Interview_Monster_Truck_3Nachdem die vier bärtigen Kanadier von Monster Truck letztes Jahr ein hervorragendes Album bei Dine Alone Records veröffentlicht haben, stand nun endlich eine kleine Headliner-Tour durch Europa an, die auch im Luxor zu Köln Station machte.

Selbstverständlich konnte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, Klampfer Jeremy und Keyboarder Brandon im Black Mob Office vor’s Mikro zu zerren. Zwischen einer Pulle Bier und den alten Roadrunner-Auszeichnungen entpuppten sich die beiden als äußerst kommunikative Gesellen. Aber lest selbst…

Hi Jeremy, hi Brandon, bitte stellt Euch doch kurz vor!

Jeremy: Ich bin Jeremy, ich spiele Gitarre und singe Backing-Vocals.

Brandon: Mein Name ist Brandon Bliss, ich spiele Orgel und singe ebenfalls Backing-Vocals.

Jeremy: Zusammen sind wir die Hälfte von Monster Truck!

Ihr seit immer noch auf Tour, um Euer erstes Album Furiosity zu promoten. Wie läuft es für Euch?

Jeremy: Das Album wurde im Mai 2013 veröffentlicht und seitdem sind wir quasi ununterbrochen auf Tour! Die erste Hälfte führte uns hauptsächlich durch Kanada und die USA, im Herbst sind wir dann nach Europa gekommen, zunächst als Support von Vista Chino, dann gemeinsam mit Scorpion Child und jetzt sind wir selbst Headliner.

Ist es das erste mal für Euch, als Headliner unterwegs zu sein?

Jeremy: In Europa schon, ja. Auf den Gigs mit Vista Chino kamen wir sehr gut beim Publikum an und so kam eins zum anderen.

Brandon: Als klar war, dass wir diese Tour spielen würden, plante unsere Booking-Firma bereits die Headliner-Tour und dementsprechend hatten wir auch viel Unterstützung, was uns natürlich sehr freut. Seit wir hier in Europa sind, läuft der Monster Truck auf Hochtouren!

Was sind die Unterschiede zwischen einer Tour in Europa und einer in Kanada oder den USA?

Jeremy: Es ist ein großer Unterschied! Das fängt alleine schon mit der Gastfreundschaft in den Clubs an: Kaffee oder Verpflegung sind bei uns leider nicht üblich, ebenso muss man sich häufig selbst um eine Übernachtung kümmern… Aber auch die Leute, die zu den Shows kommen, sind ganz anders drauf. Unsere Musikrichtung scheint hier viel besser anzukommen, die Zuschauer sind einfach viel enthusiastischer. Klassischer Rock scheint nicht mehr so angesagt zu sein in den Staaten, wir müssen uns viel mehr anstrengen, um das Publikum von uns zu überzeugen.

Brandon: Ein anderer bedeutender Faktor ist die Entfernung. In Kanada ist es normal, acht oder mehr Stunden zu einem Gig zu fahren, während man hier grade mal vier Stunden bis zur nächsten Stadt braucht. Das macht vieles Einfacher!

Jeremy: Ausserdem ist das Bier hier viel besser!

Welches deutsche Bier schmeckt Euch denn besonders gut?

Brandon: Es gibt so viele gute Biere bei Euch…

Jeremy: Sogar das Beck’s schmeckt hier gut! Wir hören zwar oft, dass es nicht grade das tollste Bier sein soll, aber es tritt so ziemlich allen kanadischen Bieren in den Arsch! Es muss an diesem „Zutatengesetz“, das Ihr hier habt, liegen (er meint natürlich das Reinheitsgebot). Beck’s gibt es auch in Kanada, aber da schmeckt es total verwässert.

Brandon: Bei uns gibt es so viel Scheiße: Sogar Bier aus Maissirup! Aus genetisch „verbessertem“ Mais natürlich… Entsprechend schmeckt das auch!

Ihr habt ja alle vorher schon in verschiedenen Alternative-Bands gespielt: Wie kam die Band zustande und woher stammt der Bandname?

Jeremy: Ich war bereits mit allen Mitgliedern unabhängig von einander befreundet und hegte eher in Bier- und Weedlaunen Pläne, mit ihnen eine Band zu gründen. Im Endeffekt war es dann perfektes Timing: Jon (Harvey, Vox & Bass), Steve (Kiely, Drums) und ich hatten alle zur selben Zeit keine Band am Start, da war es natürlich logisch, die Band zu gründen! Der Name Monster Truck fiel mir übrigens einfach so auf einer Party ein. Ich finde, er repräsentiert unseren straighten Geradeausrock sehr gut. Die anderen waren begeistert und meinten auch gleich, dass wir noch einen Keyboarder bräuchten. Also rief ich Brandon an. Ab da nahm alles seinen Lauf.

