Mal unter uns: Niemand mag Schleimer. Oder Lügner. Deswegen bin ich mal ganz ehrlich und sage, dass die diesjährige Präsentation der neuen Turtle Beach-PC-Hardware eine meiner liebsten der gamescom 2014 war. Und das nicht nur, weil es Salzstangen und Cola gab.

Ah, der Herr in der dritten Reihe hat eine Frage? … Ja, Sie haben völlig richtig erkannt, dass Turtle Beach bisher eher dafür bekannt war, Spieler mit Headsets zu versorgen, nun aber anscheinend auch Gaming-Hardware vertreibt. In Zusammenarbeit mit Nordic Game Supply hat sich Turtle Beach direkt mehrere Produkte lizensiert, die ich mir im stillen Kämmerlein – bei Cola und Salzstangen – näher beäugen durfte.

Gaming- Keyboards

Vor mir liegen zwei Tastenbretter, die auf den ersten Blick nicht unbedingt so aussehen, als seien sie für Gamer gedacht. Abgesehen vom Turtle Beach-Logo erweckt hier nichts den Anschein, als könne der geneigte Spieler damit die Highscorelisten erobern, keine Touchscreens, keine Makrotasten, kein ausgefallenes Sci-Fi-Layout.

Impact700_4Ein planschwarzes Design in kompakter Form; Lediglich die rote Hintergrundbeleuchtung der Impact 700 lässt vermuten, dass diese Tastatur für den Einsatz in der nächtlichen Umgebung eines Online-Schlachtfeldes geeignet sein könnte. Als ich mein Tastenentfernungs-Tool aus der Tasche zog und in einem unbeobachteten Augenblick das Innenleben des Keyboards unter die Arrcade-Lupe nahm, bestätigte sich meine Vermutung: Schwarze Cherry-Switches, die nicht nur ungewohnt leise, sondern auch über alle Maßen langlebig sind, wandeln den spielerischen Tastendruck in eine effektive digitale Kriegserklärung um. Und noch etwas, was mich sehr erstaunte: Offensichtlich besteht das Tastaturgehäuse gänzlich aus Metall. Das sieht man nicht, man spürt es aber spätestens dann, wenn man das Brett in die Hand nimmt, um sein Mikro, Headset oder seine Maus in einen der 3.5-mm-Klinkenbuchsen oder der beiden USB-2.0-Anschlüsse zu stecken (deswegen auch das dicke Kabel). Großer Vorteil der metallenen Form: Wenn es mit dem Gaming-Erfolg nicht klappt, kann man seinem Kontrahenten immerhin noch seine Tastatur über die Rübe brezeln. Das Keyboard überlebt. Der Gegner wohl eher nicht.

Impact500_1Die kleine Schwester des Impact 700, die Impact 500 (ja, genau: Kleinere Nummer, kleineres Modell!) beschränkt sich auf das Wesentliche. Blaue Cherry-Switches, die (für mich persönlich) ein angenehmes Feedback vermitteln, fehlende Beleuchtung und einen ebenfalls fehlenden Num-Block machen die Sparversion (für immerhin noch ca 80 Euro) einen schwergewichtigen Reisebegleiter für Auswärtsspiele. Denn trotz der rucksackkompatiblen Größe, besitzt auch die Impact 500 ein stahlverstärktes Gehäuse, das sich echt nett anfühlt. Allerdings muss ich ganz ehrlich gestehen, dass ich ein Verfechter von „Größer ist immer besser“ bin, und ich eher zur großen Schwester greifen würde. Wie im echten Leben auch.

Gaming-Mäuse

Auch die rechte Gamerhand wird ab November 2014 versorgt, denn auch Gaming-Mäuse standen auf dem Präsentationsplan. Ebenfalls zwei Versionen, die selbstverständlich abhängig vom Geldbeutel des Endkunden den Weg in die heimischen Zockerstuben finden sollen.

