Die Geschichte dieses Reviews ist eine Geschichte voller Hindernisse. Manchmal ist es nämlich überhaupt nicht einfach, ein Spiel tatsächlich ans Laufen zu bekommen, selbst wenn es auf der PlayStation 4 ist. Fortnite von Epic Games ist das beste Beispiel dafür. Aber mal zurück auf Anfang…

Dein PlayStation™Network-Konto ist bereits mit einem anderen Epic Games-Konto verknüpft.

Fortnite hat ein tolles Feature: Crossbuy. Zwar funktioniert das nur, wenn man einen PC-Code kauft und dann auch nur zwischen PC und einem PSN-Account inklusive PlayStation 4, aber es klappt. Dabei blicken Xbox One-Besitzer in die Röhre, was ein äußerst seltenes Szenario ist, wenn es um Cross-Plattform-Titel geht. Um den PC-Code auch auf der PS4 nutzen zu können, muss ein Nutzeraccount bei Epic selbst erstellt werden. Da ich keinen hatte, hab ich das einfach mal gemacht. Sobald der Account erstellt ist, kann man den Code eingeben, der das Spiel freischaltet, was auch reibungslos funktionierte. Jetzt kommt aber der Knackpunkt: Um auch auf der PS4 spielen zu können, muss der Epic Account mit einem PSN-Konto verknüpft werden.

Dieser Vorgang produzierte bei mir allerdings eine Fehlermeldung. Mein PSN-Konto sei bereits mit einem anderen Epic Account verknüpft, hieß es da. Ohne bisherigen Epic Account, ohne Ahnung, was hier los ist und ohne Erfolg bei weiteren Versuchen, richtete ich mich also an den Epic-Support. Dieser benötigte einige Tage, um auf mich zurück zu kommen, konnte mir dann aber erklären, woran der Fehler liegt. Als das Epic-eigene MOBA-Game Paragon die Open-Beta-Phase einläutete, kam ich nicht umher, auch mal einen Blick darauf zu werfen. Beim Spielstart wurde ich anscheinend gefragt, ob ich mein PSN-Konto zwecks Speicherung des Fortschritts nicht an einen (zu registrierenden) Epic Account binden möchte. Diese Frage verneinte ich. Daraufhin wurde mein PSN-Account an ein namenloses Epic-Konto gebunden und somit jedwede Chance vernichtet, da jemals wieder ranzukommen.

Zumindest schien es so. Denn der Kundensupport, eine Person namens KonG (ich finde übrigens sehr sympathisch, wenn Unternehmen Playertags verwenden!) konnte meinen neu erstellten Epic-Account löschen, und versorgte mich mit einem Link, der mich meinen PSN-Account zu einem ordentlichen Epic-Account upgraden ließ. Zeitgleich wurde der PC-Code von Fortnite, den ich bereits einlöste, zur erneuten Verwendung zurückgesetzt. Wer das gleiche Problem hat, der findet auf der Paragon-Website die Beschreibung, was zu tun ist. Dort kann man sich auch mit dem Kundendienst in Verbindung setzen.

Vollkommen ohne Fokus

Das Prinzip von Fortnite ist mitnichten ein neues. Eine wilde Mischung aus Orcs Must Die, Pflanzen vs. Zombies und Minecraft als Free-To-Play-Variante weiß durch tolle Trailer und eine umfangreiche Marketingkampagne zu überzeugen, kann aber leider bei Weitem nicht halten, was es verspricht. Gut, das Ding steckt noch frisch in seiner Early-Access-Phase, aber selbst hier sollte Epic Games als verantwortliches Entwicklerstudio, zumindest in Ansätzen wissen, in welche Richtung das Spiel gehen sollte. Statt dessen präsentiert sich Fortnite als halbdurchdachtes Konglomerat guter und schlechter Ideen in den verschiedensten Phasen der Umsetzung. Der Zugang zur Early-Access-Version wird bewacht von relativ hohen Preisen. Für 40 Euro bis 150 Euro können wagemutige Spieler sich hier den Eintritt erkaufen.

Early Access war für mich immer ein Buch mit sieben Siegeln. Warum sollte ich Geld für etwas ausgeben, was noch lange nicht fertig ist? Ich spiele lieber Spiele, die funktionieren, deren Mechaniken feststehen und Spiele, die nicht alle 10 Minuten abstürzen. Fortnite erfüllt in seiner momentanen Form keine dieser Anforderungen. Dies liegt aber vor allem daran, dass dem Spiel ein klarer Fokus fehlt. Anstatt sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, wird der Titel aufgebläht mit unnötigen und unverständlichen Spielmechaniken, um den Free-to-Play-Faktor, der mit dem kostenlosen Start 2018 zusätzlichen Umsatz generieren soll, auf die Straße zu bringen. Das Core-Game rund um den Bau und die Verteidigung einer Feste nimmt hierbei nur einen minimal und schwer vernachlässigten Teil des Games ein. Ein kompliziertes Sammelsystem für Verteidiger, Helden, Überlebende, Skizzen, verschiedene XP-Klassen, Forschungspunkte, Waffen, Fallen und Munition lässt mich auch nach einigen Stunden Spielzeit immer noch im Dunkeln darüber, für was ich die einzelnen Dinge überhaupt benötige. Versteckt in einer verschachtelten und kompliziert zu bedienenden Menüstruktur fristen die stetig auf mich hereinprasselnden, nichtssagenden Belohnungskarten aus Beute-Llamas (der Bindestrich hier ist wichtig!) und/oder Beutekisten einem Dasein, das hoffentlich in einer späteren Entwicklungsphase des Spiels weggekürzt wird.

