Im Jahre 2003 stellte Disney Pixar uns die bunte Unterwasserwelt von Findet Nemo vor. Ein absoluter Überraschungshit, der auch in seiner deutschen Fassung ausnahmsweise unglaublich großartig war. Tolle Charaktere, tolle Stimmen, grafisch hervorragend – Da wird mir niemand widersprechen. 13 Jahre später steht die Frage im Raum, ob eine Fortsetzung namens Findet Dorie ein gute Idee war.

Fast richtig benannt

Zunächst sei gesagt, dass der Titel des Films (Findet Dorie) nur mittelsinnvoll ist. Natürlich fügt er sich syntaktisch perfekt in die logische Reihe einer Benennung ein, rein vom Story-Phänotypen allerdings wäre vielleicht „Findet Dories Eltern“ etwas greifbarer gewesen. Denn der vergessliche blaue Fisch Dorie (gesprochen von Anke Engelke) sucht seine Eltern. Das ist leichter gesagt als getan, denn Dorie kann sich nur marginal an ihre Erzeuger erinnern, weiß also weder, wo sie herkommt, noch wie sie von ihrer Familie getrennt wurde.

Dies als Prämisse nehmend, verwendet Disney hier etwas zu exzessiv bekannte Faktoren ein, um eine Verbindung zum Vorgängerfilm und zu den nostalgischen Gefühlen des Betrachters herzustellen. Alles wirkt sehr gehetzt, damit die Story in Gang gebracht wird. Zwar spielen die Macher hier gekonnt mit Dories sprunghafter Art, Dinge zu überstürzen, so richtig untermauert sind ihre Initialmotive, das bekannte Riff, in dem sie nun mit Marlin (Christian Tramitz) lebt, zu verlassen, allerdings nicht.

Disneys Gruselkabinett

So sehr am Anfang auf Schnelligkeit ohne Rücksichtnahme auf Glaubwürdigkeit gehetzt wird, so sehr schleppt sich die Story im Mittel- und Endteil weiter. Sehr lange Sequenzen, die durch ihren Gehalt an Action und Pacing sehr anstrengend sind und viel Redundanz und Backtracking in der Odyssee der Charaktere, zehren schon am Geduldsfaden. Das reißen leider auch die zwar oft platzierten aber selten zündenden Gags nicht wieder raus. Generell ist der Tenor sehr, sehr dunkel und furchterregend. Ängste werden hier nicht aufgelöst sondern nur verschoben – kein Vergleich zu dem Spiel mit der Furcht und dem darauffolgenden Lacher aus dem ersten Teil.

Wie schon Joss Whedon sagte: “Make it dark, make it grim, make it tough, but then, for the love of God, tell a joke.”, eine Grundregel, die in einem Film mit FSK 0 erschreckender Weise missachtet wird. So betritt die Gruppe aus Dorie, Marlin und Nemo eine gruselige Szenerie und wird von einem fürchterlichen Tintenfisch gejagt, nur um sich in einem beklemmenden Dschungel aus Seetang und Algen aus den Augen zu verlieren. Oder eine Szene, in der duzende Kinderhände wie Meteoriten in ein Becken einschlagen und wehrlose Seesterne und Fische zum „streicheln“ herausgrabschen. Selbst ich hatte da Angst – Wie soll es da einem Fünfjährigen gehen?

Gute Stimmen, schlechte Stimmen

Produziert ist das Ganze allerdings hervorragend. Sämtliche Sprecher sind gut abgemischt, die Musik passt immer zur aktuellen Stimmung und grafisch ist Findet Dorie zeitgemäß top. Anke Engelke, Christian Tramitz und die anderen Profisprecher machen einen grandiosen Job, leider scheint es bei Disney allerdings Usus zu sein, mit „großen Namen“ zu werben und in diesem Zuge den Bäcker zum Schmied zu machen. Oder die Schwimmerin zur Synchronstimme. So erfreuen die lieblich-untrainierten Stimmen von Franziska van Almsick und irgendwelchen YouTubern, bei denen ich mir nicht mal die Mühe mache, die zu googlen, unsere Gehörgänge. Das ist fast noch schlimmer als Manuel Neuer in Planes 2. Oder Kai Ebel in Cars. Da schüttelt es mich immer noch.

Natürlich sollte man von einer Fortsetzung nicht zu viel erwarten, die sind ja meistens Murks und zehren von steter Referenz der eigentlichen Idee. Das ist zwar nicht immer schlecht, im Falle von Findet Dorie stimmt es mich aber traurig. Kaum etwas Innovatives findet seinen Weg in den Film; flache Charaktere, die als Mittel zum Zweck immer wieder in den Plottopf geworfen werden, undurchschaubares Backtracking und die damit verbundene Orientierungslosigkeit innerhalb der Kulisse sowie spärlich gesäte Knallergags lassen Findet Dorie für mich in der Mittelmäßigkeit versacken.

Fazit

Wer Spaß daran hat, die metaphysische Reise des vergesslichen blauen Fischs nach sich selbst (Stichwort „Findet Dorie„) mitzuerleben, der sollte das trotzdem tun. Erwartet aber bitte kein Findet Nemo oderübermäßig originelle Ideen. Als Sonntagnachmittagsfilm eignet sich der Streifen allemal, aber lasst die ganz Kleinen aus dem Kino draußen, denn wirklich kindgerecht ist das hier stellenweise leider gar nicht.

Findet Dorie läuft ab dem 29. September 2016 im Kino

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Findet Dorie was last modified: September 9th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.