Mein Termin mit Sandbox Interactive war auf der gamescom 2016 einer der schwierigsten für mich. Ich habe so gut wie keine MMO-Erfahrung, abgesehen von moderneren Titeln wie World of Warcraft oder The Division. Und um ehrlich zu sein bin ich auch nicht der größte Fan. Der Weg zum Max-Level macht mir immer sehr viel Spaß; alles, was dann danach kommt – also das Grinden für besseres Equipment und das stundenlange Herumstehen und Warten, dass jemand mit mir in einen Raid geht – nervt mich tierisch. Albion Online ist allerdings so unglaublich gut durchdacht, dass ich ernsthaft überlege, mal einen Blick auf Albion Online zu werfen.

Ich durfte eine ganze Stunde mit Stefan Wiezorek, dem Gründer von Albion Online sprechen und war ziemlich angetan, was er so zu erzählen hatte. Nicht nur die Inhalte seines Spiels, sondern auch die Begeisterung, mit der er auch nach mehreren Tagen voller Termine noch von Albion erzählte, ließen den Nischentitel in prachtvollem Glanz erstrahlen.

Großes Vorbild, große Weiterentwicklung

Grundsätzlich ist Albion Online nicht ganz die klickbare Tabellenkalkulation, wie sie EVE Online aus dem Hause CCP darstellt, obschon es als Weiterentwicklung des Hits gedacht ist. Diesmal ganz ohne Raumschiffe, dafür in mittelalterlichem Gewand mitsamt Magie und allem, was dazu gehört. Außerdem kommt Albion Online mit einer Art MOBA-Kampfsystem daher, das die Kämpfe im PvE-, aber auch im PvP-Bereich sehr übersichtlich macht. Zumindest so lange, wie nicht mehr als 25 Spielfiguren gleichzeitig über den Bildschirm huschen, denn in offenen PvP-Gebieten können die Schlachten schon mal etwas umfangreicher ausfallen. Zwar ist das Ganze nicht so actiongeladen und schnell wie bei Guild Wars 2, dafür sind wesentlich größere Schlachten möglich. Und durch die polygonarme Grafikdarstellung läuft das Ding sogar auf allen Systemen (auch auf mobilen Endgeräten) problemlos.

Der Spieler ist das Wichtigste

Allerdings nicht die Kämpfe, sondern die Economy wird als wichtigster Faktor des Sandbox-MMOs betrachtet. Spieler können komplett ohne Kämpfe auskommen und sich ausschließlich aufs Handeln, Farmen oder Craften spezialisieren. Denn die Player bestimmen die Ökonomie des gesamten Spiels. Durch die fehlende Schnellreisefunktion im Spiel sind Ressourcen, die im Startgebiet gefarmt und später dann in High-Level-Gebieten mit lokalem Markt angeboten werden, sehr hochpreisig und ermöglichen ein gutes Verhältnis zur Arbeit, die hier investiert wurde. Zudem besitzen Ressourcen nach dem Respawn eine begrenzte Anzahl Charges, was Botting nicht unterbindet aber zumindest eindämmt und begrenzt.

Sämtliche Gebäude auf festgelegtem Baugrund sind ebenfalls durch Spieler erstellt worden und werden durch selbige bewirtschaftet. So kann z.B. der Besitzer einer Schmiede Gebühren für die Benutzung selbiger erheben. Das Pachtrecht für diese Häuser ist begrenzt – Nach einer Weile haben alle Spieler die Gelegenheit, darauf zu bieten. Alelrdings hat der derzeitige Besitzer immer das letzte Gebot, welches immer verdoppelt wird. Heißt in Kurzform: Läuft das Pachtrecht ab und der höchstbietende Spieler bietet 100.000, so muss der derzeitige Besitzer lediglich etwas über 50.000 bieten, um den Zuschlag zu erhalten.

Die Spielumgebung umfasst momentan drei verschiedene Geländetypen, die die Verfügbarkeit von Ressourcen beeinflussen: Sumpf-, Wüste- und Schneegebiete, in späteren Updates sollen noch weitere Umgebungen wie Wälder und Highlands nachgereicht werden. Das Spiel befindet sich in steter Weiterentwicklung (momentan in der finalen Beta-Phase) und die Developer haben eine klare Vorstellung davon, wo die Schwächen liegen und welche Art von Content noch implementiert werden muss. Der Preis für das Spiel ist gestaffelt, je nach dem, wie sehr man die Premium-Features möchte. Genauere Informationen dazu findet ihr auf der Website von Albion Online.

Für jeden etwas

Für viele Spieler ist der PvP-Faktor unendlich wichtig. Ich persönlich versuche ja immer, jedweden Konflikt zu vermeiden, wer sich in Albion Online allerdings mal so richtig schön auf die Kauleiste hauen möchte, der hat allerhand Möglichkeiten dazu. Nicht nur gibt es PvP-Gebiete unterschiedlichster Schwierigkeitsstufen, die sowohl die Belohnung für den Tötenden, als auch die „Strafe“ für den Getöteten unterschiedlich interpretieren, Albion Online bietet zudem Schlachten um die Vorherrschaft in gewissen Gebieten. So können Clans 5-gegen-5-Schlachten vereinbaren, zu deren Start alle Spieler im Kampfgebiet sein müssen. Wir erinnern uns: Keine Schnellreise-Funktion. Die Schlachten selbst finden nicht instanziert statt, lediglich eine Mauer schützt umstehende Zuschauer vor fehlgeleiteten Zaubern.

PvE-Fans kommen natürlich auch auf ihre Kosten. So kann man in Raids losziehen, die für circa 12 Spieler ausgelegt sind. Zwar können mehr Kämpfer in der Gruppe sein, das Gegner-Scaling wird dann allerdings auf derart unfaire Höhen hochgeschraubt, dass sich das kaum noch lohnt. Bosse droppen dann nicht unbedingt Waffen, sondern Materialien, mit denen Spieler sich bessere Versionen ihrer derzeitigen Waffen schmieden können. Das begünstigt wieder das oben erwähnte ökonomische System. Die ausgerüstete Waffe bestimmt, ähnlich, wie viele es von Guild Wars 2 kennen, dann auch die Klasse und die Fähigkeiten des Spielers. Das Skillboard erinnert stark an Final Fantasy X und wird ebenfalls gerade überarbeitet, so das zu Release Ende des Jahres (das meine ich jedenfalls vernommen zu haben) auch alles startklar ist.

Ich mache jetzt mal diesen Artikel fertig und dann lade ich mir das Teil mal runter. Auch wenn laut Wiezorek „die meisten Leute das Spiel hassen“ (aufgrund der Nischigkeit des Titels, A.d.R.), macht Albion Online einen unglaublich fairen und durchdachten Eindruck und offenbart mit jeder Minute mehr Liebe zum Detail und absolute Professionalität im Bereich der MMOs. Wer nicht weiß, ob Albion Online etwas für ihn ist, schaut sich die Mannigfaltigkeit an Videos an, die YouTube beherbergt. Sandbox Interactive selbst hat im jüngsten Trailer hervorgehoben, warum im Spiel jeder Spieler wichtig ist:

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gamescom 2016 – Albion Online was last modified: August 23rd, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.