Es ist eine ganze Weile her, seit ich die heimische Couch gegen einen unbequemen Sessel im Lichtspielhaus getauscht habe. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, vor allem aber, weil die Preise für Kinotickets mittlerweile in exorbitante Höhen geschnellt sind. Mein Besuch im örtlichen Cinestar, der dem Genuss des neuesten Blockbusters aus dem Marvel Cinematic Universe gewidmet war, kostete 14 Euro pro Karte. Für zwei Personen, die dazu auch noch Popcorn und Cola möchten, kam mich der Abend 50 Euro. Dafür kann ich mir fast ein neu erschienenes AAA-Game kaufen. Oder Lebensmittel für die gesamte Woche. Oder ein Monatsticket für die Straßenbahn. Absolut lächerlich. Aber ich bin nicht hier, um über die üblichen Nachteile eines Kinobesuchs zu sprechen. Immerhin habe ich mir Guardians of the Galaxy Vol. 2 angesehen, den Nachfolger des Überraschungshits von 2014 (hier geht’s zu meinem Review von damals™). Das Konzept, das zu seiner Zeit als revolutionär galt, hat im Jahre 2017 natürlich ein kleines Problem: Es muss erneut überraschen, um nicht in Richtung des üblichen Einheitsbreis zu diffundieren.

James Gunn hat beim Vorgänger so gut wie alles richtig gemacht. Die Comicvorlage ermöglichte ihm, mit üblichen Konventionen eines Kinofilms zu brechen und das komödiantisch-comichafte auf Zelluloid zu bannen. Verrückte Charaktere, bunte Farben, dumme Sprüche, ein toller Soundtrack. Hier wurde das Opulente mit dem Spaßigen Verbunden und somit der gewohnten Erwartungshaltung des unendlichen Pathos widersprochen. Was also muss man anders machen, um aus einem Nachfolger noch mehr Spaß rauszukitzeln? Gunn hat dieses Vorhaben offensichtlich aufgrund der öffentlichen Reaktionen perfektioniert. Er nahm alles, was das Publikum 2014 liebte und drehte dies in Guardians of the Galaxy Vol. 2 auf 150%. So bekommt Baby Groot unglaublich viel Screentime mit langen Close-Ups, es wurden noch mehr One-Liner verbaut und der neue Soundtrack mit Songs aus den Spätsiebzigern wirkt fast aufdringlich. Das Buddy-Verhältnis von Groot und Rocket wurde auf Rocket und Drax übertragen (welcher ebenfalls mehr Screentime erhält, allerdings mehr für den Comic-Relief).

Dabei war ich überrascht von der Qualität der Darstellung auf der Leinwand. Dies war mein erster Kinobesuch, bei dem das Bild nicht aussah, wie durch die Kimme gezogen. Die Farben waren kräftig, das Bild knackescharf und das 3D trug wirklich seinen Teil zur Atmosphäre bei. Ich war positiv überrascht. Ob das nun am Film oder am Kinosaal lag, kann ich nicht beurteilen. Es sah aber großartig aus. Sicher, dazu trugen die unglaublich farbenfrohen Bilder von Guardians of the Galaxy Vol. 2 bei. Beinahe willkürlich werden hier die verschiedensten Spektren über die Leinwand verteilt, die Saturation steht dabei immer auf Anschlag. Gepaart mit wirklich großartigem CGI und gewagten Kameraeinstellungen, werden nicht nur die Lachmuskeln, sondern auch die Netzhaut aufs Übelste strapaziert – im positiven Sinne.

Kenner der Comics, von denen es ja mittlerweile ein paar mehr geben sollte, wundern sich aber sehr. Denn in Guardians of the Galaxy Vol. 2 trifft Peter Quill alias Star-Lord erstmalig auf seinen Vater. In der Vorlage ist dies König J’son (oder Prinz J’son, kommt drauf an, welche Storyline man liest), im Film allerdings tritt hier Ego, gespielt von Kurt Russell, auf den Schirm. Meine Verwirrung ist durchaus gerechtfertigt, denn Ego ist eine Art Gott, was Star-Lord somit zu einem Halbgott macht. Dies ist zwar überraschend und lenkt den Film beim erstmaligen Sehen in eine ungewohnte Richtung, am Verlauf der Geschichte ändert dies aber relativ wenig. Ab Minute Eins weiß der Zuschauer, wie sich das Verhältnis der beiden Figuren entwickeln wird, denn in dieser Hinsicht weiß der zweite Teil der Reihe leider nicht zu überzeugen. Ebenfalls wird hier kaum die Hauptstory des MCU vorangetrieben. Der Verbleib des letzten Infinity-Stones ist immer noch ungeklärt (auch wenn ich da schon eine Vermutung habe. Ich schiele hier auf Thor: Ragnarok…), es werden einzig einige Vorbereitungen auf den großen Showdown gelegt. Denn bevor Obermotz Thanos tatsächlich auf dem Weg ist, die Infinity-Stones an sich zu reißen, ist die Welt der Guardians der einzige Ort, an dem man von der Existenz des lilanen Bösewichtes weiß. Dieser wird also später als verbindendes Element die Zusammenführung aller MCU-Handlungsstränge verursachen, spätestens im nächsten Avengers-Teil.

Aber bevor ich hier noch mehr Vermutungen aufstelle und in wilde Theorien verfalle, lasst euch Guardians of the Galaxy Vol. 2 wärmstens von mir empfehlen. Ein wunderbar buntes Abenteuer, das Lach-, Freuden- und andere Tränen in euer Gesicht zaubern wird. Tolle Charaktere, eine tolle Optik, und der Fakt, dass sich der Film an keiner Stelle selber ernst nimmt, machen ihn zu einem unvergesslichen Abenteuer. Ich bin froh, dass hier in puncto Atmosphäre noch näher an den Comics gearbeitet wurde und die Stimmung der Vorlage auf den Punkt erfasst werden konnte. Einzig die Abweichung in der Identität von Star-Lords Vater hat mir Bauchschmerzen verursacht. Wer vorhat, dies mit seinem Kind unter der empfohlenen FSK 12 anzuschauen, sollte den Film vorher einmal selbst sehen. Denn zwei Szenen (eine in der Mitte, eine am Schluss) sind sehr grafisch und zeigen mehr, als manchen Kindern zuzutrauen ist. An diesen Stellen dann einfach die Augen zuhalten, dann ist alles in Ordnung.

Prädikat: Besonders awesome!

(Bleibt unbedingt sitzen, bis der Filmprojektor im Kino ausgeht. Denn hier wird mehr als eine Post-Credit-Szene gezeigt.)

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Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.