Tower Defense ohne Verteidigung

Aber nicht nur das Makrogame, sondern auch die eigentliche Spieltätigkeit ist so flach und nichtssagend wie der Rest. Zusammen mit bis zu drei weiteren Mitspielern werde ich auf einer meist prozedural generierten Karte ausgesetzt. Diese ist durchaus hübsch gestaltet und zusätzlich kann ich hier alles, mit Ausnahme von Terrain, mit meiner Spitzhacke in Rohstoffe zerlegen, die ich dann später zum Basis-, Fallen-, Waffen und Munitionsbau verwenden kann. Leider belässt Epic Games es in Fortnite nicht bei diesen beiden Faktoren. Anstatt mich vollständig auf Rohstoffabbau und Verteidigungsaufbau konzentrieren zu können, werde ich durch sinnlose Nebenquests quer über die Karte gescheucht bevor ich manuell die Horden hereinlasse. Sammelquests, Tötungsmissionen… Die Mannigfaltigkeit der Zusatzaufgaben ist weniger mannigfaltig als ihre schiere Anzahl. Dabei spielen die Mitstreiter auch selten zusammen. Vielmehr braut hier jeder sein eigenes Süppchen, was auch oft mit dem Grand Finale eines jeden Levels, der einfallenden Zombiemassen, nicht aufhört. Hier ist wieder der fehlende Fokus Schuld. Fortnite ist der Spiel gewordene Wasserschlauch außer Kontrolle, der wild um sich schlagend versucht, alles nass zu spritzen.

Aber selbst das Core-Game, der Festungsbau mit anschließender Verteidigung selbiger, ist nicht wirklich zu Ende gedacht. Selbst nach vielen, vielen Spielstunden und entsprechendem Weiterkommen im Spiel sind die Zombies nicht in der Lage, sich auch nur in die Nähe meiner Verteidigungsanlagen zu bewegen. Zu schnell mähen meine und die Waffen meiner Mitstreiter die schwachen Gegner nieder. Lediglich eine bestimmte Gegnerart, die aber unglaublich selten auftritt, schaffte es, an uns vorbeizustürmen und eine Wand der Festung einzureißen. Auch hier wieder: Fehlender Fokus. Wieso hat das Core-Game keine absolute Priorität? Warum muss Epic Games Fortnite derart ausschmücken, dass das Wesentliche derart zu kurz kommt? Denn gerade solch ein Spiel (im Stil von OMD Unchained, Dungeon Defenders, etc.) wurde mir versprochen und dass ich jetzt nur eine rudimentäre Version dessen bekomme, ist mehr als enttäuschend. Denn das Potenzial ist durchaus vorhanden. Das Bauen macht, obschon die Tastenbelegung und das HUD ein absolutes Graus sind, unglaublichen Spaß. Schade, dass es fast vollkommen unnötig ist.

Die deutsche Fassung ist mit das Schlechteste, was mir seit Langem untergekommen ist. Falsche und schlechte Übersetzungen runden die schlechte Synchro ab, die auch nur zum Teil lokalisiert ist. Da wechseln Charaktere mitten im Satz die Sprache oder betonen Dinge vollkommen inkorrekt. Ich weiß wirklich nicht, wer für dieses Konstrukt, das ich fast schon als absichtliche Beleidigung der deutschen Sprache betrachten würde, verantwortlich ist. Schrecklich.

Da man in Zukunft als Spieler so oder so Geld in das Spiel investieren muss, sehe ich keinen Grund, irgendwem zu empfehlen, hier in der Early-Access-Phase zuzuschlagen. Obschon Fortnite 2018 als Free-To-Play-Titel releast werden soll, muss der geneigte Spieler hier als Versuchskaninchen für ein unfertiges Spiel relativ viel Geld berappen. Dafür gibt es zwar einige Belohnungen, diese sind aber wieder im spieleigenen Makro-Game verankert, so dass es für zahlende Kunden keinen wirklichen Mehrwert bietet. Meine Empfehlung aufgrund der zahlreichen Stunden, die ich in Fortnite investiert habe, ist: Abwarten. Spart euch die Kohle und probiert das Spiel erstmal aus, wenn es tatsächlich als kostenfreie Variante in die digitalen Vertriebskanäle gespült wird. Dann könnt ihr zumindest im Nachhinein noch entscheiden, ob ihr tatsächlich Geld investieren wollt, oder doch weiterzieht.

Fazit

Das Bauen macht unglaublich viel Spaß, entsprechend würde es das Verteidigen auch tun, wäre es denn tatsächlich notwendig. Statt dessen hat Epic Games seinen Early-Access-Titel derart mit Makro-Game-Elementen zugepflastert, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kann. Ein absoluter Fokusverlust führt dazu, dass man als Spieler nicht mehr weiß, was genau Fortnite eigentlich darstellen soll. Lieber abwarten und sehen, was die Macher durch das späte Feedback der Community noch aus Fortnite machen kann und nicht direkt Geld für etwas latzen, was wirkt wie ein Brei angerührt durch zu viele Köche.

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Fortnite was last modified: August 8th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.