen durcheinander, wie das der Sternenkriege. Ende der Siebziger erschien mit „Episode IV – Eine neue Hoffnung“ der offiziell erste Teil, was schon damals Menschen mit einer gehobenen Augenbraue auf die Filmplakate schauen ließ. Gefolgt von „Episode V – Das Imperium schlägt zurück“ und „Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ lieferte uns Filmemacher George Lucas bis Anfang der Achtziger eine abgeschlossene Trilogie (wir erinnern uns: Ein Werk bestehend aus drei Filmen).

Ende des alten / Anfang des neuen Jahrtausends allerdings entschloss sich Lucas dazu, den wartenden Fans eine Prequel-Trilogie zu liefern, die sich, wie es scheint, bereits seit 1977 in geistiger Planung befand. Episode I, II und III allerdings waren nicht das, was die Fans erwarteten. Eine dröge Story mit völlig deplatzierten Special Effects und zum Teil vollkommen fehlbesetzten Mimen wird von Anhängern der Reihe gerne als nonexistent abgetan.

Und genau hier wird es wieder interessant. In welcher Reihenfolge schaut man also diese beiden Trilogien? Genau wie bei „Der Herr der Ringe“ bin ich ein Verfechter der Methode „schauen, wie sie ins Kino kamen“. Das hat bei Star Wars die gleichen Gründe, wie bereits oben angegeben. Viele kleine Twists und natürlich der größte Twist der Filmgeschichte (ever!) werden durch das Schauen der Prequels VOR der Originaltrilogie bereits im Keim erstickt. Betrachtet man nur die ersten sechs Filme, empfehle ich also die Reihenfolge IV, V, VI, I, II, III.

Wer aber mit offenen Augen durch die Welt geht, wird feststellen, dass es nicht „nur“ sechs Star Wars-Filme gibt. Inzwischen wird gerade fleißig an der dritten Trilogie geschraubt, außerdem gibt es Spin-Offs (also eine Abspaltung der Kernstory in kanongerechte Nebenstories), die den Zuschauer noch tiefer in die Welt der Sternensaga eintauchen lassen. So steht nicht nur eine Vorgeschichte zu Han Solo (Kinostart: 24. Mai 2018) in den Startlöchern, auch eine Vorgeschichte zu Episode IV, Rogue One: A Star Wars Story, kann sich hier mühelos einreihen, wodurch sich die (für mich) logische Gesamtreihenfolge ergibt.

Rogue One: A Star Wars Story (2016)
Star Wars – Episode IV (1977)
Star Wars – Episode V (1980)
Star Wars – Episode VI (1983)
Star Wars – Episode I (1999)
Star Wars – Episode II (2002)
Star Wars – Episode III (2005)
Star Wars – Episode VII (2015)
Star Wars – Episode VIII (2017)
Star Wars – Episode IX (2019)

Ich erwarte, dass Solo: A Star Wars Story sich losgelöst von von sämtlichen anderen Filmen betrachten lassen können wird und Episode IX logischerweise als Abschluss der dritten Trilogie nach Episode VIII zu betrachten ist. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

Die Alien-Saga

Ich habe bei meinen Beispielen in diesem Artikel bewusst TV-Serien, Videospiele, Comics und Bücher ausgelassen. Bei Star Wars wird man ja sonst vollständig verrückt. Allerdings hat sich Richard Henneberg zu seinem Artikel zu Alien auf audible genauer mit der erweiterten Science-Fiction-Franchise von Ridley Scott (und anderen) auseinandergesetzt und seziert genau, in welcher Reihenfolge welches Medium konsumiert werden muss. Er bezieht dabei Original-Trilogie, wie auch die Sequels und Prequels, die Hörbücher und auch Games mit ein. Außerdem wird die Frage beantwortet, wo sich Alien vs. Predator nun eingliedert, dazu gibt es eine schicke Infografik.

Wie schaut ihr die Filme?

Es gibt natürlich noch unzählige andere Filmreihen, die etwas verwirrend angeordnet sind. Die Detektiv Conan-Filme zum Beispiel, die abhängig von ihrer Position in der Anime-Serie geschaut werden müssen. Oder die Dragonball-Filme. Oder die Marvel-Filme. Oder die Hannibal-Filme…

Die Möglichkeiten, das weiterzuspinnen sind fast grenzenlos. Ich freue mich aber immer über Kommentare, wie ihr das seht: In welcher Reihenfolge schaut man Star Wars? Welche Reihe ist ohne Anleitung zu verwirrend, um überhaupt anfangen zu können?

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Unterstützung von Audible Magazin erstellt.

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In welcher Reihenfolge schaut man eigentlich… was last modified: Februar 21st, 2018 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.