Die morgendlich ersten Termine an gamescom-Tagen sind meist die angenehmsten. Alle sind noch leicht verkatert, man kann leicht wegdösen und man kann sich selbst vorgaukeln, dass der zuckerhaltige Energy-Drink unabdingbar zum Überleben des Vormittags ist. Großartig. Allerdings bekam ich bei Kalypso dieses Jahr keine Gelegenheit, meinen wohlverdienten Schönheitsschlaf nachzuholen. Mit besagtem Energy-Drink in der Hand durfte ich Teil eines Präsentationsmarathons werden, den ich in dieser Form noch nicht erlebt habe. Insgesamt vier Präsentationen, gehalten von ebenso vielen Designern und Entwicklern, die sich gegenseitig die Staffelstäbe mit Überschall zuwarfen, durfte ich in knapp 30 Minuten sehen. Hut ab vor so viel Koordination.

Dungeons 3

Zuallererst (wow, neue Rechtschreibung!) stellte der Creative Director von Dungeons 3 (Realmforge Studios) das jüngste Schätzchen der dämonischen Verlies-Simulation vor. Ich war nie ein Fan der Reihe, was ich in dem kleinen Kalypso-Kabuff ohne Zimmerdecke allerdings in Videoform mit Live-Tonspur sah, weckte mein Interesse. Das klassische Dungeons-Gameplay wurde hier ordentlich aufgebohrt und lässt den teuflischen Titel mit an die Spitze des Publisher-Lineups rutschen. Wer noch nicht dazu gekommen ist, in die Dungeon-Sim reinzuschnuppern oder sich (wie ich) bisher verweigerte, für den führt mittlerweile kaum noch ein Weg daran vorbei. Denn Dungeons 3 verfrachtet den Spieler auf die andere Seite der ewig gleichen Hack-And-Slay-Titel.

Als dämonisches Oberhaupt gilt es hier, ein unterirdisches Ökosystem aufzubauen, den verbesserten Tech-Tree zu beherrschen und seine Schergen an die Oberfläche zu schicken. Hier wechselt dann die Steuerung vom gewohnten Klicken-und-Ziehen zu noch gewohnteren Echtzeitstrategie-Kontrollen. Das bringt etwas Abwechslung ins triste Leben eines Dungeon-Masters; mich jedenfalls spricht besonders der Overworld-Teil besonders an. Ich könnte mir, aufgrund dessen, was ich hier gesehen habe, auch einen von der Hauptreihe abgekapselten Pur-RTS-Teil von Dungeons vorstellen. Sehr cool! Noch cooler: Genreuntypisch erscheint Dungeons 3 am 15. Oktober 2017 auch auf Konsolen. Meine PS4 reibt sich in freudiger Erwartung bereits die Analogsticks!

Railway Empire

„Nein, keine Sorge, Sie sind nicht im Bild!“

Und noch einmal werde ich positiv überrascht. Ich bin unsicher, ob es daran liegt, dass Kalypso mir was in den Energy-Drink gemischt hat (was ihnen definitiv zuzutrauen ist), oder ob ich langsam in „dieses Alter“ komme, aber auch Titel Nummer zwei haut mich vom Hocker. Und zwar in einem Ausmaße, das mich fast umgehend einen meiner begehrten „arrcade.de Favorite„-Awards zücke und Richtung Präsentation werfe. Railway Empire ist etwas, das ich letztes Jahr nicht mit der Kneifzange angefasst hätte. Eine Wirtschaftssimulation, die sich ausschließlich um Eisenbahnen dreht. Ein Fan von Eisenbahnen (und allem, was dazu gehört) zu sein, bringt ja einen gewissen Ruf mit sich, aber das Teil sah wirklich zucker (Schnauze, das ist ein Adjektiv!) aus.

Aufgabe des Spielers ist, eine Eisenbahngesellschaft aufzubauen und zu unterhalten. Dabei kann man Bahnlinien zwischen um die 100 Städte ziehen und dabei 40 Lokomotiven einsetzen. Diese sind für unterschiedlichste Einsatzgebiete ausgelegt, beispielsweise Gütertransport oder Personenverkehr (hihi, Verkehr!). Dabei ist das Bauen der Bahnlinien reinster Eye-Candy; mein innerer Nerd hat sich eingenässt vor Glück. Die Inhouse-Engine von Gaming Minds leistet hier Großartiges!

