Was würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen? „How to Survive“ lässt euch eure Top-3-Items überdenken.

„Meine PlayStation, meine Freundin und einen lebenslangen Vorrat an Red Bull“ – So oder so ähnlich könnte eine Liste des Durchschnittsgamers aussehen, welche drei Dinge er denn auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Allerdings könnte 505 Games mit ihrem neuesten Tital How to Survive diese Aufzählung schnell in praktischere Dinge umschwenken lassen. Zum Beispiel „Machete, Heilpflanzen und Druckluftpistole“. Denn die einsame Insel, auf die der Spieler strandet, ist nicht so einsam, wie man vielleicht annehmen mag.

BRAAAIIINS!

008X360Welch Überraschung: Die Zombies sind los. Und wie es sich für einen anständigen Zombie-Background gehört, wird nicht erklärt, woher die Untoten stammen. Das ist, kein Scheiß, die oberste Regel des Genres. Was erklärt wird ist, wie man die Biester tötet, denn dafür darf quasi alles benutzt werden, was der Spieler auf der Insel vorfindet. Holzstöcke, Macheten, und Waffen, die man sich durch cleveres Kombinieren einzelner Bestandteile selber zusammenbauen kann.

Klingt bekannt? Ist es auch, denn grob betrachtet kann man den Downloadtitel als überaus spielenswerte Mischung aus Diablo und Dead Island betrachten. Hack and Slay trifft auf Survival trifft auf Zombies trifft auf Inventarmanagement. Ein Hybridspiel, das selbst Casual-Gamern Spaß machen kann, denn die Eingängigkeit ist, trotz des fordernden Schwierigkeitsgrades, ist beachtlich. Selbst als Neuling findet man sich sehr schnell zurecht, auch wenn die Menüführung und Tastenbelegung (auf der Xbox 360) gewöhnungsbedürftig sind. Aber auch bei Left 4 Dead wurde sich kräftig bedient, so erkennt man beispielsweise die Anleihen an Boomer und Tanks, was aber – positiv gesehen – zum Verständnis der Gegnermechanik beisteuert.

Essen, Trinken, Gitarensolo!

013X360Wer Die Sims gespielt hat kennt das: Die possierlichen Digital-Menschen brauchen ständig etwas. Ob das nun Unterhaltung, Liebe oder Essen ist. Ähnliche Probleme hat der Charakter, den der Spieler in How to Survive steuert. Erschöpfung, Durst, Hunger… diese Bedürfnisse müssen gestillt werden. Zwar droht nicht der unmittelbare Tod wenn dies einmal nicht akut geschieht, jedoch leiden die Stats immens unter den Mangelerscheinungen. So schlägt der Char nicht mehr so stark zu, läuft erheblich langsamer oder trifft sein Ziel aus der Entfernung nicht mehr. Dass das angesichts der Untotenapokalypse eher nicht empfehlenswert ist, muss ich niemandem erzählen.

FireX360Das Aufgabensystem ist klassisch: Questgeber stehen auf den jeweiligen Mini-Inseln verteilt und verlangen dem Spieler bestimmte Dinge ab. Besorge dies, Hole mir jenes. Auch wenn das Standardkost sein mag, macht es dennoch Spaß. Denn die Entwickler  haben nachgedacht und spawnen bestimmte Gegner je nach Spielfortschritt. So kann man zu Beginn des Spiels an Stelle X unbeschadet vorbeilaufen, während man kurz vor dem Verlassen des Abschnitts, mit stärkeren Waffen und Skills ausgestattet, einiges für sein Überleben tun muss. Dass das unlogisch ist, ist egal – Es macht Spaß und bietet die Überraschungen, die man bei anderen Titeln, die Abschnitte durch unnötige Laufwege wiederverwerten, vermisst. Der Moment, in dem man unerwarteter weise das Grunzen eines „Tanks“ hört: Unbezahlbar.

Grafik und Multiplayer

009X360Grafisch ist How to Survive „echt okay“. Keine Bombe aber auch kein hässliches Entlein, dass man nur nach Verwendung des patentierten arrcade-Augenlöffels spielen kann. Von Zeit zu Zeit ruckelt es etwas, besonders im Mehrspielermodus können Frameratedrops und Verbindungsprobleme das Spielerlebnis trüben. Nicht nur deswegen sollte das Spiel mit einem (!) Freund nicht als Kaufgrund für eine zweite Version genommen werden. Der Multiplayer-Modus bietet (bisher) keine Option, die Story (oder eine angepasste Geschichte) zu spielen, sondern lässt das Metzelteam lediglich aus einer Reihe von nicht näher erklärten Herausforderungen wählen. Was genau zu tun ist, weiß man nicht. Auch eine Unterscheidung der einzelnen Challenges fällig durch die puristische Zahlenbenennung schwer. Weiterer Kritikpunkt: Wenn man im Challenge-Mode stirbt, dann ist auch die Challenge gestorben. Kein Zwischenspeichern, keine Checkpoints, nichts. Das ist besonders frustrierend, wenn man sich 30-45 Minuten durch Horden von Untoten und merkwürdige Zombie-Elche und Straußen gekämpft hat und der Endboss aufgrund von Ressourcenmangel den großen Rundumschlag macht.

Fazit

Für den Preis von knapp 15 Euro zu Release kann man aber keine Fresse haben. How to Survive ist Lichtjahre davon entfernt, ein Vollpreistitel zu sein, zudem fehlen die Innovationen. Vor fünf Jahren wäre der Titel eingeschlagen wie eine Bombe, im Jahre 2013 aber wirkt er vielmehr wie eine halbherzige Kombination aus verschiedenen anderen Spielen. Definitiv nicht das Spiel des Jahres, dennoch eine willkommene Abwechslung zum ewig gleichen Einheitsbrei der Triple-A-Schmieden. Im Mehrspielermodus noch nicht zu empfehlen, Ende November soll ein kostenloser Story-Modus zum Spielen zu zweit nachgereicht werden. Für Freunde von Twin-Stick-Games, Zombies und Hack-and-Slay empfehlenswert, alles anderen spielen Probe.

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How to Survive was last modified: Oktober 29th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.