In Flames, einst das Synonym für den sog. Göteborg-Sound, haben sich (mal wieder) neu erfunden und eines kann ich direkt vorweg nehmen: Wer auf ein Album der Marke The Jester Race gehofft hat, ist selber Schuld und sollte schleunigst das Weite suchen. Siren Charms steht ganz in der Tradition der letzten Alben und geht sogar noch ein paar Schritte weiter was die Alternative-Komponente angeht.

Die Vorab-Single Rusted Nail steht exemplarisch für den Klang des zweiten Werks nach Jesper Strömblads Abgang: Der Elektronik-Anteil wurde erneut hochgeschraubt, Anders Fridén growlt so gut wie gar nicht mehr und die zweistimmigen Leadgitarren weichen immer öfter beinahe tanzbaren Rifforgien.

Wer In Flames jedoch auch bei Album Nummer 11 den oft zitierten Ausverkauf vorwirft, vergisst dabei gerne, dass schon seit jeher all diese Elemente Teil des Gesamtbildes waren, nur eben nicht so vordergründig, wie dies heuer auf Siren Charms hervortritt. Da überrascht auch ein Track der Marke When The World Explodes nicht mehr, der mit Gastsängerin Emilia Feldt aufwartet, einer in Schweden bekannten Sopranistin.

Aufgenommen wurde diesmal im Hansa Studio zu Berlin, das schon von Depeche Mode über Iggy Pop bis hin zu Udo Jürgens vielen Größen aus allen Genres zu erfolgreichen Alben verholfen hat. Allerdings wurden hier auch Celtic Frost’s Cold Lake und Vanity/Nemesis verkorkst; Pop-Anleihen wie in With Eyes Wide Open seien In Flames also nach zusehen…

Einen direkten Einfluss auf das Songwriting hatte der Standortwechsel aber nicht, wie die Band selbst konstatiert. Man hat sich vielmehr mit der Produktion und vor allem dem Mix auseinander gesetzt, was man dem Ergebnis auch deutlich anhört.

Textlich geht es vorrangig um Verführung und die Angst, verloren zu sein, was dem Album eine weitere düstere Färbung verleiht. Anders lässt wieder viele persönliche Erfahrungen einfließen und überzeugt gerade bei den gesungenen Passagen mehr denn je.

Alles in allem zeigen sich In Flames sich Anno 2014 gleichermaßen experimentierfreudig wie selbstbewusst. Wenn man sich erst einmal von der Hoffnung auf Melo-Death verabschiedet hat und die Scheuklappen ablegt, macht die Scheibe wirklich Spaß! Ob ich aber in Zukunft Siren Charms einer Runde Colony vorziehen werde, wenn ich In Flames hören will, muss sich erst noch zeigen…

Kleiner Tipp am Rande: Checkt den Club eures Vertrauens ab, es wird wieder eine Runde Release-Partys geschmissen, z.B. am 6.9. im Helvete in Oberhausen!

Release-Termin für Europa ist der 5.9.2014!

www.inflames.com

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In Flames – Siren Charms was last modified: September 1st, 2014 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.