Graveyard aus Schweden katapultierten sich schon 2011 mit ihrem zweiten Album Hisingen Blues an die Spitze der nicht enden wollenden Vintage/Retro-Szene. Pünktlich zur neuen Scheibe Innocence & Decadence ist Bassist Truls Mörck wieder mit an Bord, der schon auf der ersten Platte mitwirkte. Ursprünglich sollte lediglich Schlagzeuger Axel Sjöberg vors Mikro gezerrt werden, doch Truls ließ es sich nicht nehmen, ebenfalls auf dem Backstagesofa der Essigfabrik in Köln Platz zu nehmen.

graveyard_6Truls, schön, dass Du auch dabei bist! Eigentlich wäre die erste Frage an Axel gewesen, was sich neben Deinem Wiedereinstieg für die Band verändert hat…

Axel: Hm… Wir haben eine neue Platte… Und wir haben uns als Musiker weiterentwickelt. Hofentlich merken Leute, die uns zum zweiten, dritten oder sogar vierten Mal sehen, dass sich viel an unserer Live-Show getan hat. Das würde ich als die größten Veränderungen betrachten.

Was hat sich speziell für Dich verändert, Truls?

Truls: Im Vergleich zu meiner vorherigen Band hat sich so ziemlich alles verändert, ausser vielleicht der Art, wie die Band zusammen Songs komponiert. Die Orte, an denen wir auftreten, wie eine Tour organisiert ist, dass man jetzt Bühnentechniker und Merchverkäufer hat… All das hat sich schon drastisch verändert, vieles davon haben wir damals selbst gemacht.

Hast Du Dich gleich wieder wie zu Hause gefühlt?

Truls: Ja, es hat sich wie das normalste auf der Welt angefühlt!

Axel: Wir haben ihn zurück gelockt! Er half uns bei den Demos zum neuen Album aus und ehe wir uns versahen, war Truls unser neuer Bassist.

Auf dem neuen Album kann man Sachen wie Blastbeats und Synthies hören, was für Euren bisherigen Sound sehr ungewöhnlich ist. Gab es noch verrücktere Dinge, die ihr gerne ausprobiert hättet?

Axel: Das ist alles, was wir in der Aufnahemzeit machen konnten… Aber wartet doch mal bis zum nächsten Album!
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Wie seid ihr auf den Titel Innocence & Decadence gekommen?

Axel: Ehrlich gesagt weiß ich das nicht mehr so genau! Die Worte stammen allerdings aus dem Song The Apple And The Tree. Das schöne ist, daß der Titel offen für Interpretation ist, jeder kann sich seinen Teil dazu denken.

Truls: Mit dem Titel verbinde ich z.B. meine eigene Vergangenheit, was ich alles schon erlebt und erreicht habe. Wenn ich dazu das Cover betrachte, fühlt es sich an, als ob man seinen eigenen Weg durch ein Labyrinth findet. Manchmal kommt man an, manchmal verirrt man sich aber auch.

Sozusagen: As the years pass by, the hours bend?

Axel: Ganz genau! So könnte man es sehen…

Gibt es einen Song, der Eurer Meinung nach den typischen Graveyard-Sound hat?

Axel: Wenn man sich die Reviews durchliest, scheint der Opener, Magnetic Shunk, unseren Sound zu definieren. Dieser Meinung würde ich mich anschließen. Es ist ein schneller Shuffle, der aber auch die charakteristischen Tempowechsel hat. Wir versuchen oft, etwas mit einem „Twist“ zu machen.

Truls: Exit 97 gehört für mich genauso dazu, denn hier kommt unsere ruhigere Seite zur Geltung.

Axel: Man müsste also zwei Songs auswählen, um auf den perfekten Graveyard-Sound zu kommen! Grade die langsameren Sachen setzen uns von vielen Bands ab, deren Songs meistens nach vorn gehende Rocker sind.

Was macht denn mehr Spaß? Langsam oder schnell?

Axel: Die Abwechslung ist der Schlüssel. Ich sage immer: Wenn du jede Woche Geburtstagstorte essen würdest, würde es dir sehr schnell zum Hals raus hängen.

Truls: Vor allem live macht der drastische Wechsel im Energielevel am meisten Spaß.

graveyard_1Habt ihr auf dieser Tour eine statische Set-Liste? Mittlerwile könnt ihr ja auf Material von vier Alben zurückgreifen.

