Normalerweise halte ich mich von diesen ganzen Serien, die irgendwie miteinander verbunden scheinen, fern. Ob das jetzt die aktuelle Civil War II-Sache von Marvel oder diese Rebirth-Geschichte von DC Comics ist – ich mag es nicht, immer jede Serie lesen zu müssen, um zu verstehen, worum es überhaupt geht. Das ist so ähnlich wie bei diesen CW-Serien (The Flash, Supergirl, Legends, Arrow), die hin und wieder Crossover-Episoden hervorbringen, die man nicht versteht, weil man nur ein Viertel der Story gesehen hat, denn – mal unter uns – alles bis auf The Flash kann man sich doch wirklich nicht anschauen.

Mein erster Versuch, in eine vielversprechende Rebirth-Reihe hineinzuschnuppern allerdings erwies sich absoluter Glücksgriff. Denn auch Harley Quinn hat im Zuge der Neugestaltung von DC einen Neustart spendiert bekommen, der im ersten Band schon ordentlich Gas gibt. Die ehemalige Geliebte des wahnsinnigen Jokers darf hier nach Lust und Laune aufdrehen und als durchgeknallte Antiheldin glänzen. Nach einer Einführung in den Charakter, die etwas zu gewollt wirkt, bekommt der Leser aber relativ früh die Prämisse um die Story in diesem Sammelband präsentiert. Die ersten drei Hefte (Oktober bis November 2016 im amerikanischen Original) in dieser Kollektion handeln von einer scheinbaren Zombie-Apokalypse, aus Versehen ausgelöst durch einen außerirdischen Besucher. Harley Quinn, Red Tool, Big Tony und dem Rest der Harley-Gang wird hier im Vergnügungspark Coney Island ordentlich eingeheizt. Dabei wird gemetzelt und gehäckselt bis  der Arzt kommt. Zwischen blutigen Splatter-Panels und griffigen One-Linern wird man in Harley Quinn Rebirth Band 1 fast schon an Deadpool erinnert. Harley und ihre Gang schlachten sich förmlich durch die Zombie-Horden und tragen Verluste mit außerordentlich bemerkenswerter Lässigkeit. Das Autorenehepaar Amanda Conner (die nicht nur für Power Girl und Before Watchmen schrieb, sondern vor allem eine begnadete Zeichnerin ist) und Jimmy Palmiotti (ebenfalls Multitalent – Batman, Deadpool, Doctor Strange…) brillieren hier vor allem in puncto Gags und gutem Timing. Die perfekte Mischung absoluter Profis wird durch die Zeichnungen von Chad Hardin (Forever Evil, Justice League of America, Warlord) und die Farben von Alex Sinclair (Batman, Before Watchmen, Green Lantern, Wonder Woman) auf eine Art ergänzt, die aus einer mittelmäßigen Idee ein absolutes Meisterwerk der Komödiantik macht. Tolle Farben, großartige Zeichnungen, witzige Dialoge und jede Menge abgedrehte Action.

Das letzte Viertel des Sammelbandes macht einiges anders. Das Heft, das ursprünglich im Februar 2016 erschien, ist ein kurzer, pointierter Sketch, der sich um die erste Begegnung von Harley Quinn und dem Flaschengeist Jimm Salabim dreht. Harley hat unendliche viele Wünsche frei, die stets wörtlich erfüllt werden. Dass dies zu Frustration und viel Durcheinander führt, ist eigentlich klar. Zeichnerisch konnte die Autorin Amanda Conner hier zusammen mit Chad Hardin selbst mitwirken. Dies merkt man auch ab dem ersten Panel, da der Zeichenstil hier ein anderer ist. Nicht schlechter oder besser, aber wesentlich passender zur knackigeren Erzählform von „Drei Wünsche frei“.

Insgesamt 100 Seiten umfasst der Sammelband „Harley Quinn Rebirth Band 1“, der für schmale 9,99 Euro im Handel erhältlich ist. Von mir gibt es hier eine klare Empfehlung, allerdings sollten jüngere Comicfans aufgrund des hohen Blut-Faktors einen Bogen um dieses Heft machen. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Serie fortgesetzt wird. Ich hoffe, dass die Interkonnektivität zu anderen Rebirth-Reihen hier ausbleibt.

Harley Quinn Rebirth Band 1 könnt ihr bei Panini, amazon oder – wie immer – beim Buchhändler eures Vertrauens erwerben.


Leseprobe von mycomics.de

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Harley Quinn Rebirth #1 was last modified: Juni 28th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.