Obwohl die vier Sunnyboys aus Wilmington, North Carolina, schon eine gefühlte Ewigkeit am Start sind (das erste Album erschien bereits 2002), kam der Ball erst mit dem 2007er Meisterwerk Win Us Over so richtig ins Rollen. Artwork aus der Edelschmiede Malleus und der aufkommende Hype um Bands wie Baroness, Mastodon & Co. taten ihr übriges. Die Band jedoch auf blose Trittbrettfahrerei zu reduzieren, wäre äußerst fatal! Mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Stoner Rock, Punk und leichter Pop-Affinität hat sich das Quartett um Mastermind Jason Shi eine eigene kleine Nische im großen Stoner/Sludge-Zirkus geschaffen.
Im Zuge des aktuellen Albums Blood Drive kam die Truppe knapp ein Jahr nach Veröffentlichung endlich über den großen Teich nach Europa und machte gemeinsam mit den Anciients im kölner MTC Station. Selbstverständlich konnte ich es mir nicht entgehen lassen, Jason im Tourbus auszuquetschen…

 

asg_03Hi Jason, vielen Leuten ist ASG wahrscheinlich kein Begriff, beschreibe daher doch mal Euren Sound in Deinen eigenen Worten!

Jason: Von Anfang an war die Prämisse, eine rifforientierte Band zu gründen. Wir mögen eigentlich alles von Punk über Stoner, Doom und klassischen Rock. Fette Riffs sind die Basis, darüber kommt eine schöne Melodie. Aber wir wollen nicht voll auf die 12 gehen, wie es z.B. Mastodon tun. 12 Minuten-Songs, in denen es drunter und drüber geht, sind nicht so unser Ding…

Euer letztes Album, Win Us Over, bestand in meinen Ohren eher aus einer Ansammlung von losen Songs, die am Ende ein gutes Album ausmachten. Blood Drive hingegen klingt für mich eher wie ein Album aus einem Guss. Siehst Du das auch so?

Jason: Ich denke, dass der Flow, den Du ansprichst, daher resultiert, dass wir in den letzten Jahren als Band gereift sind. Vielleicht spielte auch der Zufall eine Rolle. Manchmal kommt einem eine Songidee und man denkt: „Wow, das passt wunderbar zu diesem oder jenem Track.“, wenn man es sich daheim in Ruhe anhört. Über diese Zusammenhänge hab ich bewusst mehr nachgedacht als es bei Win Us Over der Fall war.

Ich brauchte einige Durchgänge, bis das Album gezündet hat. Ich dachte zunächst nur: Verdammt, ASG können mich doch nicht so hängen lassen!

Jason: Ich kann nachvollziehen, das man als Hörer etwas länger braucht, um in das Album einzutauchen. Das bedeutet hoffentlich auch, dass wir etwas mit Tiefgang geschaffen haben, denn war schließlich unsere Zielsetzung. Aber Du bist nicht der einzige, der etwas verunsichert war! Die Reaktionen der meisten Fans fielen ähnlich aus. Ich muss gestehen, dass ich als Musikfan selbst auch manchmal irritiert bin, wenn eine meiner Lieblingsbands eine „Kurskorrektur“ vornimmt… Aber als Künstler will man sich nun mal stetig weiterentwickeln!

DIY (Do It Yourself) hat für ASG einen hohen Stellenwert…

Jason: (lacht lauthals los) Wir hatten nie eine andere Wahl! Wir hatten und haben Unterstützung von guten Labels, aber mit Musik, wie wir sie spielen, bleibt man nunmal immer auf dem Boden der Tatsachen. Allerdings ist es grade durch Kanäle wie Social Media sehr viel einfacher geworden, sich selbst zu vermarkten. Man kann über Facebook eine komplette tour buchen! Das wäre früher unvorstellbar gewesen…

Vor kurzem habt Ihr einen Song im Zuge der Scion AV-Sessions raus gebracht (ein Portal der Automarke Scion, das auf junges Publikum abzielt). Kannst Du mir dazu mehr erzählen?

Jason: Scion luden uns zunächst zu einem Showcase nach Memphis ein, danach noch ein zweites mal nach Kalifornien.Sie haben im Vorfeld bereits mit Künstlern wie den Melvins gearbeitet, was uns schon ein wenig beeindruckte. Wir erhielten das Budget für die Aufnahme eines Songs und sie fragten uns, ob wir damit einverstanden wären, den Track umsonst zum Download anzubieten. Natürlich willigten wir ein. Comet Drop war schnell geschrieben und wir nahmen den Track am Tag des Showcases auf. Die Vocals habe ich sogar noch nach dem Gig eingesungen!

Es ist zum Running Gag geworden, dass ihr jedes mal mit einer neuen Bedeutung für die Abkürzung ASG um die ecke kommt. Was war das verrückteste, dass ihr dazu jemals gehört habt?

Jason: Hm… Ich glaube, das geht an Anal Sex Gods (lacht erneut lauthals los)! Dann gibt es da noch After Some Gag. „Gag“ ist eine amerikanische Slangbezeichnung für Kokain. Ursprünglich stand es mal für All Systems Go, aber es gab leider eine andere Band, die das Namensrecht drauf hielt. Seitdem blieb es bei den drei Buchstaben! Zurzeit stehen die übrigens für Anarchist School for Girls.

Sind Filme eine Inspirationsquelle für Dich?

Jason: In gewisser Weise schon, auch wenn ich nicht die Zeit dafür habe, die ich gerne aufbringen würde. Da wären zunächst die Coen-Brüder zu nennen, aber auch Wes Anderson und Stanley Kubrick. Neben Musik andere Bands sind filme eigentlich die Hauptinspirationsquelle, wenn ich so darüber nachdenke!
Derzeit lerne ich übrigens, wie man Videos bearbeitet, um wieder auf den DIY-Gedanken zurück zu kommen.

Um noch kurz bei Filmen zu bleiben: Wenn Du ein Superheld sein könntest, welche Kräfte hättest Du?

Jason: (überlegt ein wenig) Hm… Da ich hauptberuflich als Fischer arbeite, würde ich gerne Fischgründe lokalisieren können, so bizarr das auch klingen mag. Oder ich würde amphibische Kräfte haben, um mich ohne Taucherausrüstung im Wasser fortbewegen zu können.

Siehst du das Touren als eine Art Freizeit?

Jason: Touren ist für mich ebenfalls Arbeit, außerdem muss man sich vorher schon den Arsch wund ackern, um eine Tour überhaupt finanzieren zu können. Es macht zwar Spaß, aber meistens ist es doch sehr stressig und man vermisst die angenehmen Seiten des normalen Lebens. Banale Dinge wie ein gutes Scheißhaus werden plötzlich zu reinem Luxus!

Vielen Dank für das Gespräch! Bevor Du nun an unserem arrcade.de-Modulok-Wettbewerb teilnehmen darfst, gehören die letzten Worte Dir!

Jason: Es ist schön, hier in Cologne zu sein! Wie spricht man das auf Deutsch aus?

„Köln“. Hast du bereits Gelegenheit gehabt, Kölsch zu probieren?

Jason: Nein, bisher noch nicht. Wie schmeckt es?

Naja… Du hast nichts verpasst!

Jason: Vergleichbar mit PBR (Pabst Blue Ribbon, einer amerikansichen Billigmarke)?

So in etwa!

Mit diesen Schlussworten macht sich Jason eifrig daran, sein kleines Monster zu kreieren:

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Im Interview: Jason Shi von ASG was last modified: Mai 27th, 2014 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.