interview_exodusExodus waren mal wieder in der Stadt! Auch ohne Bandleader Gary Holt, der lieber mit Slayer unterwegs ist, tritt die Thrash-Legende noch mächtig Arsch. Mittlerweile ist ein gutes Jahr vergangen, seit Frontmann Steve „Zetro“ Zouza zurück gehkehrt ist und im vergangenen Herbst veröffentlichte die Band das Album Blood In, Blood Out. Gute Gründe, im Backstageraum des Turock ein bisschen mit Schlagzeuger und Gründungsmitglied Tom Hunting zu quatschen!

Hi Tom! Wie läuft die Tour?

Tom: Großartig! Wir haben noch neun Konzerte vor uns. Wir sind jetzt seit dem 17. Mai in Europa und haben bereits Spanien, Polen, Russland und ein paar deutsche Städte hinter uns.

Womit verbringst du Deine Zeit abseits der Bühne?

Tom: Ich lese gerne und viel. Mittlerweile weiß ich aber auch die lokale Kultur unserer Auftrittsorte zu schätzen. Z.B. typisches Essen und solche Dinge.

Es ist jetzt ein gutes Jahr vergangen, seit Zetro wieder bei Exodus am Mikro steht. Wie denkst du über die Zeit?

Tom: Die Flitterwochen sind vorbei! Es fühlt sich super an. Er hat sich gut in unsere Prozesse eingefunden und liefert seine beste Performance überhaupt ab.

interview_exodus_3Für mich schließt sich hier ein Kreis, da ich Euch zu Tempo Of The Damned-Zeiten entdeckt habe und letztes Jahr sogar Zetro’s erstem Gig vom Bühnenrand aus beiwohnen durfte. Aber lass uns ein bisschen über Euer aktuelles Album, Blood In, Blood Out, sprechen. Ich finde das Cover wieder „thrashiger“ als bei den Vorgängern (Let There Be Blood mal außen vor gelassen).

Tom: Gary (Holt) hatte die Idee und ließ sie einem Künstler (Pär Olofsson) zukommen. Wir haben uns dann für die dritte oder vierte Version entschieden. Zombies scheinen ja dieser Tage enorm populär zu sein… Zombies, die sich selbst essen, erst recht!

Steht das Cover mit einem bestimmten Song im Zusammenhang?

Tom: Nicht wirklich. Diesmal ist es kein Konzeptalbum geworden.

Wie bringst Du Dich beim komponieren ein?

Tom: Der Songwritingprozess ist sehr organisch bei uns. Gary und Lee (Altus) schreiben ihre Riffs zu Hause, dann komme ich mit meinen Drums dazu. Wir jammen dann im Proberaum und arbeiten an den Arrangements, manchmal fügen wir hier und da noch Takt- und Tempoänderungen hinzu.

Wer hat die Samples zum Intro des ersten Songs (Black 13) gemacht?

Tom: Das war Dan „The Automator“ (Ein amerikanischer Hip Hop-Produzent – Anm. d. Verf.)! Ich fing mit dem hier an (Tom trommelt den Rhythmus mit den Fingern auf der Tischkante), daraufhin gaben wir es Dan und sagten: „Pack‘ da mal verrückte Scheiße drüber!“.

Eignest Du Dir Spielweisen anderer Stilrichtungen an?

Tom: Ja, zur Zeit bin ich voll auf dem ZZ Top-Trip! Frank Beard hat eine richtig schnelle Ghost-Note auf der Snare Drum (Tom trommelt erneut etwas auf der Tischkante…). Das fing wohl an, als wir mit Testament auf Tour waren. Gene Hoglan und ich fuhren auf einmal voll drauf ab…

Allerdings mag ich auch Zeug wie Journey oder CCR und ich mag Bluegrass- und Hillbilly-Drumming. Johnny Cash hatte übrigens auch einen sehr guten Schlagzeuger!

Versuchst Du, das mit Deinem Thrash Metal-Stil zu verbinden?

Tom: Ich denke schon, aber das ist etwas, was eher unterbewusst passiert. Hören, üben und wiederholen führt unweigerlich zu einem gewissen Einfluss.

Bist Du Autodidakt?

Tom: Größtenteils schon. Oder lass es mich so ausdrücken: Ich habe von den klassischen Rockalben gelernt, hinzu kamen Funk und sogar Disco-Alben. Im Teenageralter funktioniert so was am besten. Dein Gehirn ist dann wie eine Art Schwamm, der das alles aufsaugt. Das ist ein sehr prägender Lebensabschnitt für einen Menschen. Ich habe damals praktisch alles aufgesaugt, was in hörweite war!

Besitzt Du immer noch Deine ersten Instrumente?