Brandon: Das ist in fünf Tagen genau fünf Jahre her!

Spielt Ihr eine Show?

Jeremy: Nein, leider ist das einer unserer Reisetage. Unser erster Gig war damals übrigens mit Alter Bridge.

Wie entstehen Eure Songs und welche Rolle spielt die Orgel bei Euch? Es ist ja immer noch ein selten gespieltes Instrument.

Jeremy: Brandon übernimmt eigentlich die Rolle der Rhythmusgitarre. Ich spiele viele Leads und Single-Note-Zeug, was alleine manchmal etwas kraftlos rüberkommt. Jon’s Bass füllt das meist nur untenrum aus, die Orgel übernimmt den ganzen Rest und verleiht der Musik die nötige Power.

Brandon: Der Vorteil eines Keyboards ist außerdem, dass der Ton lange gehalten werden kann, während er bei einer Gitarre irgendwann einfach abstirbt. Ausserdem bietet das Instrument eine Fülle an verschiedenen Sounds, die man auch nochmal miteinander kombinieren kann. Wenn man alles richtig macht, klingt eine einzelne Note auf einmal wie ein ganzer Akkord! Auf diese Weise kann ich Jeremy perfekt in Szene setzen, denn wenn wir ehrlich sind: Jeder will doch den Leadgitarristen sehen!

Habt Ihr immer noch Euer allererstes Instrument?

Jeremy: Ich habe meine erste Gitarre leider nicht mehr. Es war eine modifizierte Fender, die meiner Meinung nach für Mädchen designt war. Sie war etwas kleiner als eine normale Gitarre, was mir als Kind natürlich entgegen kam. Ich habe sie dann später auch an ein Mädchen verkauft. Meine erste richtige Gitarre, mit der ich die ersten Songs geschrieben habe, hat derzeit ein Freund von mir. Ich hoffe, dass ich sie irgendwann zurück bekomme!

Brandon: Bei  ir stand das Gitarre spielen von anfang an unter einem schlechten Stern. Das erste Instrument, dass ich besaß, hatte einen gebrochenen Trussrod und ich versuchte, Basssaiten aufzuziehen… Keine gute Idee! Das Stück Holz habe ich immer noch. Mein erstes Keyboard habe ich damals entweder verkauft oder gegen ein anderes eingetauscht. Also ein „ja“ und ein „nein“ als Antwort auf diese Frage!

Hattet Ihr verrückte Jobs, um Geld für eine Band auzutreiben?

Jeremy: Ich habe so ziemlich alles gemacht, was man machen kann! Sei es mit Anzug im büro zu sitzen oder Babies zu sitten… Der verrückteste Job war wahrscheinlich in einem Sandwichladen. Ich habe den Leuten die Sandwiches belegt, was ehrlich gesagt nicht mal so schlecht bezahlt wurde. Ausserdem hatte ich keinen Stress.

Brandon: Meinem Vater gehört eine Stahlfabrik, in der ich seit der Schulzeit arbeite. Das parkatische daran ist, dass ich mir entsprechend frei nehmen kann, wenn wir mal auf eine längere Tour gehen. Nebenher habe ich auch als Roadie gearbeitet, u.a. für die Blue Man Group.

Jeremy: Dieser Nebenjob kam uns sehr gelegen, als Brandon mal Crew-Mitglied bei Alexisonfire war! Dadurch konnte er einige Connections aufbauen, durch die wir wiederum für größere Gruppen wie z. B. Billy Talent eröffnen konnten.

Ihr seid mittlerweile auf den Soundtracks zweier Videospiele vertreten, nämlich bei ROCKSMITH und NHL 13 (das vorrangig in Kanada bekannt sein dürfte). Wie ist es dazu gekommen?

Jeremy: Das hat unsere Plattenfirma eingefädelt. Ich finde, es ist eine gute Sache, um ein bisschen Promotion abseits der üblichen Kanäle zu betreiben.

Eure Landsmänner PRIESTESS haben es damals auf Guitar Hero geschafft…

Jeremy: Genau, das hat ihnen dann zum Durchbruch verholfen. Es ist schön, dass Spieleentwickler langsam auf den Trichter kommen, bei Underground-Künstlern zum kleinen Preis Musik zu bekommen. Dadurch haben beide Seiten was davon.

