Immer, wenn ich mich nach Köln zur gamescom auf den Weg mache, dann ist der Besuch bei Daedalic Entertainment ein bisschen so, als würde man einen guten, alten Freund auf einer Party wieder treffen. Alles ist direkt vertraut, man versteht sich und alles ist ein bisschen relaxter, als woanders. Nicht zuletzt, weil der sich ständig in Action befindende Jan „Poki“ Müller-Michaelis einfach einer der besten Menschen der Spieleindustrie ist.

Point&Click Adventures waren für mich immer eine etwas zweischneidige Angelegenheit, weil die meisten mich entweder komplett kalt gelassen haben, oder aber ein paar wenige so richtig zu meinem Herzen gesprochen haben, entweder auf lustige oder dramatische Weise oder gar beides. Daedalic haben das meistens ganz gut hinbekommen. Seit einiger Zeit gibt es bei den Hamburgern allerdings nicht nur Spiele dieser Art, sondern man hat auch eine Nische für sich als Publisher kleinerer, aber durchaus sehr feiner Titel gefunden, irgendwo zwischen Indie und AAA-Publisher. Zwei davon möchte ich euch hier wärmstens ans Herz legen, den ich glaube, dass sie großes Potential haben. Beide Spiele erscheinen im Herbst/Winter 2016 und beide auch für PC, MAC, Xbox One und PS4.

The Long Journey Home

The Long Journey Home ist ein sehr spaßiges Rogue-Like in einem zufallsgenerierten Weltraum, den es als Spieler zu durchqueren gilt. Am Anfang wählt man sich eines von mehreren Schiffen aus und stellt eine Crew zusammen, worauf hin man am „Daedalus 7 – Jump Test“ teilnimmt, einer Versuchsmission bei der eigentlich nur ein neuer Antrieb für Raumflüge getestet werden soll. Allerdings geht etwas schief, der neue Antrieb wird instabil und katapultiert das Forschungsschiff in den entlegensten Winkel der Galaxis, wo fremdartige Aliens Krieg miteinander führen, wirre Individuen mit noch wirreren Waren handeln und man selbst sich als Söldner verdingen muss, wenn man eine Chance haben möchte, um zu überleben.

Long Journey

Wem die Story jetzt ein bisschen bekannt vorkommt, wird sich vielleicht an die Serie Farscape erinnern, von der Andreas Suika (Creative Director beim Entwickler Studio West) selbst bei der Präsentation gesagt hat, dass er ein Riesenfan sei. Es war ihm quasi ein innerliches Bedürfnis als erstes Spiel für das neue Studio ein eigenes Farscape zu machen. Mit einer – wenigstens gefühlt – gehörigen Portion Futurama für den Humor. Grim-Dark Epicness gibt es im Science Fiction-Sektor eh genug. Stattdessen trifft man im Verlauf eines Durchgangs von The Long Journey Home auf drei bis sechs unterschiedliche Alienrassen von etwa 16, die es gesamt im Spiel geben wird. Welche das sind und wie die zueinander stehen, wird, genau wie das gegenwärtige Universum, die dortigen Rohstoffe und die verfügbare Ausrüstung immer zufällig vom Computer ausgewählt werden, damit der Wiederspielwert möglichst hoch bleibt.