Axel: Da wir uns noch am Anfang der Tour befinden, werden wir zunächst nichts ändern. Wir müssen erstmal rein kommen. Ausserdem haben wir eine Lichtshow, die auf die Songs abgestimmt ist. Ich denke, wenn wir eine gewisse Routine haben, werden wir auch mal das eine oder andere austauschen.

Was für Jobs hattet ihr schon in eurem Leben?

Axel: Jede Menge, die es uns erlaubten, nebeher Zeit für die Band aufzubringen! Ich habe zunächst studiert, dann war ich mal Maurer und ich arbeite mit autistischen Kindern.

Das ist interessant. Pontus von Horisont macht etwas ähnliches. Machst Du eine Art Musiktherapie mit den Kindern?

Axel: Nein, ich helfe ihnen lediglich bei schulischen Angelegenheiten und betreue sie in Sommercamps.

Könnt ihr denn mittlerweile von der Band leben?

Axel: Ja, als wir Hisingen Blues rausbrachten, entschieden wir uns dafür, Graveyard in Vollzeit zu betreiben. Anfangs war es natürlich ziemlich schwierig, aber über die Jahre hat es sich ausgezahlt, auch wenn wir natürlich keine großen Rockstars sind. Aber wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir sind!

Wir kommen langsam zum Ende, daher noch eine eher lustige Frage: Wenn es einen Film gäbe, in dem ihr die Hauptrollen übernhemen müsstet, was für eine Art Film wäre das?

Truls: Eine romantische Komödie mit Hugh Grant und Sandra Bullock!

Axel: Das wäre es noch! Aber im Ernst: Wahrscheinlich würden wir eher den Soundtrack zu einem Film machen, als darin mitzuspielen. Lusitgerweise gab es in Schweden eine TV-Serie mit einigen wenigen Episoden in Filmlänge. Truls hat da mitgespielt, ich war für zwei Sekunden zu sehen und sogar Rikkard hat mitgemacht. Aber ich glaube, sie haben ihn rausgeschnitten! Übrigens wusste keiner von den anderen. Sie wollten uns für irgendwelche Extra-Sezenen haben. Die Handlung der Serie begann in den 60ern und endete in den 80ern.

Und Ihr wurdet aufgrund Eures Looks bestimmt für die 60er gecastet?

Truls: So in etwa! Ich war der Hauptcharakter in einer Folge, es muss aber Anfang der 70er gewesen sein. Ich war auf der Suche einem Job als Tagelöhner in den Docks, Ladung löschen und dergleichen…

Wie heißt denn die Serie?

Truls: Upp till kamp. Das sind die ersten drei Worte der schwedischen Übersetzung des Arbeiterliedes (Internationale). (Die beiden fangen an, die Melodie zu gröhlen)

graveyard_2Habt ihr zum Abschluss noch einen Ratschlag für eine unschuldige Band, die kurz vor der Dekadenz des Musik-Business steht?

Axel: Hm… Ich weiß nicht, ob wir die richtigen Leute sind, um Ratschläge zu geben, aber ich weiß, daß wir da hinkamen, wo wir jetzt sind, weil wir uns immer auf die Band konzentriert haben und alles andere nebensächlich war. Wir haben zu allem Ja gesagt, wenn es um Touren und solche Dinge ging. Wenn man es zu etwas bringen will, muss man seinen Instinkten folgen und wissen, was man will und warum man es will. Wenn jemand mit einem vermeintlich großartigen Angebot um die Ecke kommt, sollte man sich nicht täuschen lassen, blos weil man sich geehrt fühlt.

Vielen Dank für das Interview! Traditionell endet jedes Gespräch bei arrcade.de damit, daß ein Modulok gebaut werden muss. Viel Spaß damit!

Truls: Wow! Ich erinnere mich an eine Folge, bei der eine Kreatur aus dem Sumpf kam, die hatte eine Art Amulett auf dem Rücken. Orko kam angeflogen und schnappte sich das Ding! Es machte ihn unsichtbar oder so… Und als Skeletor…

Mitten im Satz platzt Nicke Andersson (Imperial State Electric/Hellacopters) rein und murmelt etwas auf Schwedisch, sichtlich erheitert über den dargebotenen Anblick… Axel und Truls murmeln zurück, bevor Nicke sich auf eine Zigarettenlänge zurückzieht, um seinerseits wenige Minuten später auf der Couch Platz zu nehmen.

Das Interview führten Mumpi und Yorck, Header-Foto von Nuclear Blast.

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Im Interview: Axel Sjöberg und Truls Mörck von Graveyard was last modified: November 14th, 2015 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.