Tom: Leider nicht. Meine Mutter kaufte mir meine erste E-Gitarre bei einem Dicounter. Ich wünschte, ich hätte sie noch, aber das Ding ist irgendwann im Laufe der Jahre verschütt gegangen.

Hattest Du jemals einen verrückten Job, um an Geld für die Band zu kommen?

Tom: Oh mein Gott! Ja, wir hatten ein paar verrückte Jobs! Als Paul Baloff’s (früherer Sänger der Band – RIP) Mutter verstarb, lieh er mir etwas von seinem Erbe, damit ich mir ein richtiges Drumset leisten konnte, da meins so beschissen war. Um es ihm zurück zu zahlen, arbeiteten wir in einem Lagerhaus für Farben. Dort wurden unglaublich viele Farbtöpfe gelagert, die alle unter Sollfüllung waren. Wir wurden angeheuert, um jede einzelne dieser verdammten Dosen per Hand auf richtige Füllmenge zu bringen! Das war definitiv einer der verrücktesten Jobs. Ich hatte viele Jobs im Laufe der Jahre…

Kannst Du von der Musik leben?

Tom: Ja. Man muss zwar Abstriche machen, denn reich wird man nicht, aber wir kommen über die Runden und lieben das, was wir tun. Die Möglichkeit, durch unsere Touren so viel von der Welt zu sehen, ist außerdem unbezahlbar!

Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Du einsam auf einem Berg lebst…

Tom: (lacht erst mal schallend) Ja, ich war sechs Jahre lang ein Hillbilly! Zur Zeit lebe ich auf einer Ranch, habe aber auch gemeinsam mit meiner Lebenspartnerin ein Appartement in der Stadt. Sie mag nun mal die Stadt, ich das ländliche. Eine Art „Green Acres“-Beziehung, wenn man so will (er spielt dabei auf eine US TV-Serie aus den 70ern an).

Bist Du up to date, was Copmuter etc. angeht?

Tom: Ich habe einen Computer, aber der ist schon ziemlich alt. Seit neuestem habe ich aber ein iphone. Ich bin wahrscheinlich die letzte Person auf dem Planeten, die sich so was zugelegt hat! Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich noch ein Klapphandy… Ich bin echt erstaunt, was diese Dinger alles können!

Man kann heute sogar eine Bandprobe damit aufzeichnen. Was mich zur nächsten Frage bringt: Wie stehst Du zu technischen Neuerungen? Zum einen Streaming und Filesharing, zum anderen Dinge wie Studiotechnik und Drumtrigger?

Tom: Trigger benutzen wir live nicht mehr. Auf dem Album haben wir sie auch so gut wie gar nicht eingesetzt. Zum Thema Downloading: Es ist, wie es ist. Alles, was man haben will, steht irgendwo da draußen zur Verfügung. Was unsere Musik im speziellen betrifft, sieht es allerdings so aus, dass man sie live immer noch am besten erleben kann. Die Leute kommen zu den Shows, kaufen dann Merch und supporten die Bands. Sie tun das heute eher, als die Alben der Künstler zu kaufen. Das kann man nicht aufhalten. Wir ziehen weiterhin unser Ding durch, so gut wir können, und gehen eben auf Tour!

Magst Du Filme oder Games? Lässt Du Dich davon in irgendeiner Weise inspirieren?

Tom: Ich mag eher Filme, für Games interessiere ich mich nicht so sehr. Inspirieren lass ich mich durch die Filme an sich nicht, vielmehr sind es die Soundtracks! Wenn z.B. irgendwo ein interessantes Tribal-Drumming auftaucht…

Was sind denn Deine Lieblingsfilme?

Tom: Der weiße Hai! Zumindest der erste Teil. Den ersten Alien mag ich ebenfalls. Oder auch John Carpenter’s The Thing, Master and Commander und Shawshank Redemption (Die Verurteilten, Stephen King). Das sind so meine Favoriten.

interview_exodus_2Dieser Tage taucht immer mal wieder der Slay Team Comic auf, in dem Exodus für Ordnung sorgen, um es mal vorsichtig auszudrücken… Wenn es eine Comic-Serie gäbe, in der Du einen Superhelden verkörpern würdest: Was für Superkräfte hättest Du und wie wäre Dein Name?

Tom: Puh! Da müsste ich überlegen… Ehrlich gesagt bin ich etwas sprachlos!

Kein Problem, Tom. Lass Deiner Phantasie einfach bei Modulok freien Lauf!

 

Bildrechte: Thorsten Fiolka + Nuclear Blast

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Im Interview: Tom Hunting (Exodus) was last modified: Juli 6th, 2015 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.