Ich hätte nicht mehr gedacht, dass wir nach dem Kollaps von THQ ein neues Dawn of War in der gewohnten Form zu Gesicht bekommen. Wie falsch ich doch lag, aber nachdem unter Sega als Publisher zum ersten Mal Dawn of War 3 angekündigt wurde, ist zunächst mal ein Raunen durch die Fancommunity gegangen. Was? Ein neuer Publisher führt eine IP fort und „alteingesessene“ Gamer schnauben erstmal argwöhnisch?? Schocker. Dennoch sind bei Erscheinen der ersten Screenshots (trotz des unfassbar gut inszenierten Trailers) ein paar lautere Gründe zur Sorge auf den Plan getreten. Die Kamera war weiter weg, als wir es vom zweiten Teil gewohnt sind, es gibt einen leichten Hüpfer in der Ästhetik, den man am besten mit dem von Dragon Age 1 auf 2 vergleichen kann (viel Negative Space, alles ein bisschen stilisierter, ihr wisst schon) und allgemein gab es die Theorie, dass das die Vorbereitung für den Sprung zu DoW als MOBA sein sollte. Was im übrigen Bullshit ist, aber dazu komm ich gleich noch. Inzwischen haben ich und viele andere Leute mit Zugang zur Business Area der gamescom 2016 Dawn of War 3 in Köln eine ganze Stunde lang hands-on gezockt, ohne viel Buzzword-Gekloppe, ohne großes Gerede von irgendwem, nur ein Raum mit Rechnern und Headsets, das Spiel und die eigenen Eindrücke. Beste Art der Präsentation! Dennoch kurz mal zur Einstimmung, für jeden, der es noch nicht gesehen hat:

Dawn of War 3 ist nicht so ganz wie der erste Teil, mit sehr viel Betonung auf Basenbau und StarCraft-mäßigem hin- und herschubsen der eigenen Männchen in der richtigen Einheitenkomposition. Es ist aber auch nicht wie der zweite Teil, wo es eher wie in Company of Heroes darum ging, ein keines Grüppchen Helden mit Entourage in Taktikeinsätze zu schicken,dawn_of_war_3-4 wo Deckung hinter Mauern gesucht werden muss und dergleichen. Stattdessen stehen die Helden, wie Gabriel Angelos, ganz klar im Vordergrund, vernichten ganze Gegnergruppen allein, haben die gewohnt effektvolle Palette an vernichten Fähigkeiten und machen Spaß, wenn man sie aufs Schlachtfeld ruft. Sollte tatsächlich mal einer zerstört werden, kann man sie wieder in den Kampf schicken, nachdem ein Cooldown-Timer abgelaufen ist. Gleichzeitig gibt es aber trotzdem Basenbau, mit Panzern, Mechs, Kontrollpunkten und all den hochexplosiven Spielzeugen, die der Imperator seinen Space Marines an die Hand gegeben hat. Statt des Duck-&-Cover-Gameplays des zweiten Teils, gibt es hier bestimmte Punkte, die von allen eingenommen werden könnten und nach einer Zeit ein Energieschild erzeugen. Meist sind diese Punkte an Schlüsselstellen, wie dem Eingang zu einer engen Schlucht. Das interessante dabei: Jede Einheit kann so einen Punkt halten und darf sich über Deckung freuen. Zwei Whirlwindpanzer unter so einem Schild können mit ihren Raketenbatterien etwa auf einer Klippe ultra-nervig werden, vor allem, da sie durch die Höhe auch noch einen Reichweitenvorteil bekommen. Obwohl die Helden jede Schlacht enorm beeinflussen, kommt man nicht mit ihnen allein klar und muss auf klugen Basenbau und Einheitenmanagement achten. Als Ressourcen gibt es die bekannten zwei: Energie- und Requisition-Points. Zumal der Gegner häufig von mehreren Seiten kommt, wie in der Demomission auf der gamescom, wo es um die Einnahme eines Tempels der Eldar ging. Die agilen Weltraumelfen hatten ganz nebenbei nämlich noch vier Basen, von denen zwei Warptore hatten, die beständig immer mächtiger werden Einheiten gespawnt und gegen die Marines gesandt haben. Kein Zeitlimit oder ähnliches, aber wer hier pennt, verliert.

DoW Screenshot 2

Auch wenn ich nicht leugnen kann, dass ich persönlich zumindest leichte Skepsis verspürt habe, als ich in die Präsentation bin, so sehr freue ich mich, vermelden zu können, dass diese in einem Schlag weggewischt wurden, wie nach dem Volltreffer aus einem schweren Bolter. Die Gefechte sind größer und das macht irre Spaß. Dabei sind sie effektvoll wie noch nie, jede einzelne Fähigkeit ergibt Sinn und eröffnet neue Möglichkeiten. Man kann seine Einheiten, wie im ersten Teil, wieder mit unterschiedlichen Waffen ausrüsten – Tactical Marines etwa mit Plasmakanonen und Flammenwerfen – was nochmal zusätzliche Vielfalt bringt. Der Soundtrack und die Inszenierung sind bombastisch, wie man es von einem Spiel im Warhammer 40K-Universum erwarten darf. Alles in allem ein sehr gut gelungener Mix aus bekanntem und neuem auf den ich mich sehr freue. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wer als erstes mit dieser MOBA-Theorie rüber gekommen ist, aber Dawn of War 3 könnte nicht weiter davon entfernt sein. Was die „zu bunte“ Grafik angeht, kann ich auch jeden beruhigen, denn das ist absolut nicht der Fall, wenn man wirklich vor dem Spiel sitzt. Ich freu mich extrem drauf, bin sehr gehypt und das allein vom Spielen, denn ich hätte mich auch gut den restlichen Messefreitag weiter dran setzen können. Leider gibt es im Moment nur eine Kampagne für die Space Marines, allerdings wird über die anderen Völker, die letztlich ihren Weg ins Spiel finden sollen, nachgedacht. Man sei aber skeptisch, ob es schon im Grundspiel so weit sein wird, denn die Entwickler bei Relic möchten sich voll und ganz auf eine richtig tolle Kampagne für die Blood Angels konzentrieren und ich begrüße das. Nicht etwa, weil ich nicht gerne auch mal etwas anderes zocken würde als die Marines, sondern weil ich möchte, dass jedem Volk soviel Liebe angediehen lassen wird, wie zB. den Chaos Marines im ersten DoW2-Addon Chaos Rising damals und das braucht nunmal Zeit. Wenigstens bis irgendwann nächstes Jahr, ein genaues Datum gibt es nämlich noch nicht.

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gamescom 2016 – Warhammer 40.000: Dawn of War 3 was last modified: August 29th, 2016 by Jan Homrighausen

Mag clevere Videospiele, laute E-Gitarren und gute Bücher. Killt in seiner Freizeit gerne Mutantenhorden, Verbrechersyndikate, gefallene Götter, außerirdische Imperien und allerlei anderes Kroppzeug, das sich nicht benehmen kann. Fantasy- und Sci-Fi-Nerd durch und durch.