Grip300 and 500Diesmal machen wir es andersrum: Die „kleine Variante“ der Spielernager heißt Grip 300. Eine optische Maus im ergonomischen Design mit einer kleinen Besonderheit: Zwei kleine mechanische Schalter an der Unterseite des Gerätes lassen den Spieler seine Abtastrate und DPI-Zahl selbst auswählen. Das kennt man so eigentlich eher selten, finde ich aber per se nicht verkehrt, auch wenn diese Eigenheit wohl eher dafür gedacht ist, die Einstellungen zwischen den Spielen zu wechseln. Ein verändern der Empfindlichkeit z.B. beim Wechseln der Waffen in First-Person-Shootern, ist hier unpraktikabel und nicht anzustreben.

Wer hierauf Wert legt, greift lieber zur großen Schwester, die auch rein körperlich andere Dimensionen ausweist (siehe Bild). Hier ist ein Laser für die Bewegungsabtastung zuständig, der sich per Knopfdruck an der Oberseite (now we’re talking!)in mehreren Stufen – bis zu 8200 dpi – verstellen lässt. Einzelne Profile können – per internem Speicher, also auch für den Auswärtseinsatz geeignet – auf der Unterseite gewählt werden. Coolness-Punkte gibt es dafür, dass die Beleuchtungsfarbe des Nagers dann wechselt. Auf so nen Kram stehe ich ja total, weswegen ich in der Nachbesprechung immer wieder neidisch auf die Grip 500 starrte.

Gaming- Headsets

Turtle Beach wäre nicht Turtle Beach, wenn nicht mindestens ein Headset präsentiert worden wäre. An diesem verregneten Donnerstag bekam ich sogar gleich drei gezeigt.

3000x3000-RECON100-ADas Ear Force Recon 100 ist ein Stereo-Headset mit 50mm-Lautsprechern und 3.5-Klinkenstecker. Die Besonderheit hier: Die Außenschalen können abgenommen und dem eigenen Geschmack angepasst werden. Ein Stereo-Headset ist natürlich im Jahre 2014 eher als Budget-Variante für unterwegs zu sehen, denn so richtig Bock macht Gaming nur, wenn der Sound wirklich von allen Seiten kommt.

3000x3000-RECON320-AUnd genau deswegen wurde mir die mittelgroße Variante gezeigt, das Ear Force Recon 320. Komplizierter Name, ganz einfaches Prinzip: Am PC kann dieses 7.1-Surround-Headset per USB angeschlossen werden, Freunde des mobilen Gamings bekommen Stereosound per Klinkenanschluss. Auch hier wurden 50mm-Lautsprecher verbaut, die bei sehr (!) hoher Lautstärke zwar etwas klirren, aber das kann auch am Tinnitus gelegen haben, weil sie Teile echt einfach NUR laut sein können. Davon bekommt die Umgebung durch die geschlossene Form allerdings kaum etwas mit. Für Busproleten nicht geeignet, für diskrete Hörer (sind mir ohnehin die liebsten) eine coole Sache.

3000x3000-z60_AMein absoluter Favorit der Präsentation: Das Ear Force Z60. Pow! 60mm-Lautsprecher in Überohrschale. Megageil. Kein Scheiß. Als Bassfetischist musste ich wohl dämlich gegrinst haben, als meine Ohren durch die Vibration des Tieftons ins Wackeln gebracht wurden. Der 7.1-DTS-Ton (auch geil) funktioniert sowohl am PC, als auch am Mac per Plug-and-Play, erfordert also keinerlei Installation. Das Mikro ist, wie man es von Turtle Beach gewohnt ist, abnehmbar und nervt so in sprechfaulen Lebensphasen nicht. Die Verarbeitung des größten gezeigten Modells ist um einiges wertiger als das der Recon-Serie. Die schwarzen Ohrmuscheln sind ein Geschenk der Götter, sehen weiße Textiloberflächen bei regelmäßiger Benutzung (habe ich gehört) leider sehr schnell sehr eklig aus. Hier wurden sich offenbar wirklich Gedanken gemacht, denn wenn selbst ich zustimmend nicke (und das nicht nur aufgrund des fetten Basses), dann kann das Ding wirklich was. Und für knapp 120 Euro geht das auch voll klar.

 

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gamescom 2014 – Turtle Beach was last modified: August 18th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.