Mein kleines Fanboyherz machte einen Satz, als kurz vor der diesjährigen gamescom ein Current-Gen-Assassin’s Creed angekündigt wurde. Also ein AssCreed, das nicht die neuen Gameplayelemente eines Unity, die primär auf Stealth ausgelegt sein werden, beinhaltet. Vielmehr ist Rogue ein weiterentwickeltes Black Flag – Neue Waffen, neue Story und ein neuer Protagonist. Dass Ubisofts Geheimstreich mehr sein möchte, als ein Lückenfüller zwischen den Konsolengenerationen, merkt man nicht sofort, denn die eigentliche Magie erkennt der Spieler erst auf den zweiten Blick.

ACRO_screen_RV_2_GC_140813_10amCET_1407873227Schauplatz ist diesmal der siebenjährige Krieg, 1756 – 1763. Frankreich und England kämpfen um die Vorherrschaft in den nordamerikanischen Kolonien, zu Land und auf See. Erster Gedanke: Die Seeschlachten sind zurück! Schiffskämpfe in den teilgefrorenen Gewässern des Nordatlantiks vor der kanadischen Küste bringen neue Gameplayelemente ins Spiel. Eisschollen, Eisberge und gefährliche Klippen erfordern nun einiges mehr an Navigationsfähigkeiten als es beim gemütlichen Schippern in den Meeren der Karibik nötig war. Aber darum soll es hier nicht gehen. Wir sprachen über Magie, über das, was Rogue so besonders machen wird.

Ein Assassine, der keiner ist

ACRO_art_Shay_Hoodless_GC_140813_10amCET_1407873801Shay Patrick Cormack, ein junger Ire, in dessen Rolle wir schlüpfen, ist Assassine. Hat man sich fast schon gedacht. Allerdings hat Cormack sehr schnell die Nase voll und wechselt die Seiten. Erstmalig ist der Protagonist also ein Templer, der sich nicht dem gewohnten Codex der Assassinen verschworen hat, sondern ordentlich auf die Pauke haut, um Ordnung zu schaffen.

Neben mir steht Jonathan Drolet, Lead Level Designer des Assassinen-Templer-Abenteuers. Wir tragen Kopfhörer um die anderen Menschen im Kabuff, an dessen Wänden hübsche Artworks des Spiels hängen, nicht zu stören. Er erklärt mir die Neuerungen, die das Entwicklerteam hat verbauen können. Neben den Änderungen in Sachen Seeschlacht, so Drolet, gibt es außerdem eine neue Waffe, die der Protagonist auf unterschiedlichste Art und Weise einsetzen kann. Ein Multifunktionstool in Form eines Gewehres, das neben den altbekannten Berserker- und Schlafgeschossen nun auch Feuerwerkskörper abfeuern kann um z.B. Wachen abzulenken oder Fässer zu sprengen. Das erweitert nicht nur die Möglichkeiten der unerkannten Infiltration, es macht auch irre Spaß. Auch wenn ich lieber meine Säbel zücke und, die Unsichtbarkeit missachtend, einfach Vollgas gebe. Selbst Drolet ist entzückt, als ich als erster Spieler der gamescom eine bestimmte Mission im Rahmen der Zeitvorgabe bewältige. Sagt er zumindest.

Attentäter-KI, Matrosengesänge und die Cashcow

ACRO_screen_Reverse_boarding_GC_140813_10amCET_1407873223Doch was bringt der Fakt, nicht auf Assassinenseite zu spielen mit sich? Nun, zunächst muss man sagen, dass wir als Templer selbstverständlich die Kapuzenträger als Feinde haben und entsprechend bekämpfen müssen. Ob das nun um das Befreien von belagerten Festungen ist (kennt man aus Teil IV) oder ein plötzliches Auftauchen eines Attentäters während eines Seekampfes (ja, genau. Das, was man selbst in Black Flag gemacht hat) ist. Dabei agieren die Assassinen genau so, wie man auf der Gegenseite selbst agiert hätte: Anschleichen, Anspringen aus dem Hinterhalt, Rauchbomben…  – Unglaublich cool, einmal die andere Seite zu erleben.

Auch größentechnisch setzt Ubisoft noch einen drauf. Offenbar wird Rogue eine drei Mal so große bereisbare Fläche aufweisen wie der Piraten-Vorgänger. Dabei unterhalten uns knapp zwei Duzend neue Shantys auf unseren Reisen auf der Morrigan durch die eisige See. Die kamen wohl so gut an, dass der Matrosenchor auf ein Neues rekrutiert wurde. Zu Recht.

Dachte ein Teil meines kleinen Fanboyherzens anfangs, hier würde die Cashcow doch ein bisschen zu sehr gemolken werden, war ich nach der Präsentation überzeugt: Assassin’s Creed Rogue könnte sogar noch besser werden als Black Flag. Die vielen Neuerungen und Verbesserungen wirken zwar etwas überladend, sind letztlich aber nur als Ergänzung und Erweiterung des persönlichen Playstyles zu sehen. Wie man es con den neueren AssCreeds gewohnt ist, wird man nur in den seltensten Fällen gezwungen sein, bestimmte vorgegebene Taktiken zu verwenden.

Noch dieses Jahr soll der Titel in die heimischen Xbox 360- und PS3-Konsolen gelegt werden können. Ich rechne einfach mal mit einer Veröffentlichung im November, damit das Weihnachtsgeschäft mitgenommen werden kann. Ein Release im Oktober erachte ich ob der kurzfristigen Enthüllung für eher unwahrscheinlich. Nichts desto trotz: Ich freu mich drauf. Wirklich. Sehr.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch PCs und Next-Gen-Konsolen nachträglich bedient werden. Inwieweit Ubisoft einen solchen Port (den es zwar direkt zu Release gab, aber dennoch) auch bei Black Flag gab, von einem Verkaufserfolg abhängig machen, steht natürlich in den Sternen.

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gamescom 2014 – Assassin’s Creed Rogue was last modified: August 21st, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.