In der Demonstration hat Andreas uns zwei Alienrassen vorgestellt. Die erste istLong Journey 2 das hochaggressive aber noble Kriegervolk der Wolpax, das von Grashüpfern abstammt und auch heute noch als Pflanzenfresser lebt. Aufgrund ihrer eher bescheidenen Herkunft leiden die Insekten an massiven Minderwertigkeitskomplexen, die sie ausleben, indem sie einfach irgendwo durch den Weltraum kreuzen und wildfremde Passanten zu Duellen herausfordern. Das zweite Alienvolk sind die Meorcl. Diese halten sich für die Könige der Galaxis, obwohl sie weder besonders mächtige Schiffe noch besonders mächtige Soldaten haben. Eigentlich ähneln sie eher kleinen, fetten Schwämmchen, aber dafür haben sie einen ganz besonderen Vorteil: Sie senden geistige Strömungen aus, die dafür sorgen, dass kein organisches Lebewesen ihnen je widersprechen kann und man ihnen automatisch gehorcht, bis man sich wieder außerhalb ihrer Hörweite befindet. Natürlich könnten sie jederzeit das Universum an sich reißen, aber leider sind sie viel zu faul und bequem dazu und was sie angeht, gehört es ihnen eh schon. Übrigens wird es auch Landungsmissionen auf Planeten geben, wo man Schiffswracks erkundet oder Aufträge bekommt. Diese Episoden im Spiel laufen in so einer Art Choose-Your-Own-Adventure-Manier ab, bei denen die vier Crewmitglieder auch schon mal ins Gras beißen können. Sollten alle davon auf dem Weg zur Erde frühzeitig sterben oder einem unterwegs Treibstoff und Ressourcen ausgehen, dann ist das Spiel vorbei. Alles in allem ist The Long Journey Home ein wirklich lustiger, interessanter Titel mit jeder Menge Kurzweil und Wiederspielwert, bevor man alles gesehen hat.

Shadow Tactics – Blades of the Shogun

Mochtest und magst du Echtzeittaktikspiele wie damals Commandos – Behind Enemy Lines oder Desperados – Wanted Dead or Alive? Magst du Filme wie The Last Samurai oder Tiger and Dragon? Magst du ganz allgemein Ninjas und ich meine, wer tut das nicht? Gut, dann ist Shadow Tactics – Blades of the Shogun dein Spiel! Das Taktikspiel von den Münchener Mimimi Productions spielt in der japanischen Edo-Periode, im Jahr 1615. Ein neu gekürter Shogun (japanisch für einen adeligen Feldherren) soll die eigenen Ländereien für den seine Majestät den Kaiser befrieden. Leider versinken die aber gerade in Lust, Laster und Korruption und werden von Verbrechersyndikaten und rivalisierenden Organisationen kontrolliert. Ein offener Krieg könnte auch unzählige Unschuldige das Leben kosten, also entscheidet der weise Feldherr, lieber eine Gruppe von Spezialisten los zu schicken, um den diversen sprichwörtlichen Schlangen den Kopf abzuschneiden und die Anführer der verschiedenen feindlichen Fraktionen meucheln zu lassen bzw. deren Operationen zu stören.

Blades

Die Spieler übernehmen die Rolle dieser Gruppe, bestehend aus dem Samurai Mugen, der Geisha Aiko, dem Ninja Hayato, der giftmischenden Fallenstellerin Yuki und dem alternden Scharfschützen Takuma und müssen, wie aus Spielen dieser Art gewohnt, deren Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände geschickt aufeinander abstimmen, um zum Ziel zu gelangen. Die Missionsziele sind dabei weit verzweigt, manche sind optional oder so gedacht, dass man sich zwischen einigen entscheiden muss. Dabei liegt es an einem selbst, ob man sich lieber schleichend durch die Levels bewegt, indem man etwa mit Aiko, Hayato und Yuki lautlos Wachpersonal ausschaltet und in die Büsche schleppt, oder ob man auch mal eine Bombe wirft bzw. den tankigen Mugen mit dem Schwert zu Werke gehen lässt. Die Schauplätze im Spiel sind wunderschön, die Handlungsmöglichkeiten sehr vielfältig und wenn Shadow Tactics am Ende wirklich so rund wird, wie es momentan scheint, dann hat es das Zeug zu einem wirklich tollen, intelligenten Vertreter des Taktikgenres.

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gamescom 2016 – The Long Journey Home & Shadow Tactics – Blades of the Shogun was last modified: August 25th, 2016 by Jan Homrighausen

Mag clevere Videospiele, laute E-Gitarren und gute Bücher. Killt in seiner Freizeit gerne Mutantenhorden, Verbrechersyndikate, gefallene Götter, außerirdische Imperien und allerlei anderes Kroppzeug, das sich nicht benehmen kann. Fantasy- und Sci-Fi-Nerd durch und durch.