Ich habe das vielleicht schon mehr als ein Mal erwähnt: Grim Fandango ist super. Der Stil, die Rätsel, die Synchro… Bis auf das sehr umständliche Inventarsystem ein wirklich gelungenes Erlebnis. Zumindest für das Jahr 1998, als der Adventuretitel aus der Feder des Altmeisters Tim Schafer erstmal erschien. Lange Zeit war es ruhig um Grim Fandango, was wahrscheinlich an der unerwünscht zaghaften Rezeption des damaligen Klientels lag. Denn trotz begeisterter Kritiken blieb der große kommerzielle Erfolg leider aus.

Beinahe 20 Jahre später versucht Double Fine, Schafers Entwicklerstudio, es erneut und macht es wie ein Bäckermeister: Brot vom Vortag zum halben Preis. Für knapp 15 Euro steht eine “Remastered”-Version des Lucas Arts-Klassikers zum Download für alle möglichen Plattformen bereit, sogar Linux und die PS Vita werden bedient.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich mich damals gefühlt habe, als ich die Remastered-Version von Tony Hawk’s Pro Skater in die Downloadwarteschlange meiner Xbox 360 einreihte. Die Aufregung, die Nostalgie, die Vorfreude. Letztlich versumpften alle Lobgesänge allerdings in derber Enttäuschung ob der verkorksten Umsetzung, kombiniert mit der rosaroten Gamingbrille der Vergangenheit, die wir wohl alle getragen haben. Damals, als drei Pixel noch ein grafisches Meisterwerk für uns darstellten. Damals, als ein nicht ganz mittelmäßiger Titel noch die Welt für uns bedeutete.

2Ähnlich erging es mir mit Grim Fandango. Das Original streichelnd, das bei mir einen Sonderplatz im Spieleregal hat, lud ich die Neufassung auf meine PS4 und die Vita. Schließlich will ich auch unterwegs spielen. Schnell ereilte mich die Ernüchterung: Bereits Entwicklerlogos und Titelbildschirm lächeln mich in 4:3 an. Mag da tatsächlich die Faulheit gesiegt haben und eine Anpassung an zeitgemäße Bildschirme nicht stattgefunden haben? In der Tat. Ein mittelhübscher Rahmen schmückt die ansonsten schwarzen Bereiche des Bildschirms, die das 4:3-Bild nicht ausfüllt. Zwar gibt es eine Option für Breitbildbetrieb, jedoch streckt diese die Spielfläche, so dass Charaktere die Anmut eines Adipositaskranken erhalten. Schlimm.

1Immerhin wurde den Charakteren, die sich immer noch in den alten, vorgerenderten Backgrounds bewegen, neue Texturen und weiche Schatten spendiert, womit die wesentlichen Neuerungen und die Rechtfertigung für “Remastered”-Zusatz bereits in einem Satz abgehandelt wurden. Der Unterschied kann durch switchen zwischen den Versionen (mehr oder weniger) deutlich gemacht werden, bei den marginalen Änderungen – anders als man es beispielsweise von der Remastered-Version der ersten Monkey Island-Teile kennt – kann man sich das allerdings auch schenken.

Hardcore-Fans können das Entwicklerteam inklusive His Schaferness himself zusätzlich als Audiokommentar in die verschiedenen Spielszenen schalten. Klingt nervig, ist es für normalsterbliche Spieler, die den Titel einfach nur nachholen oder erneut spielen möchten auch. Zum Glück ist diese Option … naja … optional.

Am Spiel selbst ändert das glücklicherweise nichts und verschafft mir somit die Möglichkeit, den etwas angestaubten Titel auf modernen Endgeräten abzuspielen, was ein absoluter Pluspunkt ist, den Preis aber vielleicht nicht so ganz rechtfertigt. Liegt aber vielleicht im Auge des Betrachters. Wer wartet, bis das Ding für zehn Euro oder weniger im Steam-/PSN-/XBL-Sale ist, der macht sicher nichts falsch. Wer absolut nicht warten kann und den Klassiker in “neuem” Gewand möglichst schnell auf der Platte lagern möchte, kann getrost zugreifen. Gutes Spiel, mittelmäßiges Remastering.

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Grim Fandango Remastered was last modified: Februar 4th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.