Seit dem Release von XCOM 2 bin ich ja einmal mehr auf einem meiner Lieblingsgenres hängen geblieben – Taktikspielen. Für alle, die mit dem Begriff jetzt nicht sooo wahnsinnig viel anfangen können: Taktikspiele laufen entweder in Runden oder in Echtzeit ab und meist spielt man dabei ein kleines Trüppchen von Charakteren, die bestimmte Missionen lösen müssen. Das müssen nicht immer zwangsläufig Kämpfe sein, sondern es könnte auch um einen Diebstahl oder eine Schleichmission gehen, wo man von Punkt A zu Punkt B muss, ohne entdeckt zu werden usw. Es geht oft nicht um schnelle Reflexe, sondern Hirn und elegante Lösungen für Missionen. Da viele Taktikspiele außer der XCOM-Reihe von 2K Games jetzt aber nicht unfassbar high profile sind und große Namen besitzen, habe ich mir gedacht, ich könnte ja mal eine kleine Liste von schönen Titeln zusammen stellen, die vielleicht nicht alle kennen, aber mit denen man trotzdem eine Menge Spaß haben kann. Hier sind also fünf geniale Taktikspiele, die nicht XCOM 2 sind!

Hard West

Eine alternative Version des Wilden Westens mit untoten Cowboys, die die Drecksarbeit für den Teufel machen, mit cooler Story, schweren aber nie unfairen Kämpfen und einem cleveren Charaktersystem. Ich glaube, ich habe in meiner Review von Hard West vor einiger Zeit schon alles gesagt, was es zu sagen gibt und doch wollte ich es in diese Liste einbauen. Yes, I like it THAT much.

Mordheim – City of the Damned

Mordheim von Rogue Factor/Focus Home Interactive ist ein ist Taktikspiel in der gleichnamigen Stadt der Warhammer-Fantasy-Welt. Ehemals ein florierender Handelshafen, aber nun eine Mordheimrauchende Ruine, hat in Mordheim vor einiger Zeit ein Meteorit eingeschlagen. Neben Tod und Zerstörung hat der irrgeleitete Himmelskörper allerdings auch noch eine bislang unbekannte Substanz in Form von grün leuchtenden Kristallen mit sich gebracht – Warpstone, bzw. Wyrdstone. Neben dem Umstand, dass das Zeug Wahnsinn und Mutationen auslöst, ist es aber auch gerade in den Händen von Magiern eine mächtige Waffe, die natürlich allerlei Schatzjäger anzieht, die sich nun in den verlassenen Straßen bekämpfen. Ihr übernehmt das Kommando über ein Team von entweder menschlichen Söldnern, Skaven-Rattenmenschen, mutierten Chaoskultisten oder Kampfnonnen in Gestalt der Sisters of Sigmar. Der Titel ist eine Adaption des gleichnamigen Tabletopspiels und während es eine relativ detailgetreue Übertragung der Regeln ist, hat es genau deshalb auch eine sehr steile Lernkurve. Mordheim ist ein Spiel für alle, die schwere Rundentaktik mit jeder  Menge Zahlen, Charakterwerten, Fähigkeiten und Mircomanagement mögen. Bis man sich da mal durchgebissen hat, dauert es ein bisschen, aber es ist gutes Gefühl, das eigene Team wachsen und gedeihen zu sehen, während man richtig harte Missionsnüsse knackt. Obendrein passt die Story hervorragend zur Vorlage.

