Ich muss ja gestehen, dass ich nicht zwingend der fleißigste Borderlands-Spieler bin. Neulich erzählte mir jemand bei einem Bier, er habe bereits sage und schreibe 700 Stunden in den zweiten Teil der Shoot-and-Loot-Saga investiert. Da kann ich mit meinen immerhin knapp 200 Stunden natürlich nicht im Geringsten gegen anstinken. Dennoch würde ich mich als eine Art Borderlands-Fanboy bezeichnen, was natürlich absolut verständlich ist – Der Spaß, das Sich-selbst-nicht-ernst-nehmen, die Action… Hach. Toll. Aber das muss ich hier sicher niemandem erzählen.

Nun sitze ich hier, in einem kleinen Raum gefüllt mit gespannten Fans, an dessen Wand ein überdimensioniertes Borderlands-Artwork hängt, und warte, dass die Präsentation startet. Dieser Raum ist fast schon als Symbolbild für die Shooter-Franchise zu betrachten – Selbstbeweihräucherung, Fanboys und Anthony Burch (Lead Writer von Borderlands 2 und The Pre-Sequel), der ungeduldig darauf wartet, seinen auswendig gelernten Text zum zehntausendsten Mal den beiwohnenden Gästen zu präsentieren. Ich erspare euch die Details dieser Vorstellung, sondern möchte lieber darauf eingehen, was ich im anschließenden Hands-On erleben durfte.

Everyone loves Claptrap!

Claptrap_Pose01Ich setze die Kopfhörer auf und muss feststellen, dass ich an einem Rechner Platz genommen habe, an dem bereits Claptrap als Spielfigur ausgewählt wurde. „Everyone loves Claptrap!„, scherzte Burch noch vor 3 Minuten im Nebenzimmer. Dass dieser im Pre-Sequel zu spielen sein würde, verursachte in mir gemischte Gefühle. Einerseits ist Clappy echt das nervigste Stück Code, das jemals meinen Weg in pandoranischen Gefilden kreuzte: Ständiges Geplapper mit einer Stimme zum Abgewöhnen. Andererseits sind die Gags schon sehr oft sehr witzig, weswegen ich hin und hergerissen bin, bei dem Gedanken daran, ständig einen kleinen Nervroboter im Ohr zu haben.

BTPS_Gamescom-PAX_Prime_Claptrap_PartyAllerdings hält sich das Blödgelaber durchaus in Grenzen. Lediglich bei Aktivierung von Claptraps Actionskill, also der Spezialattacke, erkennt man eine Regelmäßigkeit der verbalen Absonderung. Und gerade sein Actionskill ist, was den kleinen Roboter im Pre-Sequel so besonders macht. Anders als seine Kampfgefährten, nutzt der Char nicht immer die gleiche Attacke, sondern variiert den Skill, je nach dem, was auf dem Schlachtfeld gerade passiert. Sind die Schilde geladen? Ist ein Badass in der Nähe? Spiele ich in einer Gruppe? All diese Faktoren werden berücksichtigt, um automatisch einen Skill aus einem Pool von Fähigkeiten auszuwählen und zu aktivieren. Da wird der Spieler zum Gunzerker, wirft Turrets oder lässt die Mitspieler einfach mal sinnlos wie Flummis durch die Gegend hüpfen. Dass dies eine mannigfaltigere Bandbreite an notwendigen Playstyles ins Spiel wirft, ist klar; also birgt jede Aktivierung des Skills quasi Herausforderung und Überraschung zugleich.

BTPS_Gamescom-PAX_Prime_Athena_POV_1Großer Vorteil der Wahl des quirligen Robotergesellen: Während sich „menschliche“ Mitspieler stets Sorgen um ihren verfügbaren Sauerstoff in der extraterrestrischen Mondlandschaft machen müssen, kann Claptrap diesen Faktor außer Acht lassen und auch die Sauerstoffblasen, die den Vorrat normalerweise wieder auffüllen, links liegen lassen. Das wird der Ausgleich zum ansonsten äußerst willkürlichen Gameplay des Charakters sein.

Eigentlich war ich gekommen, um Ashly Burch, Anthonys Schwester (spricht Tiny Tina in Borderlands 2), einen Heiratsantrag zu machen. Dass diese allerdings gar nicht zugegen sein würde, enttäuschte mich zwar, die Möglichkeit den jüngsten Teil der Borderlands-Franchise (der übrigens nur für PC, 360 und PS3 erscheinen wird, was äußerst genial ist) anzuspielen, machte diesen Umstand allerdings wieder wett. Außerdem hatte ich eine Laserwaffe und konnte mit einer Freeze-Gun Gegner einfrieren. Auf dem Mond! AUF DEM MOND! Fanboy-Galore!

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gamescom 2014 – Borderlands: The Pre-Sequel was last modified: August 25th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.