Wo wir grade von Promotion reden: Eure zwei EP’s gibt es ganz legal zum Gratis-Download auf Eurer Webseite. Was haltet Ihr allgemein von Downloads und Streamingdiensten?

Jeremy: Wenn man noch unbekannt ist, muss man einfach alle Kanäle nutzen, um seine Musik unter die Leute zu bringen. Downloads sind dafür wie geschaffen, vor allem, wenn sie kostenlos sind. Das beste daran ist, dass man nachvollziehen kann, von wo gedownloaded wird. Wenn sich also Downloads in bestimmten Regionen verbreitet haben, müssen die Leute hren Freunden geraten haben, unser Zeug zu ziehen. Das ist natürlich ziemlich cool! Das mit den EP’s haben wir ganz bewusst bei unserem Label durchgedrückt. Sie wollten das zunächst nicht, aber ich finde, man kehrt den Fans damit in gewisser Weise den Rücken. Ausserdem kann man das illegale Runterladen sowieso nicht aufhalten.

Brandon: Nicht die Bands verlieren durch illegale Downloads, sondern die Labels. Sie haben einfach keinen Plan und reagieren zu langsam auf die Veänderung. Das Geld wird heutzutage mit Shows verdient. Was immer wir tun können, um die Leute zu unseren Shows zu bringen, werden wir auch tun. Downloads spielen dabei eine ganz große Rolle.

Jeremy: Ausserdem fällt uns auf, dass manche Fans zu uns kommen und explizit nach den CD’s fragen, die man sich runterladen kann. Sie wollen dann einfach die richtige CD von uns kaufen. Das ist eine tolle Sache und beweist, dass es immer noch eine Nachfrage nach physikalischen Tonträgern gibt. Viele Menschen werden durch die Downloads auch erst auf uns aufmerksam und kaufen auf einer Show vielleicht ein T-Shirt, was uns eigentlich noch mehr freut. Eventuell werden wir unser nächstes Album auch komplett umsonst zum Download anbieten und gleichzeitig einen Hochwertigen Tonträger zur Verfügung stellen, den sich die Sammler dann kaufen können. Meiner Meinung nach kaufen die Leute durchaus noch Tonträger, allerdings müssen sie sowohl musikalisch wie auch von der Verpackung her ansprechend sein.

Seid Ihr Eishockey- oder Lacrossefans?

Jeremy: Eher Eishockey, Lacrosse interessiert mich nicht so sehr, obwohl ich es mal in meiner Jugend gespielt habe. Daheim in Kanade verfolge ich die NHL (eine Hockey-Liga, in der sowohl kanadische wie auch US-Teams spielen – Anm. d. Verf.), mein Lieblingsteam, die Montréal Canadiens, sind derzeit das einzige kanadische Team in den Play Offs. Es ärgert mich, dass ich auf so wenig davon mitkriege…

Brandon: Ich habe beide Sportarten zu Schulzeiten intensiv gespielt, aber mittlerweile interessiert es mich nicht mehr so sehr. Dazu kommt noch, dass ich keinen Fernseher daheim habe. Seit wir in Europa unterwegs sind, macht mir Fußball immer mehr Spaß. Ab und an gehe ich in Kanada aber noch zu Eishockeyspielen.

Jeremy: Eishockey live ist nochmal etwas ganz anderes, als es im Fernsehen zu gucken! In der Glotze denkt man nur: „Warum trifft der den Puck nicht so?“ oder „Das wäre doch ein einfaches Tor gewesen!“, aber wenn man es dann direkt mitkriegt, merkt man sofort, wie schnell und brutal dieser Sport eigentlich ist! Allerdings wird die Brutalität auf dem Bildschirm auch häufig überzeichnet.

Kennt ihr den Film Goon?

Jeremy: Ja, ich habe ihn gesehen und finde ihn auch lustig, aber er steht im selben Verhältnis zu Eishockey wie Days Of Thunder zu Nascar. Wenn du drei Stunden bei einem Nascar-Rennen zuschaust, schläfst du ein! Bei einem Eishockeyspiel kommt es maximal jedes zweite Spiel zu einer kleinen Schlägerei, aber das sind natürlich die Szenen, die in den Medien den größten Anklang finden.

Vielen Dank für Eure Zeit! Wir sehen uns zur Show!

Zur Belohnung durften die beiden großen Jungs noch mit Modulok spielen (anklicken für größere Version):

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Im Interview: Jeremy und Brandon von Monster Truck was last modified: April 29th, 2014 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.