„What’s better than a Fatality? Damn right, a Fatality montage!“

Mit diesen Worten läutete der übermotivierte Sprecher der Mortal Kombat X-Präsentation einen wüsten Zusammenschnitt von blutigen Kampfmoves ein, der die anwesenden Zuschauer „Ohhhh!“ und „Ahhhh!“ rufen ließ. Hier werden Menschen auseinandergerissen, zerstückelt, durchbohrt und in Brand gesteckt, als finaler Schlag und Reviermarkierung nach einem Zweikampf im Ring.

MKX_GamescomScreenshot_KanoRaidenSpätestens hier war allen klar: So viel Geld kann Warner Interactive gar nicht ausgeben, um die BPjM zu schmieren und das Spiel auch in deutschen Landen in den freien Handel bringen zu können. Zu übertrieben die Gewaltdarstellung, zu blutig selbst das gängige Kampfgeschehen. Sicher mag man das von Mortal Kombat seit 20 Jahren so gewohnt sein, was Nether Realms aber mit dem zehnten Streich des Brutalo-Prüglers auffahren, lässt schon fast auf eine perverse Neigung zu Mord und Totschlag schließen. Im positiven Sinne. Kaum ein anderes Franchise bringt so viel Begeisterung für eine bestimmte Sache mit sich und strickt weltweit ob des Realismus verrufene Komponenten auf diese Art weiter.

Seit dem neunten Teil der Serie, der Einfachheit halber nur Mortal Kombat genannt, kommen Spieler in den zweifelhaften Genuss einer Röntgenansicht, die besonders brutale Schläge, Stiche und Würfe in ebenso liebevollen wie grausamen Zeitlupen-Nahaufnahmen präsentiert, stets untermalt mit entsprechender Geräuschkulisse. Sicher ist die gezeigte Brutalität seit jeher ein fixer Bestandteil eines jeden MK-Spiels, die Begeisterung, die eingangs erwähnter Sprecher allerdings an den Tag legte („We’re a bunch of sick bastards“), lenkt den Fokus klar in die falsche Richtung. Denn das anschließende Hands-On, das ich gegen Michael Cherdchupan bestreiten durfte, zeigte, dass Mortal Kombat X viel mehr ist, als ein breiiger Haufen Gedärme und abgetrennter Köpfe.

Ich mag Prügelspiele. Ich mag sie etwas mehr, wenn ich besser bin, als mein Kontrahent, weil ich selbst nicht allzu gut darin bin. Aber ich mag sie. Mit Mortal Kombat bin ich nie sonderlich warm geworden, das ebenfalls von Warner vertriebene Injustice – Gods Among Us gefiel mir, unter allen in den letzten handvoll Jahren herausgebrachten Beat-‚Em-Ups noch am besten. Grunde dafür waren wohl die vertrauten Superhelden- und -Schurkengesichter und das weitaus actionlastigere Gameplay inklusive Umgebungseinbindung.

MKX_GamescomScreenshot_KanoScorpionMichael und ich stehen mitten im Wald. Das heißt, unsere Kämpfer tun das. Ich spiele Sub Zero, All-Time-Favorite der Spielergemeinde und unverzichtbares Gut eines jeden Mortal Kombats. Michael spielt D’Vorah, eine junge Dame, die halb Mensch, halb Insekt zu sein scheint. Während ich mich frage, wie man solch einen Hybriden zustande bringt, geht der Kampf auch schon los. Ich bin begeistert, wie direkt meine Tastendrücke auf dem Xbox-One-Controller umgesetzt werden, fast werde ich an die Responsivität des oben genannten Injustice erinnert. War das bei MK schon immer so? Ich hatte es eigentlich immer etwas träge in Erinnerung. Definitiv neu ist aber, dass nun auch die Umgebung direkt ins Kampfgeschehen eingebunden wird; So können wir Baumstämme auf den Kontrahenten pfeffern oder uns gekonnt an Ästen entlanghangeln um den Gegner per Rolle anzugreifen oder einem schmerzhaften Tritt zu entkommen.

MKX_GamescomScreenshot_KanoRaiden2Als ich dann noch zum benachbarten Bildschirm schiele und eine atemberaubend geile Kampfarena inklusive meterhohem Wellengang, Schiffswracks und angeschwemmten Leichen erhasche, gibt es für mich kein Halten mehr. Ich greife mir Michaels Spielfigur, zertrümmere ihr das Rückgrat und reiße sie anschließend über meinem Kopf in zwei Teile. Das Blut spritzt, die umstehenden Menschen rufen „Ohhhh!“ und „Ahhhh!“, die Präsentation ist vorüber und ich bin überzeugt. Mortal Kombat X macht einfach unglaublich viel Spaß, zumindest in dieser einen Runde, die ich spielen konnte. Wie hoch die Langzeitmotivation für mich persönlich wird, bleibt abzuwarten, aber gerade die neuen spielbaren Charaktere, die bisher bekannt sind (D’Vorah, Casssie Cage, Ferra/Torr und Kotal Kahn) erweitern den Cast und die damit erreichbaren Kombinationsmöglichkeiten untereinander enorm. Auch das Feature, dass jeder Spieler aus drei möglichen Figurvarianten, die seinem Playstyle entsprechen, wählen kann, macht einen durchdachten Eindruck und bringt einen Hauch mehr taktisches Denken ins Spiel. Bleibt nur zu hoffen, dass die BPjM zum Release 2015 mal ein Auge zudrückt und den Titel nicht auf den berühmt-berüchtigten Index setzt. Eine Selbstzensur ist wohl weder machbar, noch gewollt.

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gamescom 2014 – Mortal Kombat X was last modified: August 19th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.