Darkest Dungeon

Eines der wenigen Spiele, die ich mit wachsender Begeisterung schon auf Steam Early Access gespielt habe. Nun ist Darkest Dungeon seit kurzem endlich komplett fertig und ich spiele es noch immer unheimlich gerne, weil keine zwei Anläufe sich wirklich gleichen. In einem namenlosen Landstrich hat ein dekadenter Adeliger aus reiner Langeweile heraus mit okkulten Ritualen herumgespielt, weil er alle anderen weltlichen Freuden schon durch hatte. Blöd nur, dass er dabei etwas heraufbeschworen hat, das sehr an H.P. Lovecrafts Cthulhu erinnert. Der Landstrich ist völlig der Finsternis anheim gefallen und die Spieler müssen ihn zurückerobern. Dabei hilft euch eine kleine Armee von Glücksrittern, die beständig mit der Postkutsche eintreffen und deren Spektrum von Kreutzrittern über kreischende Barbarinnen mit Äxten bishin zu Werwölfen reicht. Das gesamte Spiel ist in einer wunderschönen, handgezeichneten 2D-Grafik gehalten, die extrem an Mike Mignolas Hellboy-Comics erinnert.

Darkest Dungeon

In mehreren sehr unterschiedlichen Schauplätzen killt man Monster, erledigt Quests, bekämpft riesige Bossgegner, sammelt Schätze und muss in jedem neuen Dungeon überlegen, wie man am besten Lebensmittel und Hilfgestände wie Weihwasser, Verbände und Schaufeln rationiert. Der große Aufhänger von Darkest Dungeon ist allerdings Stress. Euer stets vierköpfiges Abenteurerteam sammelt auf Missionen immer mehr Stress, der dazu führt, dass jeder Charakter nach und nach den Verstand verliert. Plötzlich gehorchen sie etwa im Kampf nicht mehr oder fangen an, wirres Zeug zu reden, das alle anderen noch mehr stresst. Wenn sich die Stressleiste zu sehr füllt, sterben eure Kämpfe an einem Herzinfarkt. Daraus resultiert übrigens auch ein breites Spektrum an positiven Charakterzügen und geistigen Störungen, je nachdem wie unbeschadet oder wahnsinnig euer Team von der aktuellen Quest zurück kommt. Quasi „Ye Olde PTSD-Simulator“. Zwischen den Missionen haltet ihr euch in einem kleinen Dorf auf, das ihr mit gesammeltem Gold und Ressourcen wieder aufbaut. Dort ist auch die einzige Möglichkeit zum Stressabbau, denn man kann seine Helden in die Kirche oder die örtliche Taverne schicken, um wieder auf die Beine zu kommen und zur Not geht es halt auch mal in die Irrenanstalt. All das kostet natürlich Gold, also muss abgewogen werden, wie weit man seine Leute ans Limit treibt. Ein SEHR atmosphärisches Spiel mit geistiger Gesundheit als interessantes und komplexes Spielelement, dass den Titel mit trägt!

Satellite Reign

Es gab in grauer Vorzeit, als das SNES die Krönung der Schöpfung im Videospielsektor war, ein Titel namens Syndicate. Man spielte Agenten in einer Cyberpunkwelt spielt, die von Konzernen beherrscht wird, wo man abwägen muss, wann man schleicht und wann man schießt. Man hat Prototypen und Geld gestolen, Einrichtungen sabotiert und auch schonmal Leute entführt. Gerade in Zeiten, wo 70% aller Spiele bunte, niedliche Jump’n’Runs waren, ein interessanter und mutiger Rahmen für ein Spiel. Heute genießt Syndicate Klassikerstatus und hat auch jetzt noch eine Menge Fans, die entsprechend aufgestöhnt haben, als EA 2012 ein Shooter-Reboot auf den Markt gebracht haben. Es war kein verkehrter Shooter, aber eben auch nicht das erhoffte Rivival. Eher Michael Bay als Ridley Scott. Wir spulen drei Jahre bis zum 28. August 2015 vor, wo Satellite Reign das Licht der Welt erblickt. Auf Kickstarter finanziert, haben wir hier ein tolles Spiel in einem hübschen Grafikgewand (Diese Lichteffekte!!), in einer Cyberpunkwelt, die von Konzernen beherrscht wird, wo man Agenten spielt… Ihr wisst was ich meine. Der Spieler steuert ein vierköpfiges Team (Hacker, Soldat, Support und Infiltrator) aus der Vogelperspektive, das sich auf einem Kreuzzug gegen einen solchen Konzern befindet.

