Am 25.3.2016 lassen Amon Amarth ihr neues Album Jomsviking auf die Menschheit los. Vorab durften wir bei Johan Söderberg, seines Zeichens Axtschwinger der schwedischen Death Metal-Band, durchklingeln und bekamen Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Scheibe:

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Johan Söderberg © Achim Raschka (CC-BY-SA-3.0)

Guten Morgen Johan! Wo befindest Du Dich grade? In Deinem Haus in Tumba?

Johan: Hi! Ja, ich bin grade daheim.

Kannst Du uns das Albumkonzept kurz zusammenfassen?

Johan: Gerne: Unser Sänger (Johan Hegg) hat es wie ein Drehbuch geschrieben. Am Ende hatte er ein 140 Seiten starkes Script! Wir mussten es dann ein bisschen kürzen. Es geht um einen Jungen Mann, der von seinem Dorf ins Exil geschickt wird, weil er jemanden umgebracht hat. Später kann er sich jedoch rächen!

Also hattet ihr zuerst das Konzept und habt hinterher die Songs dazu komponiert?

Johan: Genau genommen hatten wir erst die Geschichte, dann die Musik und zum Schluss kamen nochmal die „richtigen“ Lyrics hinzu. Es kam uns so vor, als würden wir den Soundtrack zu einem Film schreiben. Sonst hatten wir immer zuerst die Songideen, die Texte kamen immer erst hinterher.

Wer hatte die Idee zum Cover? Es gibt meiner Meinung nach ganz gut wieder, für was die Band steht.

Johan: Das ist der Hauptcharakter der Geschichte. Wir haben wieder mit Tom Thiel gearbeitet, dem selben Künstler, der schon unsere letzten Artworks gemacht hat. Wir wollten eine gewisse Konstanz haben, so wie z. B. bei Iron Maiden. Man soll direkt erkennen können, dass es sich um eine Amon Amarth-Scheibe handelt!

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Auch unter Vikingern steht unsere Metalqueen Doro ihre Frau!

Tom Thiel ist aber nicht die einzige Person aus Deutschland, die an Eurem Album mitgewirkt hat: Wie ist unsere allseits geliebte Metalqueen Doro Pesch auf Jomsviking gelandet?

Johan: Der Held der Geschichte ist unsterblich in eine Frau verliebt, zu der er später zurück will. Im Song zu diesem Teil der Story wollten wir weibliche Vocals haben. Doro war die offensichtlichste Wahl! Sie hat eine sehr starke, metalmäßige Stimme, die sich bestens in unsere Musik einfügt. Sie war diekt Feuer und Flamme, als wir sie kontaktierten und kam für zwei Tage ins Studio nach England, um ihre Parts für A Dream That Cannot Be einzusingen.

Werden wir auf der kommenden Tour Gelegenheit haben, Euch mit Doro live zu erleben?

Johan: Den Song werden wir nur dann live spielen, wenn sie ihn singt. Vielleicht ergibt sich ja etwas auf einem Festival…

Wo wir vom live spielen reden: Ihr habt einige Kracher auf der Platte, die sich besonders gut für die Bühne eignen. Allen voran das starke Raise Your Horns mit dem einprägsamen Refrain oder One Against All mit den Gangshouts. Habt ihr sowas im Hinterkopf, wenn ihr Songs schreibt?

Johan: Meistens schreiben wir frei von der Leber weg, aber bei manchen Songs haben wir schon von vorneherein das Gefühl, dass sie live gut abgehen werden. Das war bei den genannten der Fall. Man sieht das z. B. bei Tracks wie Guardians Of Asgard oder Purusit Of Vikings, die von unseren Fans immer lautstark mitgesungen werden.

Wie siehst Du selbst Eure Entwicklung von Album zu Album? Wenn man einen Song wie The Way Of Vikings mit Euren früheren Werken vergleicht, springt einem sofort die Epik ins Ohr…

Johan: Wir versuchen natürlich, uns selbst immer wieder zu übertreffen. Wenn man immer wieder und wieder komponiert, verbessert man sich automatisch im Songwriting. Den Song, den Du grade ansprichst, habe ich übrigens mit den orchestralen Passagen begonnen. Früher haben wir sowas immer erst zum Schluss hinzugefügt. Das war auf jeden Fall Neuland für uns und hat sicherlich zum Gesamtsound beigetragen.

Ihr habt zum Zeitpunkt unseres Interviews bereits zwei Videos zum Album veröffenticht. Eines davon ist ein Teaser, der den ominösen Titel Keyboard Warrior trägt. Was steckt dahinter?

