Gamescom-Donnerstag, 19 Uhr. Ich betrete den 2K-Stand, weil ich eingeladen wurde, Evolve zu spielen. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, dass der Titel von den Left 4 Dead-Machern gleich fünf gamescom-Preise einheimsen würde, darunter auch den für das beste Spiel. Ebenfalls konnte noch niemand ahnen, wer mir hier über den Weg laufen würde.

evolve_10Kurz als Zusammenfassung: Evolve ist ein First-Person-Shooter. Vier Jäger versuchen, ein riesiges Monster zu erlegen, wobei jeder Jäger eine bestimmte Rolle im Spiel einnimmt: Support, Assault, Medic oder Trapper. Hier kommt es auf das richtige Zusammenspiel an, um den einzelnen übermächtigen Spieler auf der anderen Seite dingfest zu machen.

Ich betrete den dunklen Raum. Jeweils fünf Rechner stehen in mehreren Reihen nebeneinander, einer davon mit einem Sichtschutz von den anderen getrennt. Das ist der Platz, an dem später der Spieler sitzen wird, der das Monster steuert. Ich nehme auf dem Stuhl Platz, der für den Trapper bestimmt ist. Meine Aufgabe wird es später sein, Fallen aufzustellen, die das Ungetüm in Schach halten, und gleichzeitig mit meinen Mitspielern ordentlich Blei hinein zu pumpen.

Ich blicke nach rechts. Neben mir sitzt Tino Hahn, Chefredakteur von IGN Deutschland. Den mag ich. Daneben ein Gesicht, das ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Ein Gesicht, das mit körperlichen Schmerzen aufgrund von durch den Radiofleischwolf gedrehten Musik auf ewig in meinen Gehörgang eingebrannt sein wird: Martin Kesici. Kennt ihr bestimmt noch. Auf der anderen Seite Helen (ich glaub, sie hieß so) und das Monster. Den kannte niemand. Da hat auch niemand nachgefragt.

Evolve-Feb-Screenshot-3Während Herr Kesici zeitgleich damit beschäftigt war, die tätowierte Entwicklerin anzuflirten und verbalen Durchfall in die eigens aufgestellte Kamera zu sabbeln, und dabei immer und immer wieder betonte, wie wichtig doch das Teamplay bei Evolve sei, befand sich dieser konstant circa 250 Meter vor allen anderen Spielern.

An dieser Stelle hätte ich bereits das Handtuch werfen können. Unvermeidlich der Untergang der Gruppe. Unabdingbar der Verlust des Matches. Ein Laberkopf, der den Turbo zündet um als erster Spieler im Alleingang das Monster zu töten ist der Todesanker, der die gesamte Gruppe ins Verderben zieht. Aber vielleicht konnten die übrigen Spieler das Ruder noch rumreißen.

Fehlanzeige. Das Match endete mit vier Jägern auf der Erde, was mir allerdings zwei wichtige Lektionen beibringen sollte, die mich für den Rest meines Lebens begleiten werden. Erstens: Martin Kesici ist ein Laberkopf, der das eigene, holprige Rumgeflirte über das Wohl des Teams stellt. Wer kann es ihm verübeln? Zweitens: Evolve ist nicht nur wunderhübsch, sondern auch knallhart und ausbalanciert. Hier muss wirklich jeder mit anpacken, um eine Schnitte gegen das Monster zu haben. #4v1 eben.

Falls Herr Kesici seine Teamplayfähigkeit ohne weibliche Distraktion erneut unter Beweis stellen sollte, weiß er, wo er mich findet. Bis dahin muss ich leider einfach annehmen, dass er entweder, obschon er die Grundzüge des Spiels verinnerlicht hat, nicht wirklich spielen kann, oder tatsächlich im Ernstfall seine Mitstreiter im Stich lassen würde. Das möchte ich aber irgendwie nicht glauben.

Verdient das beste Spiel der Messe. Ein großer Spaß, auf den ich eigentlich nicht mehr warten möchte. Denn bis zum 10. Februar 2015 dauert es leider noch ein bisschen.

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gamescom 2014 – Evolve was last modified: August 19th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.