Panini ist gerade äußerst fleißig und haut Klassiker von Comic-Ikone Mark Millar als hochwertige Hardcover-Reissues auf den Markt. Den Anfang machte mit Ausgabe 1 der „Mark Millar Collection“ das Agentenepos Wanted, gefolgt von Wolverine – Staatsfeind und Kick Ass: Runde 1. Band Nummer 4 beleuchtet eines der ungewöhnlichsten Kapitel aus Millars Karriere: Genosse Superman.

Genosse Superman reiht sich nahtlos in die Riege der üblichen „Was wäre wenn…?“-Comics ein, zu denen übrigens auch Jeff Lemires Neuansatz zu Moon Knight gehört. Was wäre, wenn Superman Anfang der 50er-Jahre nicht im US-amerikanischen Kansas, sondern in der ländlichen Sowjetunion gelandet wäre? Der „Red Son“ (so der Originaltitel) wird zu einem Kämpfer für Stalin, den Sozialismus und dessen Ideale.

Selbstverständlich nimmt die Geschichte durch einen sowjetischen Superman einen völlig anderen Lauf, die ihn über ihre Spanne von drei Büchern, die hier gesammelt präsentiert werden, Superman auf viele weitere Helden in ihren alternativen Versionen treffen lässt. Green Lantern, Batman, Wonder Woman… Sie alle stehen allerdings dem Mann aus Stahl als Gegner gegenüber, wird Superman selbst doch immer weiter als Bösewicht dargestellt. Die innere Zerrissenheit aller Charaktere kreiert eine dystopische Atmosphäre, die ungewohnt und neu, aber selten angenehm wirkt.

Doch nicht nur der sprachliche Tenor, auch der zeichnerische Stil lehnt sich an Propagandaplakate aus dem Kalten Krieg an. Die Exaktheit, mit der Millar hier operiert, ist fast schon gespenstisch und das Zukunftsbild, das er durch eine sehr klare Vision eines halb-parteiischen Supermenschen zeichnet, ist überaus präzise. Den großen Twist und eigentlichen Witz der Story hebt sich Millar für die allerletzte Seite auf, die fast an ein Asimov’sches Gedankenkonstrukt erinnert.

Genosse Superman ist sehr textlastig. Und ich meine SEHR textlastig. Auf insgesamt 172 Seiten bekommt man, wenn man sich darauf einlässt, dafür allerdings eine tolle Geschichte in einem der wichtigsten Comics der Neuzeit, die allerdings ihre Zeit benötigt, um zu greifen. Die Hardcover-Variante aus der Mark Millar Collection schlägt mit knapp 25 Euro zu Buche, während das Paperback, das bereits im Jahre 2004 erstmalig in deutscher Fassung erschien und mittlerweile als Neuauflage verfügbar ist, nur knapp 17 Euro kostet. Wer also nur die Geschichte möchte, der greift zum Taschenbuch, Hardcore-Sammler und Mega-Millar-Fans zur Hardcover-Variante, die mit 19 x 28 cm etwas größer ist als das Original.

Genosse Superman kann als Hardcover (Mark Millar Collection) direkt bei Panini oder bei Amazon bestellt werden. Das Paperback gibt es ebenfalls bei Panini und Amazon. Oder beim Buchhändler eures Vertrauens.

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Genosse Superman (Mark Millar Collection) was last modified: November 9th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.