In meinen frühen PC-Spieler-Tagen war ich sehr großer Fan von Echtzeitstrategiespielen. Ich war nie besonders gut darin, hatte keine Taktiken und keine wirkliche Strategie. Vielmehr konzentrierte ich mich stets darauf, meine Basis so gut wie es ging zu verteidigen (Geschütztürme, ho!) und dabei eine Unmenge an Einheiten zu bauen, die ich dann auf meine Gegner hetzte. Dass dieser Plan nicht immer aufging, sollte klar sein. Umso spannender sind für mich daher RTS-(Reat Time Strategy)-Games, in denen das Errichten von Basen oder Gebäuden kein Gameplayelement ist. Total War: Arena ist solch ein Spiel.

Bevor man über Total War: Arena spricht, muss man anmerken, dass der Titel schon etwas länger in der Entwicklung steckt. 2016 wurden die Rechte dann irgendwann von Wargaming aufgekauft und der Open-Beta-Release auf den 1. September 2017 festgelegt. Wem bei dem Wörtchen Wargaming die Ohren klingeln hat wahrscheinlich genau den richtigen Eindruck. Nach Panzerspielchen, Kriegsschiffen und Kampfflugzeugen bringt die Free-To-Play-Fabrik nun Echtzeitschlachten für lau auf den Markt.

Wenn ich an Free-To-Play denke, stellen sich bei mir regelmäßig alle Nackenhaare auf. Seltsame Bezahlmodelle, Pay to win, Mikrotransaktionen… Viele vermeintlich kostenlose Games sind die reinste Abzocke. Daher richtete ich meine Fragen an die beiden Entwickler, mit denen ich im Rahmen einer Präsentation von Total War: Arena kurz sprechen konnte, genau auf dieses Thema. Doch die beiden netten Herren konnten hier ziemlich schnell Entwarnung geben. Denn das RTS-Spiel verfolgt in etwa das gleiche Bezahlmodell wie alle anderen Wargaming-Games. Wer Geld investieren möchte und in einen Premium-Zugang investiert, bekommt hier keine „besseren“ Einheiten oder irgendwelchen anderen Vorteile auf dem Schlachtfeld. Vielmehr erhalten zahlungswillige Kunden Einheiten, die sich marginal von den Standardeinheiten unterscheiden. Außerdem wird der XP-Erhalt nach Schlachten um 50% erhöht. Also alles wie gehabt.

Das Spiel selbst sieht ziemlich interessant aus. In Schlachten von zehn gegen zehn Spielern geht es auf insgesamt neun verschiedenen Karten heiß her. In der Vorbereitung können sich die Spieler hier zwischen neun Anführern aus drei Fraktionen (Barbaren, Römer, Griechen) entscheiden. Jeder Anführer hat unterschiedliche Fähigkeiten und Einheitentypen, so dass Free-Player 143 unterschiedliche Einheiten zur Auswahl haben, Premium-Spieler noch 16 weitere. Auch hier sieht man schon, dass das Bezahlmodell wirklich rein freiwillig ist.

Ist die Auswahl getan, können die Legionen auf dem Schlachtfeld platziert werden und mit den neun anderen Spielern aus dem Team bestimmte Taktiken besprochen werden. Dazu steht ein Team-Chat zur Verfügung sowie die Möglichkeit, auf dem Schlachtfeld herumzumalen. Das fand ich besonders cool, weil hier ein authentisches Feldherrenfeeling aufkommt.

Maximal 15 Minuten dauert eine Schlacht, in der Regel sollte aber nur halb soviel Zeit für eine Runde gebraucht werden, die entweder damit endet, dass alle gegnerischen Einheiten ausgelöscht werden oder die gegnerische Basis eingenommen wird. Hier greift ein etwas außergewöhnlicheres Prinzip, denn der Fortschrittsbalken der Eroberung ist ein dynamisches Element, welches darauf reagiert, ob die einnehmende Legion Schaden nimmt. So kann ein scheinbar gewonnenes Spiel bereits durch einen letzten verzweifelten Angriff einer versteckten verteidigenden Einheit in eine Niederlage gewandelt werden. Ziemlich cool.

Bei aller Schlachtenmanie haben die Macher immer darauf geachtet, eine möglichst hohe historische Authentizität zu wahren. Abgesehen von der unmöglichen zeitlichen Überlagerung der beteiligten Helden (zum Beispiel Cäsar, Leonidas, Germanicus…) wurden deren Fähigkeiten an tatsächliche geschichtliche Ereignisse angepasst. Der verantwortliche Designer ging dabei dermaßen in seiner Geschichtswelt auf, dass dieser während seiner gamescom-Präsentation mehrfach gestoppt werden musste.

Hätte ich einen PC, der das Spiel darstellen könnte, würde ich sicher das ein oder andere Mal reinschauen, sobald die Open Beta startet. Da ich das aber nicht kann (mein oller Laptop schafft das wirklich nicht…) müsst ihr das wohl für mich machen und mir erzählen, wie es letztendlich geworden ist. Auch das finale Bezahlmodell, das zum Zeitpunkt der gamescom noch nicht final war, würde mich mal interessieren. Alles in allem macht Total War: Arena aber einen echt guten, einsteigerfreundlichen Eindruck.

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gamescom 2017 – Total War: Arena was last modified: August 23rd, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.