Die Städte entlang der Bahnlinie wachsen mit der Zeit, können erweitert werden und von verschiedenen Bahnlinien mit unterschiedlichen Nutzen angefahren werden. Dabei können per Tech-Tree nicht nur die Städte, sondern auch die Loks (über 300 Perks!) verbessert werden. Auch bei Railway Empire dürfen Konsoleros vor Freue die Controller in die Luft werfen, denn das Ding kommt Anfang 2018 nicht nur auf Desktop-Computern, sondern auch auf Xbox One und PS4 raus. Tuut-Tuut!

Shadows Awakening

Manchmal haben Entwickler echt Pech. Im Falle von Games Farm sogar richtig Großes. So erklärt uns der Head of Developing von Shadows Awakening, dass um die Rechte am eigenen Spiel sehr lange Zeit gekämpft werden musste, bis so viel Zeit vergangen war, dass man nach dem Rechtsstreit mit der wiedererlangten IP einfacher ein komplett neues Spiel erschaffte, als mit dem alten Murks rumzufrickeln. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Wer auf Hacken-und-Schlachten im Diablo-Stil steht, kann hier fast bedenkenlos zugreifen. Allerdings gibt es hier einen kleinen Twist, der das Spiel etwas weg vom hirnlosen Standard-Schraddel drückt.

Der Protagonist von Shadows Awakening ist ein Dämon, der in einer Schattenwelt lebt, in der die Zeit stillsteht. In diese Parallelwelt kann man jederzeit zurückwechseln, was etwas taktisches Einfühlungsvermögen erfordert. Besagter Dämon nährt sich von Seelen, die, wenn aufgenommen, in verschiedenen Charakteren in der „echten“ Welt enden. Zwischen diesen Spielfiguren kann jederzeit nahtlos geswitcht werden, die gesamte Party besteht also nur aus einem Charakter, der unterschiedliche Seelen aufruft. Puh, das ist echt schwer zu erklären. Aber ihr seid ja schlau und versteht das schon. Die über 40 Stunden versprochene Spielzeit sind also gespickt mit strategischen Fights, aber auch mit einigen Puzzles. Außerdem ist Tom Baker, den die meisten von euch als vierten Doktor (Doctor Who) kennen. Starbesetzung! Whoo!

Shadows Awakening erscheint irgendwann im Q2 2018 für PC, PS4 und Xbox One. Aber wer hat schon eine Xbox?

Tropico 6

Das Flagschiff des diesjährigen Lineups hat sich Kalypso für ganz zum Schluss aufgehoben. Ich spare mir auch die langen Erklärungen, um was es sich bei der Tropico-Reihe handelt. Dafür bin ich zu müde. Außerdem ist es Sonntag. Ich schufte nicht am Sabbat, Weib! Aber es gibt einige coole Neuerungen. Zum Beispiel ist der Spieler nicht mehr nur auf eine Insel beschränkt. Im Video-Beispiel zeigte uns der Narrative Designer der Wirtschafts-Sim ein Archipel bestehend aus vier Inseln, ich denke aber, dass das noch mehr sein können. Es gibt viele neue Gebäude, ganz besonders fallen hier die Weltwunder auf, die sich der Spieler durch Spione aus aller Welt stehlen lassen kann. Neben dem Eiffelturm (Igitt, Frankreich!) gibt er hier 16 weitere Gebäude, die zwar schwierig zu beschaffen sind, deren Einflug sich aber definitiv lohnen soll.

Das Teil läuft (auch neu!) auf der Unreal Engine 4 (ich mag ja, wie skalierbar die ist). In der Umstellung auf den neuen Motor muss eine Menge Arbeit stecken, aber Limbic Entertainment war der Weg wohl nicht steinig genug. Denn die Entwickler haben die Wahlreden, die zuletzt in Tropico 4 enthalten waren, zurück ins Spiel gebracht. So kann man seine Wahlversprechen noch effektiver brechen. Großartig.

Irgendwann nächstes Jahr landet El Presidente dann auf PC, Mac, Linux, PS4 und Xbox (und auf internetfähigen Toastern*).

*leeres Wahlversprechen

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gamescom 2017 – Kalypso-Lineup was last modified: August 27th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.