Uuuuund wieder eine Comicverfilmung: Diesmal hat es „Green Lantern“ erwischt. Reitet Hollywood den nächsten Superhelden ins Verderben?
Maria, es ist eine Laterne!

DCs einziger Superheldenfilm in diesem Jahr bringt Green Lantern auf die große Kinoleinwand. In heimischen Gefilden eher unbekannt, wurde die Werbetrommel kräftig ins Rollen gebracht, um den Streifen an den Mann zu bringen. Mit mäßigem Erfolg: nach Release der ersten Trailer war klar, dass die 200 Millionen Dollar Budget als Lagerfeuer einem höheren Zweck gedient hätten als als Investition in die grüne Laterne. Dabei waren DCs Vorlagen bisher (mit Ausnahmen) ganz ansehnlich: Superman, Batman, Watchmen – da kann man nicht meckern.

Nun wirft Regisseur Martin Campbell (ja, genau der, der auch für Auftrag Rache verantwortlich ist) einen Haufen Billigeffekte, Ryan Gaynolds und Kelsey Grammer in einen Mixer, drückt auf „Start“ und wartet ab, ob was Gutes dabei rum kommt. Schnell noch mit einem archetypischen Bösewicht und Dummfickdialogen nachgewürzt – fertig: Wir nennen es „Green Lantern“!

Grün, grün, grün ist alles was ich habe…

Die Story: Ryan Gaynolds ist Jetpilot (genau wie ich) und ein Arsch (nicht genau wie ich). Aber er hat keine Angst (genau wie ich) und deshalb sucht der Ring eines sterbenden Superhelden genau diesen Arsch aus, der nächste Superheld zu werden. Genauer gesagt existieren in der gesamten Galaxie 3600 dieser Superhelden, die sich selbst „Green Lanterns“ nennen und eine Art Galaxiepolizei in grünen Anzügen sind. Der Rest kommt aus dem Comicstory-Giftschrank: Superschurke taucht auf, Superheld wird auf einmal zum guten Menschen. Und ein Mädel gibt’s auch.

Es ist wirklich traurig wie kräftig man eine relativ gute Vorlage gegen die sprichwörtliche Wand fahren kann. Flache Charaktere, billige Effekte und One-Liner aus dem Dumme-Sprüche-Einmaleins. Noch viel trauriger ist aber, dass Ryan Gaynolds der Lichtblick des Films ist – ohne Scheiß. Und wenn Ryan Gaynolds das Beste an einem Film ist, muss irgendwo was schiefgelaufen sein. Irgendwo zwischen Vorlage und Drehbuch ist irgendjemand falsch abgebogen – und wie immer muss der Zuschauer dafür bezahlen.

Ich meine… kommt schon! Es ist zwar die „grüne Laterne“, aber so übertrieben viel Grün kann nicht euer ernst sein. Die Eigenschaft des Films wechselt öfter seine Form als ein Transformer – von lächerlich, kitschig, dumm bis hin zu echt billig und albern – und das alleine innerhalb der ersten 10 Minuten. Wer nach dem Vorspann nicht schon ausgeschaltet hat, der überlebt auch den Rest des Streifens ohne bleibende Schäden, denn das Geseire, das die Rahmenhandlung erklärt, sprengt wirklich die Grenzen des Zumutbaren.

„Green Lantern“ kommt noch viel grüner als der Hulk daher, allerdings auch mit weniger Hirn – und dass muss man erstmal schaffen. Die meiste Zeit des Films drohten meine Lippen ohne Erlaubnis die Worte „What the Fuck!“ zu formen und lautstark wüste Beschimpfungen gen Leinwand zu jagen. Des Schwachsinns strahlender Höhepunkt sind die diversen Objekte, die Gaynolds per Gedankenkraft in die reale Welt materialisieren kann. Da fällt mir echt nix mehr zu ein.

Wer gerne Filme über grüne Weltraumcops guckt, die mit riesigen grünen Gummifäusten Bösewichte vermöbeln und dabei blödes Zeug labern: Meine wärmste Empfehlung. Ich allerdings kann der grünen Laterne leider nur die rote Laterne überreichen.

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Green Lantern was last modified: Oktober 5th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.