Der Klassiker von 1987 bekommt ein Makeover spendiert. Neue Grafik, neues Spielprinzip: Trotzdem noch gut?

Wie viele Stunden habe ich, als jemand, der früher keine Nintendo-Konsole durfte, vor dem heimischen Commodore 64 verbracht und den Mario-Klon „The Great Giana Sisters“ gespielt? Ein einfaches Spielprinzip gepaart mit einem genialen Soundtrack. Giana und Maria sprangen hier plattformtypisch durch 30 Level, unterlegt mit den erinnerungswürdigen Tunes von Altmeister Chris Hülsbeck.

25 Jahre später denken sich die Jungs und Mädels von Blackforest Games – ein im Schwarzwald angesiedeltes Entwicklerstudio – dass es ja mal eine gute Idee wäre, den beiden Mädels eine Frischzellenkur und gleichzeitig ein zeitgemäßeres Spielprinzip zu spendieren (wir berichteten). Doch tut ein Reboot nicht immer gut – Ausnahmen (Tomb Raider, DmC) bilden hier die Regel. Was bietet also Giana Sisters: Twisted Dreams?

Grafik: „Top“, Spielfluss „So la la“.

Oh, ein Plattformer, ist per se ja schon mal nicht verkehrt. Die Grafik in 2.5D sieht hervorragend aus, auch wenn ich in der XBLA-Fassung ab und an kleinere Ruckler und Framerateeinbrüche feststellen muss. Mit dem Spiel von ’87 hat „GS:TD“ aber nicht mehr viel zu tun. Kein Mario-Klon mehr, sondern eine eigene Spielmechanik; Also letztlich ein neues Spiel unter alter Lizenz. Muss ja nicht zwangsläufig kacke sein. Zwar läuft man noch von links nach rechts durch die hübschen Spielwelten, „?“-Kästchen und Powerups fallen allerdings komplett unter den Tisch. Statt dessen besitzt Giana, die ihre Schwester Maria aus der Traumwelt befreien muss, zwei verschiedene Formen: „Cute Giana“ und „Punk Giana“, die zum einen verschiedene Fähigkeiten haben und gleichzeitig durch ihre Verwandlung die Spielwelt verändern. Klingt spannend, könnte es auch sein, wenn es denn richtig funktionieren würde.

Prinzipiell könnte GS:TD richtig Spaß machen, hätte man nicht das Gefühl, dass Spielmechanik und Leveldesign von völlig unterschiedlichen Leuten umgesetzt worden wäre. Es entsteht kein wirklicher Spielfluss, sämtliche Elemente scheinen nur als Mittel zum Zweck zu agieren, alles wirkt aufgesetzt. Hier wird mir als Spieler erst bewusst, wie gut Mario und Rayman Origins durchdacht sind. Spielfluss, Spaß, Lernkurve – da stimmt alles. Giana Sisters stellt den Spieler von Anfang an vor große Probleme: Eine schwierig zu erlernende Steuerung, anfangs unerreichbare 100%-Vorgaben, frustige Stellen, die oft nur mit Glück zu schaffen sind. Games wie Super Meat Boy zeigen, dass das auch anders geht. Obschon bockschwer, sucht man den Fehler stets bei sich selbst, da das Spiel jederzeit fair bleibt. Der Frustfaktor bei GS:TD ist noch viel höher, die Wut wird auf den Titel projiziert, Anfänger schalten sehr bald ab.

Schade, denn dabei ist das Potential vorhanden, alleine der Soundtrack ist sein Geld wert. Je nach „Giana-Form“ ertönt eine andere Version des Original-Soundtracks – Neben Chris Hülsbeck (hat auch den OST zu Apidya und Turrican geschustert), geben die schwedischen SID-Metaller von Machinae Supremacy ihren musikalischen Senf dazu, mit Gitarren, Schlagzeug und dem ganzen Rest. Klingt gut? Tut es! Bleibt, damals wie heute, im Ohr und geht da auch so schnell nicht wieder raus.

Fazit

Wer mit dem Gedanken spielt, sich dieses Remake eines großartigen Spiels zuzulegen, der sollte zunächst eine Demo antesten und herausfinden, ob das Dings was für einen ist. Die 1200 MS-Points (bzw. knapp 15 Euro bei Steam) möchten wohlinvestiert sein. Ist mit Sicherheit nichts für jeden Spieler, Hardcorezocker, die gerne jedes Level mit 100% abschließen werde bestimmt voll auf ihre Kosten kommen und haben den Dreh, wie man Giana bestmöglich durch die Level navigiert, sicherlich schnell raus.

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Giana Sisters: Twisted Dreams was last modified: März 22nd, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.