Mein erster Gedanke, als ich zum ersten Mal von Gwenpool hörte war ja: „Oh, cool! Gwen Stacy als Deadpool!“, weil ich mich sehr stark an Spider-Gwen erinnert fühlte. Dass ich damit vollkommen daneben liegen sollte, war mir erst klar, als ich die erste Aufgabe der neuen Reihe mit dem pink-rosa Cover lesen sollte.

In Gwenpool #1 geht es nicht um Gwen Stacy, sondern um Gwendolyne Poole, die durch uns unbekannte Umstände irgendwie in der Comicwelt gelandet ist. Da sie weiß, dass Comichelden nichts passiert, beschließt sie, ebenfalls zu einem solchen zu werden, auch wenn sie weder kämpfen noch schießen noch irgendetwas anderes kann. Dies wird ihr relativ schnell zum Verhängnis, als ihr erwählter Sidekick von MODOK, dem Schurken, getötet wird, damit Gwenpool nach einem versehentlichen Attentat, das ihr als kunstfertige Assassination angerechnet wird, in dessen Belegschaft aufgenommen. Damit dies allerdings klappt, muss sie sich von Doctor Strange höchstselbst eine richtige Identität in der Comicwelt anlegen lassen…

Es ist wirklich unglaublich witzig, mit welchem Twist der Schreiberling Christopher Hastings (Deadpool, Avengers vs. X-Men) das ehemalige Fake-Crossover-Cover in eine richtige Geschichte verwandeln konnte. Dabei durchbricht Gwenpool nicht nur die vierte Wand, sondern auch die Grenze zwischen Realität und Comic. Während Deadpool weiß, dass er ein Comicheld ist, wurde Gwenpool von einem echten Menschen zu einer Comicfigur und weiß um die scheinbar magischen Umstände, die in der neuen Umgebung herrschen. Dabei prasselt es One-Liner am laufenden Band; ich zum Beispiel musste mehrmals laut auflachen. Ganz großartiger Humor!

Dabei schafft das japanische Zeichnerduo GuriHiru wunderbare Zeichnungen, die nicht nur vor Action so strotzen, sondern auch farblich voll überzeugen. Viel Pink, sehr pastellig koloriert und dennoch außerordentlich ausdrucksstark. Chifuyu Sasaki und Naoko Kawano, so die Namen der beiden Künstlerinnen, haben bereits an Comics wie Avatar – Der Herr der Elemente und Merida gearbeitet. Für Marvel starteten sie unter anderem mit einer Miniserie für Thor und einer kurzen Story über die Fantastic Four. Das Titelcover von Danilo S. Beyruth wirkt etwas irreführend, auf den Inhalt bezogen. Hier scheint es tatsächlich als sei Gwenpool keine Amateurin, der ihr Selbstvertrauen genommen wird, sondern tatsächlich lediglich ein Deadpool-Derivat im rosafarbenen Anzug. Gwen ist weitaus vielschichtiger und – trotz allen Schabernacks – wesentlich einsichtiger und vernünftiger als Wade Wilson.

Auf insgesamt 116 Seiten bekommen wir im ersten Sammelband „Die einzig wahre Heldin„, der die amerikanischen Ausgaben 0 – 4 (Juli bis September 2016) sowie das Special von Februar 2016 beinhaltet, eine grandiose Story geboten, die eigentlich jeder Comicfan im Regal stehen haben sollte. Ungelogen. Tolles Ding.

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Gwenpool #1 was last modified: September 11th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.