Johan: Das hat sich unser Management ausgedacht. Der Kerl, der Thor in dem Video spielt, ist Josh Barnett. Er ist MMA/UFC Fighter und ein großer Fan der Band. Wir haben ihn schon einige Male getroffen und fanden es cool, dass er für diese Rolle gecastet wurde! Alles in allem ist das Video aber eher als reiner Promotion-Gag zu betrachten…

…der aber vorzüglich funktioniert hat! Viele Leute dachten, dass Eure Seite gehackt worden ist, als auf einmal das Photo des Forentrolls als Profilbild auf Eurer Facebook-Seite zu sehen war! Ich habe mal aus Spaß die Bands gegoogelt, die der Typ im Video eintippt: Lustigerweise kam dabei heraus, dass eine amerikanische Psych-Band aus den 60ern namens Kaleidoscope mal einen Song über Wikinger gemacht hat, der tatsächlich Black Fjord heißt!

Johan: Das war mir noch nicht bekannt! Aber diese andere Truppe, Trollroot, müsste tatsächlich frei erfunden sein!

Hattet ihr schon schlechte Erfahrungen mit solchen Trollen, die anonym im Netz ihren Scheiß über Euch verbreiten?

Johan: Von solchen Leuten lassen wir uns natürlich überhaupt nicht beeinflussen. Ebenso gehen uns schlechte Meinungen über unsere Alben sonstwo vorbei. Das Video ist eine Art Reaktion unsererseits darauf. Es sollte klar sein, was wir davon halten :D

aa_cover_2016Ihr habt eine sehr breit gefächertes Spektrum an Fans. Die Hardcore-Fanbase, die Euch seit den frühen Tagen begleitet, aber auch viele Leute, die eher aus dem Mainstream-Bereich kommen. Was vereint Deiner Meinung nach all diese Leute miteinander?

Johan: Es ist großartig, so viele unterschiedliche Leute zu unseren Fans zählen zu dürfen! Ausserdem sind es nicht ausschließlich Typen, die unsere Musik gut finden, wir haben auch sehr viele weibliche Fans, fast schon 50/50. Die Altersspanne ist ebenfalls riesig, wir hatten neben Zehnjährigen auch schon Menschen jenseits der 70 im Publikum! Wenn man Heavy Metal mag, hat man einen leichten Zugang zu uns, auch wenn wir manchmal brutale Musik machen. Wir zielen auf eine gesunde Mischung aus Aggressivität und Melodie ab.

Auf der Bonus-CD Eures letzten Albums (Deceiver Of The Gods) habt ihr einige Songs im Stil Eurer alten Helden gespielt, einer davon, Snake Eyes, erinnerte an Motörhead. Habt Ihr einen Tribute-Song oder etwas derartiges geplant, jetzt da Lemmy von uns gegangen ist?

Johan: Nein, so etwas haben wir nicht geplant. Diese Bonus-CD haben wir damals aufgenommen, weil es uns gelangweilt hat, einfach nur Cover-Versionen zu spielen. Es hat großen Spaß gemacht, diese eigenen Stücke zu komponieren. Seltsamerweise haben einige Leute tatsächlich gedacht, dass es obskure Cover der jeweiligen Bands wären, da sie die vermeintlichen Originalversionen nicht finden konnten!

Seid Ihr eigentlich Fans von IFK Tumba, dem Eishockeyteam Eurer Heimatstadt?

Johan: (lacht erstmal los) Nein, nicht wirklich! Ich glaube, sie spielen nichtmal in einer der kleineren Ligen… Ich bin nicht so interessiert an Sport, auch wenn ich ab und an mal zu einem Eishockeyspiel gehe. Ich habe nicht mal eine Lieblingsmannschaft.

Ich habe gehört, dass Du ein großer Horrorfilmfan bist.

Johan: Ja! Allerdings sehe ich mir auch sehr gerne Science-Fiction-Filme an.

Wenn Du in einem Horrorstreifen mitspielen könntest: Welche Rolle würdest Du übernhemen?

Johan: Ich wäre wohl der Killer in einem Slasherfilm!

Ein Blick auf die Uhr sagt mir leider, dass uns die Zeit ausgegangen ist. Ein letztes Wort an die Fans?

Johan: Wir hoffen, dass Ihr das neue Album genau so mögt wie wir! Ausserdem freuen wir uns auf die kommende Tour. Es ist immer großartig, neues Material präsentieren zu können und die Reaktionen der Fans zu beobachten.

Vielen Dank für das Interview!

Johan: Kein Problem!

Bestellt Jomsviking hier vor!

 

Fotos: Sony Music, Doro-Pic by Jochen Rolfes/Nuclear Blast

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Im Interview: Johan Söderberg (Amon Amarth) was last modified: März 15th, 2016 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.