Satellite Reign 2

 

Die Stadt in der man spielt ist groß, kohärent und jede Mission findet hier in den unterschiedlichen Stadtbezirken statt. Da es keine unterteilten Areale gibt, gibt es auch keine Ladezeiten und man kann sich frei entscheiden, was man als nächste tun möchte. Es gibt natürlich ein Missionslog, aber kein Zeitlimit und ähnliche Vorschriften. Man hackt Geldautomaten oder raubt Banken aus, um an Geld für neue Ausrüstung oder Cyberupgrades zu kommen, die dann nach und nach erforscht und benutzt werden können. Freies Speichern ist jederzeit möglich und es gibt sogar eine Zeitlupenfunktion, falls man im Kampf kurz nachdenken muss. Der Gameplayfokus liegt ganz klar auf gekonntem Schleichen und leisen Meuchelmorden, obwohl auch mal anständig geballert werden kann. Man sollte jedoch auch abwägen wann es Zeit für das eine oder das andere ist, denn der Gegner kann ständig neue Welle um Welle Verstärkung anfordern. Klar, so eine gut platzierte Handgranate erübrigt manche Konversation, allerdings sollte man dann schnellst erledigen, was zu erledigen ist und wieder in der Nacht verschwinden. Satellite Reign ist vor allem eines: Es ist endlich ein RICHTGER Nachfolger für Syndicate, über den leider viel zu wenige Leute Bescheid wissen und darum mein Appell an alle Liebhaber von Cyberpunk oder Taktik, mal einen Blick auf das Spiel zu werfen. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass man hier nicht wirklich etwas falsch machen kann. Schon gar nicht für einen Preis von etwa 30,- Euro.

The Banner Saga 1 und 2

Schon ein wenig älter und bei Erscheinen ein Überraschungshit ist The Banner Saga ein herrliches, ruhiges Spielerlebnis. In einer Welt, die sehr an die nordische Mythologie angelehnt ist, lotst man einen Wagenzug von Flüchtlingen aus Menschen und gehörnten Riesen durchs Land, auf der Flucht vor einer schier unbesiegbaren Armee von magischen Golems. Die eine Hälfte des Spiels ist eine Art interaktive „Choose your own adventure“-Story. Als Spieler wird man mit Dialogen und Hindernissen konfrontiert, die man auf verschiedene Arten lösen kann und die die Story beeinflussen. Man muss mit Nahrung und anderen Vorräten Haushalten, immer auf der Hoffung, dass hinter dem nächsten Hügel eine Quelle zum Aufstocken wartet. Der andere Teil besteht aus den taktischen Kämpfen, wobei in der Story entschieden wird, wer sich gerade wo aufhält und dementsprechend auch, welche Helden man in die Schlacht mitnehmen kann. Der größte Pluspunkt der Banner Saga – Reihe liegt definitiv in der Story und der Atmosphäre. Developer Stoic hat einen guten Job in puncto World Building abgeliefert.

 

Wer also Taktikspiele mag, wo die grauen Zellen an die Belastungsgrenze getrieben werden, müsste jetzt erst einmal versorgt sein. Wenn ihr möchtet, fühlt euch gerne eingeladen, die Liste in den Comments weiter zu ergänzen!

5 Taktikspiele, die nicht XCOM 2 sind was last modified: April 27th, 2016 by Jan Homrighausen

Mag clevere Videospiele, laute E-Gitarren und gute Bücher. Killt in seiner Freizeit gerne Mutantenhorden, Verbrechersyndikate, gefallene Götter, außerirdische Imperien und allerlei anderes Kroppzeug, das sich nicht benehmen kann. Fantasy- und Sci-Fi-Nerd durch und durch.