Ich wurde vor Kurzen daran erinnert, welchen Aufwand Deep Silver im Rahmen der letzten gamescom im Jahre 2015 fuhr, um ihr jüngstes Ballerschätzchen Homefront: The Revolution bekannt zu machen. Ein riesiges Industriegebäude in originalgetreuer Nachbildung, inklusive Soldaten und allem Schischi. Klar, dass bei einem solchen Aufwand Hoffnungen geschürt werden. Wobei ich aber sagen muss, dass ich mit meinen 34 Jahren mittlerweile immer weniger auf Hype-Trains hereinfalle, sondern immer eher pessimistisch auf große Ankündigungen blicke. Mit Ausnahme von Homefront: The Revolution.

Sämtliche Previews, Trailer, Was-auch-immers … Nichts deutete darauf hin, dass ich schon sehr bald nach Spielstart frustriert den Controller meiner PlayStation 4 in die Ecke feuern sollte. Nicht falsch verstehen: Das Nesthäkchen von Dambuster Games macht vieles richtig: Eine tolle Atmosphäre und eine optimale Prämisse für ein Spiel mauern ein ordentliches Fundament, das mich eigentlich hätte begeistern müssen. Eine Introsequenz, die stark an eine Mischung aus Deus Ex und Command & Conquer erinnert lässt nostalgische Gefühle in mir aufsteigen. Leicht trashig angehauchte Greenscreen-Aufnahmen gepaart mit billigen Computereffekten: Toll!

Stumme Lokalisationsfehler

Was allerdings danach aus meiner PS4 purzelt lässt mich eine Augenbraue nach oben ziehen. Ich blicke durch die Augen der stummen Hauptfigur, Ethan Brady. Er sitzt an einem Tisch, im gegenüber eine junge Dame, die offensichtlich Molotow-Cocktails bastelt. Sie fragt mich nach dem Gefäß, auf dem das englische Wort „Gas“ (also „Benzin“) steht, mit den Worten „Gibst du mir mal das Gas?“. Der quasi erste gesprochene Satz ist also schon ein Lokalisationsfehler. Ich ahne Böses. Gut, dafür kann das Spiel nichts, vielmehr hat die Lokalisationsagentur hier Mist gebaut (der sich übrigens konsequent durch das Spiel zieht). Dabei hilft es nicht, dass der Protagonist im ganzen Spiel nicht ein einziges Wort sagt. Das kann man vielleicht in Spielen so machen, die eine unendliche Anzahl von Dialogen haben, damit man sich Arbeit spart (bspw. Skyrim), hier ist das allerdings reichtlich sinnlos und bringt die Hauptfigur ein ums andere Mal in mehr Schwierigkeiten, als er gehabt hätte, könnte er auf Fragen antworten. Einfach nur doof.

So laufe und springe ich durch die eigentlich relativ hübsche Nachtwelt der Alternativversion eines belagerten Philadelphias im Jahre 2029. Nordkorea hat nämlich durch einen gewitzten Coup die Herrschaft über die USA erhalten und tobt sich jetzt in gewohnter Manier dort aus. Militante amerikanische Guerilla-Kämpfer setzen alles daran, die ausländischen Besatzer loszuwerden – Deswegen auch die Frage nach dem „Gas“ für die Brandbomben. So hübsch das auch trotz der etwas angestaubten Grafik aussieht: Die PS4 schafft es nicht, ein flüssiges Bild auf den Monitor zu zaubern. Gefühlte 15 Frames pro Sekunde verursachen sehr schnell ein Gefühl des Unwohlseins, keine Ahnung, was hier los ist. Da wird das Zielen durch das ohnehin schon hakelige Gunplay zur absoluten Glückssache, was mich sehr schnell den Spaß am Herumwandern durch zerschossene Ruinen verlieren lässt.

Doofe Missionen, coole Waffen

Die Story, trotz ihrer durchdachten Grundlage, verkommt schnell zum Einheitsbrei. Daran ändern auch die sich ständig wiederholenden Missionen (hier stand wohl das ewig gleiche Missionsdesign von Ubisoft Modell) leider auch nichts. Das Übernehmen von Stützpunkten der riesigen offenen Welt ist genauso langweilig, wie es notwendig ist, um unbeschadet durch die Stadt zu kommen.

Ein wirklich sehr cooles Feature, das sämtlichen Couchgästen in heimischen Gefilden „Ahh!“ und „Ohh“-Rufe entlocken konnte, ist die Waffenmodifikation, die sehr das das erinnert, was Crysis im Jahr 2007 bereits brachte: Waffenmodifikation. Ein Druck auf die entsprechende Taste, und mein Charakter hält seine Waffe in die Kamera, so dass wir verschiedenste Aspekte bearbeiten können. Zielvorrichtung, Unterlauf, Mündung… Alles modifizierbar. Allerdings kann der Spieler in Homefront: The Revolution die gesamte Waffe auf Grundlage ihrer Waffenart (Pistole, SMG, Maschinengewehr…) komplett umbauen und so ein normales Sturmgewehr zu einem Granatwerfer oder einem Kettengewehr umbauen, innhalb von wenigen Sekunden und auch während des Kampfes. Somit ist das Arsenal, das man mit sich tragen kann, praktisch unbegrenzt.

Lieber mal abwarten!

Das alles tröstet leider immer noch nicht über die miserable Performance auf der PS4 hinweg. Die hübsche Landschaft inklusive ihrer dynamischen Tag- und Nachtwechsel, die die Atmosphäre des Spiels um 180° drehen können, ruckelt nur so über den Monitor. Könnte man das noch wegpatchen, würde ich Homefront: The Revolution noch eine Chance geben, aber auf Kopfschmerzen habe ich wirklich keine Lust.

Fans von Open-World-Ballerei sollte also vor dem Kauf die Patch-Notes und alle Social-Media-Kanäle im Auge behalten. Sobald das Spiel auf 30 Frames läuft, kann man (wenn auch vielleicht nicht zum Vollpreis) zugreifen. PC-Spieler haben es da besser, hier scheint, laut Presseberichten, die Performance zu stimmen.

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Homefront: The Revolution was last modified: Mai 23rd, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.