Es sieht aus, wie ein klassisches Point-And-Click-Adventure. Die Pixel faustgroß, die Animationen mit der groben Kelle geschnitzt… Doch Gods will be Watching möchte mehr sein als schnöde Mittneunziger-Renaissance, fordernder als Klamauk-Rästel, bewegender als zotige Holzhammerwitzchen.

gwbw_03Der Titel vom Entwicklerstudio Deconstructeam entstand ursprünglich im Rahmen des Ludum Dare Game Jams. Innerhalb von 72 Stunden zimmerte das Team einen minimalistischen Prototyp zusammen, der in seinen Grundzügen dem „Remake“, wenn man es so nennen möchte, bereits sehr ähnlich war. Point-and-Click-Mechaniken, verbunden mit dem Charme einer dystopischen Survival-Simulation und einer Prise des populären Indie-Flairs.

Damals noch mit einem Level, den es zu überleben galt, kommt Gods will be Watching in seiner Reinkarnation mit insgesamt sechs fordernden Stages daher und schickt den Spieler von einem moralischen Dilemma ins nächste. Als Doppelagent, der es sich als Ziel gesetzt hat, die Versklavung einer außerirdischen Rasse zu stoppen, befinden wir uns in Szene eins bereits in einer brenzligen Situation.

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Verstümmeln, Töten, Sterben

gwbw_01Eine Geiselnahme in einem Labor, aus wir mit unserer infiltrierten Truppe ein Virus stehlen wollen, verlangt von uns präzisestes Krisenmanagement. Einerseits müssen wir einen Hack administrieren, Geiseln unter Kontrolle halten und den vorrückenden Stoßtrupp wieder und wieder in seine Schranken weisen. Hierbei ist nicht nur die Zeit ein arger Feind, auch die Geiseln, von denen es möglichst viele zu erhalten gilt, drehen ab der ersten Sekunde am sprichwörtlichen Rad. Zwar kann man diese durch einen Schuss ins Bein oder durch eine Kugel in den Kopf … naja… kontrollieren, was aber die Allgemeinmoral verständlicherweise mehr als schwächt.

gwbw_02Nicht nur ist Gods will be Watching eines der anspruchsvollsten Spiele, die ich in letzter Zeit spielen durfte, es ist gleichermaßen das Spiel, dass mir Entscheidungen auf direktestem Wege zurückzahlte. Sei es durch ein Game-Over, das, ganz wie es Dark Souls-Spieler gewohnt sein dürften, fester Bestandteil des Gameplays ist, oder durch Gewissensbisse, die mich nach dem unausweichlichen und unvermeidbaren Töten einer Geisel heimsuchen. Jedes grobpixelige Ableben ist wie ein niedrig aufgelöster Faustschlag ins Gesicht, der die Konzentration auf die Teile des Spiels, die sich sehr schnell als eine Survival-Simulation im Retro-Look entpuppen, ins Wanken bringt.

Steam selbst ruft, ohne Rabatte, einen Preis von 8,99 Euro auf, was man allerdings nur investieren sollte, wenn man Nerven aus Stahl hat. In jedweder Hinsicht, denn die Versuchung, das Ding nach gefühlten 100 Game-Overs im ersten Level, in die Ecke zu werfen und nie wieder anzufassen, ist recht hoch. Hat man allerdings ein Mal raus, wie der Hase läuft, findet man tatsächlich etwas daran, was man unter Umständen als „Spaß“ bezeichnen könnte. Den Prototypen vom Game Jam kann man immer noch spielen, falls man vor dem Kauf in die Atmosphäre der Welt reinschnuppern möchte.

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Gods will be Watching was last modified: Juli 30th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.